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Adipositas: Behandlung, richtige Ernährung und viele weitere Infos.

Ernährung & Diät : Alles über Adipositas

Starkes Übergewicht oder Fettleibigkeit ist die große Krankheit unserer Wohlstandsgesellschaft und stellt in ihrer extremsten Form - Adipositas - ein Krankheitsbild dar, das auf Dauer lebensbedrohlich ist und zu den größten Risikofaktoren in den Industrieländern gehört.

Die Behandlung erfordert Geduld und einen extrem starken Willen. Und das ist nicht alles. Rund 60 Folgeerkrankungen, soziale Faktoren und der Jojo-Effekt setzen den Betroffenen stark zu.

Doch entgegen vieler Vorurteile ist übermäßig hohes Gewicht selten ein Problem des "starken Willens", sondern eine chronische Erkrankung.

Was ist der Unterschied zwischen Adipositas und Übergewicht?

Während Übergewicht schnell durch temporären Bewegungsmangel oder kurzzeitige falsche Ernährung entstehen kann und in vielen Fällen kein langfristiges Problem darstellen muss, versteht man unter Adipositas eine Ernährungs- oder Stoffwechselkrankheit, die zu einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m² und mehr führt. Dabei unterteilt man die krankhafte Fettleibigkeit in drei Schweregrade und eine Vorstufe.

Liegt der BMI-Wert zwischen 25 kg/m² und 29,9 kg/m² handelt es sich um Übergewicht, das nicht zwangsläufig zur Adipositas führt, aber bei gradueller Zunahme durchaus als Übergang zum Stadium der Fettleibigkeit verstanden werden kann. Bei einem BMI zwischen 30 kg/m² und 34,9 kg/m² handelt es sich um Grad I der Adipositas. In diesem Stadium stuft die "Deutsche Adipositas Gesellschaft" das Risiko für Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Metabolisches Syndrom, Fettleber oder Atherosklerose als „erhöht“ ein.

Ab einem BMI von 35 kg/m² bis 39,9 kg/m² spricht man von Adipositas Grad II. Laut Einschätzung der Deutschen Adipositas Gesellschaft ist das Risiko von Folgeerkrankungen in diesem Stadium „hoch“. Ab einem BMI von 40 kg/m² handelt es sich um Adipositas Grad III. Andere Bezeichnungen für diese schwerste Form der Krankheit sind „Adipositas permagna“ oder „Morbide Adipositas“. In diesem Stadium ist Gewichtsreduktion durch Umstellung des Ernährungsverhaltens nicht mehr die einzig angezeigte Therapie. Auch chirurgische Lösungen kommen in Betracht. Und das aus gutem Grund: Mediziner schätzen, dass Menschen mit einem BMI über 40 kg/m² im Schnitt rund acht bis zehn Jahre ihrer Lebenserwartung einbüßen.

Wie viele Menschen sind von Adipositas betroffen?

Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamts waren 2017 in Deutschland 43,1 Prozent der Frauen und 62,1 Prozent der Männer in Deutschland übergewichtig. Davon fallen wiederum 14,6 Prozent der Frauen und 18,1 Prozent der männlichen Bevölkerung in eine der drei Adipositas-Kategorien.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) stellt im Rahmen ihres 13. Ernährungsberichts (2017) fest: „Besorgniserregend ist der Anstieg von Adipositas. Von 1999 bis 2013 nahm der Anteil adipöser Männer um 40 Prozent und der adipöser Frauen um 24,2 Prozent zu. Übergewicht stieg im gleichen Zeitraum bei den Männern um 8,3 Prozent und bei den Frauen um 4,5 Prozent an.“

Auch bei älteren Mitmenschen verschiebt sich der Anteil der extrem übergewichtigen Menschen laut des Berichts deutlich: „Insbesondere bei den über 65-Jährigen hat die Anzahl der Personen mit sehr ausgeprägter Adipositas (BMI ≥ 40) in der Zeit von 1999 bis 2013 bei den Männern um 300 Prozent und bei den Frauen um 175 Prozent zugenommen.“

Hoffnungsvoll stimmt die Experten der DGE hingegen eine Stagnation der Zahlen bei Kindern. „In den 1990er Jahren bis 2004 nahm der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder in der Einschulungsphase deutlich zu. Erfreulicherweise verlangsamte sich bzw. stagnierte der Trend in den folgenden Jahren. Inzwischen konnte in nahezu allen Bundesländern eine Abnahme der Prävalenz festgestellt werden. Derzeit liegt der Anteil übergewichtiger Kinder je nach Bundesland zwischen 8,2 Prozent und 12 Prozent, darunter waren zwischen 2,8 Prozent und 5,3 Prozent adipös. Den geringsten Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder haben Baden-Württemberg und Bayern.“

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) galten 2016 rund 650 Millionen Menschen auf der ganzen Welt als adipös. Die meisten Betroffenen stammen aus Industrieländern, in denen die Menschen sich energiereiche Nahrungsmittel zu niedrigen Preisen problemlos beschaffen können.

Wie kommt es zu Adipositas?

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen der Universität Leipzig stellt in einem Leitfaden beispielsweise fest: „Wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre haben das Verständnis, wie Adipositas entsteht, grundlegend verändert. Adipositas wird heute ähnlich wie Diabetes Typ 2 oder Bluthochdruck als chronische Erkrankung klassifiziert. Sie zeigt die Tendenz zu wiederholten Rückfällen (Rezidiven); unbehandelt verschlechtert sie sich in der Regel im Zeitverlauf. Charakteristisch ist eine abnormale, exzessive Anreicherung von Körperfett, das zu weiteren Krankheiten führen kann. Mit zunehmendem Körpergewicht erhöht sich das Risiko, Folgeerkrankungen zu entwickeln.“ Doch die Ursachen, die zu massiv erhöhtem Körpergewicht führen, sind mannigfaltig.

In gleichem Maße wie die Verfügbarkeit solcher energiereicher Lebensmittel zunimmt, nehmen Erfordernis und Bereitschaft ab, sich zu bewegen. Wer also zu viel fettes oder süßes Essen zu sich nimmt und sich gleichzeitig nur wenig bewegt, der läuft schon früh Gefahr übergewichtig zu werden und mit der Zeit sogar eine Adipositas zu entwickeln, die man behandeln sollte. Besonders wahrscheinlich wird dies, wenn schon in frühester Kindheit falsche Ernährung vorgelebt wird. Keine festen Essenszeiten, viele Zwischenmahlzeiten und grundsätzlich keinerlei Qualitätscheck der konsumierten Produkte führen dazu, dass zügellose und unkontrollierte Nahrungsaufnahme nicht mehr die Ausnahme darstellen. Das Verhalten der Eltern wird dabei oftmals einfach von den Kindern kopiert.

Soziale Gründe sind ebenfalls für die frühe übermäßige Gewichtszunahme verantwortlich. Billige, zucker- und fetthaltige Lebensmittel werden oft aus Zeitmangel oder finanzieller Not eher gekauft und konsumiert als frische und gesunde Produkte.

Doch auch genetische Veranlagung spielt wohl eine Rolle. Bei den meisten übergewichtigen Kindern ist mindestens ein Elternteil ebenfalls übergewichtig oder adipös. Hier sollten nach Meinung der Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) vor allem Kindertagesstätten auf gesunde Verpflegung setzen, um falschem Ernährungsverhalten so früh wie möglich entgegenzuwirken.

„Da fast alle Kindertageseinrichtungen in Deutschland eine Verpflegung anbieten, können qualitativ hochwertige Mahlzeiten in Kindertageseinrichtungen einen wichtigen Beitrag für die Prävention von Adipositas im Kindesalter leisten, insbesondere da in Kindertageseinrichtungen Kinder aus allen sozialen Lagen erreicht werden“, heißt es in einer Studie des RKI. Das, was sie als Kinder bereits gelernt haben, legen die meisten Erwachsenen auch später nicht mehr ab. Im Gegenteil: Sobald sie über genug Geld verfügen, wird die Beschaffung von Nahrung, die vor allem viele Kalorien enthält, nur noch ungezügelter.

Aber es gibt auch genetische Faktoren, auf die Betroffene nur wenig Einfluss haben. Auf den Cookinseln, auf Nauru oder Palau ist beispielsweise gut die Hälfte aller Einwohner von Adipositas betroffen. Als Grund für die scheinbar kollektive Fettsucht dieser ozeanischen Völker wird angenommen, dass die Vorfahren der Menschen, die genannte Inselstaaten bewohnen, einst „sparsame Gene“ anlegten. Das bedeutet, dass sie das Maximum an Nährstoffen aus der seinerzeit nicht eben in üppigem Maß vorhandenen Nahrung aufnehmen konnten. Dass diese Eigenschaft nach wie vor vorhanden zu sein scheint, verträgt sich natürlich nur schlecht mit dem auf Konsum ausgelegten westlichen Lebensstil, der mittlerweile in jenen Kleinstrepubliken vorherrscht. Die Folge ist eine übermäßig positive Energiebilanz bei vielen dort ansässigen Menschen.

Wem es ohnehin an körperlicher Bewegung mangelt, der gerät schnell in einen Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen mehr zu geben scheint. Heißhunger-Attacken werden durch Diäten abgelöst, die wieder zu neuen Heißhungerphasen führen und in einen Jojo-Effekt münden. „Das zu hohe Körpergewicht ist nur teilweise und oft nicht nachhaltig willentlich zu beeinflussen. Durch sehr effektive hormonelle und nervale Regelkreise wehrt sich der Körper gegen eine langfristige Gewichtsabnahme und zeigt die Tendenz, ein einmal erreichtes Höchstgewicht wiederzuerlangen", stellt der Adipositas Leitfaden des IFB fest.

Wo bekommt man bei Adipositas Hilfe?

Natürlich ist zunächst der Hausarzt erster Ansprechpartner, wenn es darum geht, der Adipositas beizukommen. Nicht selten liegen bereits Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes vor, die den Betroffenen einschränken und eine Ernährungsumstellung unabdingbar machen. Manchmal hilft auch nur noch eine Magen-OP, um langfristig erfolgreich das Gewicht zu reduzieren.

Für jede Therapie gilt allerdings: Man braucht Geduld, Durchhaltevermögen und Zuspruch. Daher sind Adipositas-Selbsthilfegruppen nicht nur eine gute Möglichkeit, um Gleichgesinnte zu treffen und sich auszutauschen, sondern auch um sich gegenseitig aufzubauen, wenn man wieder einmal alles hinschmeißen will. Michael Wirtz, vom Verein "AdipositasHilfe Deutschland e.V." weiß genau, warum das Angebot so wichtig ist: „Unsere Gesellschaft geht teilweise immer noch erschreckend mit Übergewichtigen um. Es fallen immer noch Sätze wie: 'Kann der oder die sich nicht mal in den Griff bekommen?' Obwohl vielerorts ein Umdenken festgestellt werden kann, gibt es im Job und auf der Straße häufig immer noch die alten Stereotype“, sagt er.

Das deprimiert. Auch bestimmte Mediziner wollten nichts mit Patienten zu tun haben, die unter extremem Übergewicht litten. „So etwas wird zwar eher unter der Hand gesagt, aber die Betroffenen merken es natürlich“, sagt er. Es könne natürlich jeder bei einer Selbsthilfegruppe mitmachen, unabhängig vom Gewicht. Wirtz: „Wenn man alleine nicht weiter kommt und der Arzt einem nicht helfen kann, kommen die Leute zu uns. Es gibt rund 150 Selbsthilfegruppen in Deutschland, die den Hilfesuchenden Beistand leisten und ihnen mittels ihrer eigenen Erfahrungen helfen, gemeinsame Unternehmungen und sportliche Aktivitäten planen und noch viel mehr.“

In Gruppen von unterschiedlichen Größen gebe es eine Vorstellungsrunde. Idealerweise berichte ein Mitglied wie es einem die letzten Tage ergangen ist. Wirtz: „Es entwickeln sich Gespräche über Ernährung, Motivation, familiäre Probleme und mehr. Bei der Gewichtsreduktion geht es nicht um Schönheit, sondern um Gesundheit. Für mich ist es ein Erfolg, wenn die Leute das begreifen, sich öffnen und immer wieder kommen und sich eine gesündere Lebensweise aneignen. Ich als Gruppenleiter ziehe ebenfalls Kraft aus der Gruppe.“

Wozu kann Adipositas führen?

Zunächst einmal ist Fettleibigkeit extrem ungesund. Das Herz-Kreislauf-System wird überfordert, Typ-2-Diabetes tritt ebenso häufig auf wie Bluthochdruck. Auch Fettlebern sind keine Seltenheit. Die Folge all dieser Erkrankungen ist eine massive Einschränkung des normalen Lebens. Viele Menschen mit starkem Übergewicht können sich nicht normal bewegen, da alleine die zusätzliche Masse, die sie mit sich herumtragen, zur Belastung für den Körper wird. Zudem produzieren die zusätzlichen Fettdepots Botenstoffe, die den Stoffwechsel unvorteilhaft beeinflussen. Rund 200 dieser Botenstoffe werden vor allem im viszeralen Bauchfett gebildet.

Diese Art des Bauchfetts ist deshalb so gefährlich, weil es nicht unmittelbar greifbar unter der Haut (subkutan) liegt, sondern sich zwischen den Organen ablagert. Dort sondert es die entzündungsfördernden Botenstoffe ab, fördert die Insulinresistenz und beeinträchtigt oft Organe wie die Bauchspeicheldrüse oder die Leber in ihrer Funktion.

Häufige Folge: chronische Krankheiten, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein können. Warum manche Menschen eher zur Bildung von subkutanem und andere eher zur Anreicherung von viszeralem Fett neigen, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Faktoren wie Erbgut, Ernährungsverhalten oder Stressverarbeitung können dabei eine Rolle spielen. Flankierende gesundheitliche Folgen wie das Schlafapnoe-Syndrom oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen belasten die Betroffenen in ungeheurem Maße.

Neben den körperlichen Folgen ist natürlich auch die mentale und gesellschaftliche Komponente entscheidend. Psychische Folgen der Fettleibigkeit können das Problem noch verschlimmern. Adipöse Menschen brauchen oft besondere Stühle, Hilfe beim Aufstehen, medikamentöse Behandlung. Diverse psychische Faktoren führen dazu, dass man in aller Heimlichkeit isst, weil man sich vor anderen Menschen nicht mehr traut. Wenn niemand hinsieht, schlagen die Betroffenen aber erst recht richtig zu. Es kommt nicht selten zu Heißhunger-Attacken, die Betroffenen nehmen so viel Nahrung zu sich, bis sie nicht mehr können und ein starkes Völlegefühl verspüren (Binge-Eating-Störung). Doch auch ohne diese extremen Formen haben es stark übergewichtige Menschen schwer, in der Gesellschaft zu bestehen. Abwertende Blicke und Kommentare tun das Übrige, um Patienten mit Adipositas ins soziale Abseits zu befördern. Besonders schlimm stellt sich dieses Problem bei adipösen Kindern dar, die in der Schule gehänselt und ausgegrenzt werden.

Welche Medikamente helfen bei Adipositas?

Bevor man Adipositas mit einer Medikation therapiert, sind zuerst Maßnahmen wie Verhaltenstherapie, Ernährungs- und Bewegungsumstellung angezeigt. Erst, wenn diese Behandlungen keinen Erfolg zeigen, also wenn ein Patient trotz dieser Maßnahmen innerhalb von drei bis sechs Monaten weniger als fünf Prozent des Gesamtgewichts verloren hat, kommt eine medikamentöse Therapie infrage.

Hier kommen vor allem Medikamente wie Orlistat, die Lipasen im Darm blockieren und damit eine Spaltung von Fetten verhindern. Ungespalten können die Fette aufgrund der Größe nicht in den Blutkreislauf gelangen. Allerdings kann das Medikament auch die Aufnahme von diversen wichtigen Vitaminen verhindern, sodass man nicht nur auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung achten, sondern auch zuvor unbedingt mit seinem Arzt über mögliche Folgen und Nebenwirkungen sprechen sollte. Weitere Medikamente, die beispielsweise in den USA verbreitet sind, erhalten in Deutschland keine Zulassung. Oft handelt es sich dabei um Appetitzügler. Viele Mediziner zweifeln zudem am Nutzen der Arzneien. Denn die nicht gespaltenen Fette führen oft zu Durchfällen. Appetitzügler können Depressionen oder Angstzustände auslösen.

Welcher Arzt behandelt Adipositas?