Ein Abszess kann lebensgefährlich werden - wann man den Arzt aufsuchen sollte

Wann man den Arzt aufsuchen sollte: Ein Abszess kann lebensgefährlich werden

Pickel oder Abszess? Was auf den ersten Blick ähnlich aussieht, kann leider sehr unterschiedliche Folgen haben. Denn Abszesse können sehr gefährlich werden. Wir haben einen Experten gefragt, wann Betroffene zum Arzt gehen sollten.

Ein kleiner Eiterpickel am Oberschenkel oder am Hals. Das sieht zwar nicht gefährlich aus, doch das kann es werden. Denn im Unterschied zu einem harmlosen Pickel versteckt sich bei einem Abszess eine Eiteransammlung unter der Haut.

  • Wie entsteht aus einem Pickel ein Abszess?

Ein Abszess kann aus einem harmlosen Pickel entstehen, wenn sich dieser mit Bakterien infiziert. Häufig sind Staphylokokken Verursacher solcher Eiterinfektionen. Kommt es zu kleinen Verletzungen der Haut, wie es beispielsweise beim Rasieren oder durch einen Insektenstich passieren kann, entstehen Eintrittspforten für diese Keime.

Der Organismus reagiert darauf mit einer Entzündung. Neben Hautverletzungen können auch Operationen, Fremdkörper oder Prozesse im Immunsystem zur Bildung der Eiterbeulen führen. Besonders bei Menschen mit einer Störung der natürlichen Hautbarriere – etwa Neurodermitiker – haben es solche Keime besonders leicht.

Prädestiniert sind grundsätzlich Stellen, an denen die Haut ständiger Reibung ausgesetzt ist, etwa an der Leiste oder am Gesäß. Eintrittspforten finden Keime auch im Bereich von Haarwurzeln. Dort nennt man den Abszess Furunkel.

Fließen mehrere Furunkel ineinander, spricht man auch von Karbunkeln, sagt Richard Travnik, Dermatologe am Medizinischen Zentrum Kastanienhof in Köln. „Abszesse entstehen nicht nur auf der Haut. Sie können sich überall im Körper bilden, am Kiefer oder auch an inneren Organen“, erklärt der Experte.

  • Daran erkennen Sie einen Abszess

Die betroffene Stelle misst manchmal nur wenige Millimeter, kann jedoch auch groß wie ein Handteller sein, sagt der Mediziner. Typischerweise ist ein Abszess oft stärker geschwollen, gerötet, druckempfindlich oder pocht. Die betroffene Stelle fühlt sich warm an. Die in einem Hohlraum vom Körper abgekapselt entstehende Eiteransammlung kann sich im reifen Zustand an der Oberfläche als weißes oder gelbliches Eiterkäppchen zeigen. Das verleitet viele dazu, daran herumzudrücken.

  • Warum ein Abszess gefährlich werden kann

Im Aufdrücken oder gar Aufstechen aber liegt das Risiko. Eiter und Bakterien können sich im Gewebe verteilen und eine noch größere Entzündung hervorrufen. Streut der Abszess über die Blutbahn, kann er sich im ganzen Körper ausbreiten. Werden Keime, Gewebe oder Blut verschleppt, kann es sogar zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung kommen. Aus diesem Grund rät Dermatologe Travnik dazu einen Eiterknoten immer nur vom Arzt öffnen zu lassen.

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  • Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei ganz kleinen Abszessen ist zunächst eine Behandlung mit desinfizierenden Salben möglich. Oftmals heilen kleine Eiterknötchen innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst ab. Der Körper baut den Eiter selbstständig ab.

Verschwindet der Abszess jedoch innerhalb dieses Zeitraums nicht oder vergrößert er sich sogar, sollte man den Arzt konsultieren. Das gilt grundsätzlich auch für Abszesse, die eine gewisse Größe aufweisen.

Sind die Eitergebilde im Gesicht angesiedelt, besonders in Nähe zu den Augen oder der Nase, rät der Dermatologe zum sofortigen Arztbesuch. Denn in solchen Fällen besteht das Risiko, dass die Erreger bis ins Hirn vordringen. Infolgedessen kann sich ein lebensgefährlicher Gehirnabszess entwickeln.

Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Fieber oder Schüttelfrost sind ernste Hinweise darauf, dass der Körper mit der Infektion nicht selbst fertig wird. Ein rötlicher Streifen auf der Haut kann im schlimmsten Fall ein Anzeichen für eine Blutvergiftung sein. Auch hier sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

  • Wie behandelt man einen eitrigen Knoten?

Im Anfangsstadium ist ein Abszess einem gewöhnlichen Pickel noch sehr ähnlich. Erst mit der Zeit bildet der Körper eine Kapsel unter der Haut, in der sich mehr und mehr Eiter ansammelt. So sorgt der Organismus dafür, dass sich die Erreger nicht ins umliegende Gewebe ausbreiten können. Im frühen Stadium nennt man einen Abszess „unreif“. Erst wenn sich der schmerzende Hohlraum vollständig mit Eiter gefüllt hat, bezeichnet man das Gebilde als „reif“.

Kleine Abszesse auf der Haut kann man versuchen selbst zu behandeln. Normalerweise reifen sie von selbst, platzen und entleeren sich. Geschieht das, sollte man den Wundkrater desinfizieren und mit einem Pflaster abdecken.

Handelt es sich um größere Infektionen oder solche an ungünstigen Stellen, legt der Arzt zunächst einen Zugsalbenverband an. Die Inhaltsstoffe der Salbe regen die Durchblutung an und sorgen auf diese Weise dafür, dass die Immunzellen zügiger zum Zielort gelangen. Die Eiterbildung wird laut Travnik angeregt und der Abszess reift schneller. Auch feucht-warme Umschläge können diesen Prozess fördern.

Größere Eiteransammlungen eröffnet der Arzt in der Regel mit dem Skalpell unter regionaler Anästhesie. Eine Drainage sorgt dafür, dass der Eiter abfließen kann und ich nicht im umliegenden Gewebe verteilt. Zudem kann es notwendig werden, entzündetes Gewebe zu entfernen.