Ebolavirus: Wie sicher ist NRW?

Virus : Wie sicher ist NRW vor Ebola?

Die erste Ebola-Ansteckung außerhalb Afrikas weckt neue Ängste. Eine Krankenschwester hatte sich in Madrid infiziert. Könnte auch unsere Region mit dem Virus in Verbindung kommen? Fragen und Antworten.

Wie konnte sich die Krankenschwester in Madrid infizieren? Darüber rätseln auch die spanischen Gesundheitsbehörden. Möglicherweise gab es ein Leck in der Sicherheitskette. Die Gewerkschaften beklagten, das Klinikpersonal sei nicht ausreichend für die Behandlung von Ebola-Patienten geschult worden. Sogar Schutzanzüge hätten gefehlt. Die Behörden weisen das von sich. Die europäischen Sicherheitsstandards dürften weiterhin als deutlich höher als in Afrika gelten. Das zeigen auch die Fälle, die bislang in Deutschland - in Frankfurt und Hamburg - behandelt wurden und werden.

Könnte unsere Region mit dem Virus in Verbindung kommen? Ja, theoretisch sogar jederzeit: Ein Virus-Träger ist symptomfrei und fühlt sich gesund, reist nach Deutschland ein, erkrankt hier und infiziert andere. Das könnte auch schon bald passieren. Komplex wäre das zu einer Zeit, da in Deutschland die Grippe-Welle läuft. Man würde hier niemanden, der sich beim Arzt mit hohem Fieber, multiplen Schmerzen, Mattigkeit, Durchfall und Erbrechen vorstellt, unter Ebola-Verdacht stellen. Ärzte sollten aber immer fragen, ob jemand in (West-)Afrika gewesen ist oder kürzlich eine internationale Reise unternommen hat.

Wurden bei den Fällen in USA und Spanien Fehler gemacht? Die bisherigen Fälle zeigen, dass die Möglichkeit einer Ebola-Infektion zu spät erwogen wurde. Von heute an muss ein Arzt potenziell immer an Ebola denken, wenn sich ihm ein Patient mit Symptomen vorstellt, die für Ebola typisch sind. Und dann führt an einer sofortigen Quarantäne für ihn und alle, die mit ihm engen Kontakt hatten, kein Weg vorbei.

Wie verläuft die Übertragung? Ein infizierter Mensch überträgt das Virus auf einen Gesunden, indem dieser direkt in Kontakt mit Körperflüssigkeiten kommt (Blut, Speichel, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Stuhl, Brustmilch, Sperma); das können auch die Körperflüssigkeiten von Toten sein. Direkter Kontakt bedeutet Ansteckung über die Haut, die Schleimhaut (aller Körperöffnungen), die Bindehaut des Auges oder über Partikel, die sich etwa beim Erbrechen oder Husten erkrankter Personen bilden und in die Lunge der Kontaktperson gelangen.

Wer ist gefährdet? Infiziert werden bislang ausnahmslos enge Kontaktpersonen wie Familienmitglieder oder Personen, die die Erkrankten medizinisch versorgen. Für alle anderen ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung äußerst gering.

Welche Symptome treten auf? Plötzlich eintretendes Fieber, Kopf,- Hals- und Muskelschmerzen, Mattigkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Ausschlag und Bindehautentzündung. Die Symptome sind ähnlich wie bei Malaria; dies ist die gängige Differenzialdiagnose.

Warum ist die Ebola-Infektion so gefährlich und verläuft häufig tödlich? Das Ebola-Virus ist "pantrop", es kann alle Zellen befallen - auch die Zellen unserer Gefäßwände. Dort kommt es zu Blutungen, der Gerinnungsprozess setzt ein, es bilden sich Thromben. Dadurch werden aber wichtige Helfer unserer Blutgerinnung verbraucht; das nennt man Verbrauchskoagulopathie. Die weiteren Blutungen sind dann nicht mehr zu stoppen, und es kommt oft zu einem Multiorganversagen.

Wäre unsere Region für einen Ebola-Fall gerüstet? Ja, die Uniklinik Düsseldorf besitzt eine Sonderisolierstation für mehrere Patienten.

Kann man sich vor Ebola schützen? Ja. Wer in Zug oder Flugzeug reist, sollte Distanz wahren, keine Hände schütteln und Hygiene mit desinfizierenden Mitteln betreiben.

Kann man sich impfen lassen? Nein.

Gibt es neue Medikamente? Nein, jedenfalls keine am Menschen getesteten. Und das mit einiger Hoffnung begrüßte ZMapp, das bei Patienten eingesetzt wurde und teilweise effektiv war, ist vergriffen. Derzeit kommen aber auch ungetestete Medikamente zum Einsatz.

Stimmt es, dass das Virus nur übertragen wird, wenn jemand bereits eindeutige Ebola-Symptome zeigt? Das ist die Lehrmeinung. Indes diskutieren Virologen, dass kurz vor den ersten heftigen Krankheitszeichen die Viruslast schon so hoch ist, dass Ansteckungen möglich sind. Statistisches Material gibt es nicht.

Hier geht es zur Infostrecke: Ebola - Von ersten Fällen zum Internationalen Gesundheitsnotfall

(RP)
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