Die Luftnot der Dicken

Sprechstunde : Die Luftnot der Dicken

Übergewicht ist schädlich für die Gesundheit. Auch Atmung und Herz-Kreislauf-Funktion leiden. Wer abnimmt, durchbricht den Teufelskreis.

Hartmut B. (70) aus Neuss fragt: „Seit etwa zwei Jahren bekomme ich immer schlechter Luft, vor allem wenn ich mich anstrengen muss. Auch bin ich am Tage oft erschöpft und habe schon morgens Kopfschmerzen. Meine Herz- und Lungenspezialisten haben mich untersucht und an den Organen nichts festgestellt. Ich sei eben zu dick. Ist das Übergewicht schuld?“

Winfried Randerath Tatsächlich kann Übergewicht unsere Atemfunktion beeinträchtigen. So können die Atemwege im Halsbereich eingeengt werden, was zu Atemaussetzern im Schlaf führen kann. Der Atmungsantrieb, also der Befehl vom Gehirn an die Muskeln, ein- und auszuatmen, kann bei krankhaftem Übergewicht ebenfalls gestört sein und eine Atmungsschwäche hervorrufen. Außerdem müssen bei Übergewicht unsere Atemmuskeln mehr Arbeit leisten und können sich erschöpfen.

Starkes Übergewicht verlangt unserem Körper nicht nur sehr viel ab. Die Fettansammlung im Bauchbereich kann auch das Zwerchfell hochdrücken, das dann weniger belastet werden kann. Übergewicht macht es also der Lunge und den Muskeln viel schwerer, ihre Arbeit zu leisten, und verlangt gleichzeitig mehr Atemarbeit. Das macht sich mit niedrigen Sauerstoffwerten im Blut bemerkbar. Der Körper versucht das auszugleichen, treibt die Atemmuskeln immer weiter an, so dass übergewichtige Menschen zunächst sogar mehr atmen als normgewichtige. Allerdings geht das nicht auf Dauer gut. Irgendwann versagt die Kraft, der Betroffene atmet nicht mehr ausreichend, und das Abgas des Körpers (das Kohlendioxid) sammelt sich im Blut an. Wir sprechen von der Atmungsschwäche.

Die Arbeit der Atmung wird dem Betroffenen durch die Einengung der oberen Atemwege (Halsbereich) weiter erschwert. Die Einengung durch die Fettansammlung im Weichteilgewebe kann im Schlaf nicht mehr durch die Muskeln ausgeglichen werden: Es kommt zum Schnarchen und zu Atemaussetzern, der sogenannten obstruktiven Schlafapnoe.

Bei starkem Übergewicht kann auch der Impuls vom Hirnstamm gestört sein, dass man ein- und auszuatmet. Folge ist auch hier wieder eine Schwäche der Atmung, die sich zuerst bei Anstrengung und im Schlaf bemerkbar macht. Manche Patienten spüren morgendliche Kopfschmerzen, weil das Kohlendioxid wie bei der Migräne die Gefäße weit macht.

Leider haben alle diese Störungen ungünstige Folgen. So belasten sie das Herz-Kreislaufsystem, lassen hohen Blutdruck und Lungenhochdruck entstehen und beeinträchtigen die Lebenserwartung. Bei der Gewichtsreduktion geht es also nicht nur um Schönheit, sondern um Ihre Gesundheit.

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