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Expertentipps Zähne putzen wie ein Profi – Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Interview | Mönchengladbach · Viele Menschen glauben, dass sie ihre Zähne ausreichend reinigen. Meistens irren sie. Falsche Mythen sind ebenfalls in Umlauf. Zahnarzt Dennis Hüren und Prophylaxe-Expertin Stefanie Vennedey klären auf.

 Prophylaxe-Expertin Stefanie Vennedey mit Zahnarzt Dennis Hüren.

Prophylaxe-Expertin Stefanie Vennedey mit Zahnarzt Dennis Hüren.

Foto: Albuquerque Carlos (CA)

Über das richtige Zähneputzen gibt es viele Mythen. Einige sind nachweislich falsch. Wir sprachen mit dem Mönchengladbacher Zahnarzt Dennis Hüren und mit Stefanie Vennedey, einer Prophylaxe-Expertin in seiner Praxis.

Wir werden alle älter. Unsere Zähne auch?

Hüren So ist es, und sie müssen immer länger halten. Dabei steigt das Risiko für Zahnverlust, Parodontitis und Karies. Zahnprophylaxe wird daher immer wichtiger.

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Foto: Shutterstock/Alliance

Worin liegt ihr Sinn?

Hüren Ziel ist es, Zahnkrankheiten erst gar nicht entstehen zu lassen oder sie frühzeitig zu erkennen und einer Verschlimmerung entgegenzuwirken.

Vennedey Dazu gehören natürlich die tägliche Zahnpflege zu Hause und vorbeugende Maßnahmen in der Zahnarztpraxis. Auch eine zahngesunde Ernährung gehört dazu.

Putzen wir unsere Zähne falsch?

Hüren Viele putzen ihre Zähne nicht effektiv genug – häufig zu kurz und ohne Systematik. Und der Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten, den sogenannten Interdentalbürsten, wird zu wenig Beachtung geschenkt.

Gibt es denn eine Faustformel für die Dauer des Zähneputzens?

Vennedey Mindestens zwei Minuten, für die Zwischenräume muss zusätzliche Zeit eingeplant werden. Doch es kommt nicht nur darauf an, wie lange man sich die Zähne putzt, sondern auch auf die Qualität.

Ist dreimal nicht besser als zweimal?

Hüren Früher galt die Devise: nach jeder Mahlzeit Zähne putzen! Davon ist man heute abgerückt. Bakterielle Beläge brauchen Zeit, um ihre krankmachende Wirkung zu entfalten. Zweimal bedacht und richtig gründlich zu putzen – auch mit Pflege der Zahnzwischenräume – ist besser als dreimal oberflächlich.

Welches Vorgehen empfehlen Sie?

Vennedey Es ist sehr wichtig, dass man mit System putzt und keine Flächen auslässt. Hier führt auch unterschiedliches Vorgehen zum Ziel. Zum Beispiel könnte man oben außen anfangen, dann zur anderen Seite wechseln, anschließend geht man auf die Zahninnenseiten und die Kauflächen. Dann folgt der Unterkiefer.

Putzen die Leute ihr Zahnfleisch zu wenig?

Hüren Vielen ist oft nicht klar, wie wichtig der Zahnfleischrand ist. Ich bezeichne ihn als „Dichtung“ zwischen der Zahnkrone und dem Kieferknochen. Wird er nicht gereinigt und ist er entzündet, wird er „undicht“, und es können Zahnfleischtaschen entstehen. Die Borsten der Zahnbürste sollen deswegen das Zahnfleisch mit massieren.

Wie geht man mit Zahnfleischbluten beim Zähneputzen um?

Vennedey Entweder liegt eine Zahnfleischentzündung vor oder ein Anwendungsfehler bei der Zahnpflege. Wird wieder richtig geputzt, sollte das Bluten nachlassen.

Hüren Anhaltendes Zahnfleischbluten sollte aber zahnärztlich abgeklärt werden. Durch eine andauernde Entzündung kann es zu langsam fortschreitendem Gewebeabbau kommen, der sich am häufigsten in einer chronischen Form der Parodontitis manifestiert.

Warum ist auch das morgendliche Zähneputzen so wichtig?

Vennedey Selbst der geübteste „Putzer“ schafft es nicht, am Abend zuvor alle Oberflächen und Schleimhäute hundertprozentig zu reinigen. In Nischen bleiben immer bakterielle Beläge zurück, und so bildet sich in der Nacht wieder ein bakterieller Niederschlag auf den Zahnoberflächen.

Wie lang nach dem Essen soll man mit dem Putzen warten?

Hüren Lange galt die Empfehlung: Nach dem Essen sollte man 30 Minuten warten, da sonst der Zahnschmelz angegriffen und dadurch ein Teil der Zahnsubstanz abgetragen wird. Ob es wirklich sinnvoll ist, nach erosiven Speisen und Getränken mit dem Zähneputzen zu warten, daran gibt es allerdings schon seit längerem Zweifel. Nach neueren Untersuchungen kann die Empfehlung, das Zähneputzen nach dem Verzehr säurehaltiger Lebensmittel oder Getränke zu verschieben, allerdings den Zahnabrieb nicht verhindern. Insofern lieber direkt putzen, als dass es nachher doch noch vergessen wird.

Was ist eine sinnvolle Alternative, wenn man nun wirklich keine Zeit zum Putzen hat?

Vennedey Eine Alternative zur mechanischen Reinigung mit Zahnbürste, Zahnpasta, Zahnseide und Interdentalbürsten für den Zahnzwischenraum gibt es nicht. Zur Not helfen zuckerfreie Zahnkaugummis.

Gerade abends haben viele aber nie sonderlich Lust, lange zu putzen.

Vennedey Vor allem abends sollte man es aber mit der Mundhygiene genau nehmen. In der Nacht wird weniger Speichel produziert, und die Zähne werden dadurch besonders angreifbar.

Ist das Putzdiktat nicht für Leute unrealistisch, die nach dem Frühstück direkt zur Arbeit müssen?

Hüren Sportmuffel haben für jede Gelegenheit die passende Ausrede, Zahnputzmuffel auch. Mit drei Minuten früher aufstehen und gutem Willen schafft man das.

Sollte man eine Zahnbürste am Arbeitsplatz haben?

Vennedey Das ist eine sehr gute Idee. Gerade wenn es morgens zu Hause doch einmal hektisch geworden ist, kann man das Versäumte bei der Arbeit in der Frühstückspause nachholen.

Kann zu intensives Putzen gefährlich sein?

Hüren In Deutschland wird eher zu wenig als zu viel geputzt, daher ist weniger die Dauer als eine falsche Technik die Gefahr.

Wird zu viel und in falscher Richtung „geschrubbt“?

Hüren Das horizontale „Schrubben“ – besonders an den Außenflächen – ist leider recht weit verbreitet. Wenn man mit der falschen Technik putzt und dabei auch noch zu viel Druck ausübt, kann das gefährlich sein. Zahnhälse und Zahnfleisch können dadurch geschädigt werden. Die Folgen sind Zahnfleischrückgang mit freiliegenden Zahnhälsen und Verlust der Zahnsubstanz.

Wenn Zahnfleisch an einer Stelle schon zurückgegangen ist – muss man es dort besonders intensiv putzen?

Hüren Liegen Wurzeloberflächen frei, sind sie besonders kariesanfällig. Zum einen sind solche Stellen für die Ablagerung von bakterieller Plaque anfäliger, zum anderen auch schwieriger zu erreichen. Man muss also sehr bewusst reinigen.

Sollte man besser manuell oder elektrisch die Zähne putzen?

Vennedey Meine Meinung ist: ganz klar mit einer elektrischen Zahnbürste.

Wie oft sollte man die Bürsten der elektrischen Zahnbürste wechseln?

Vennedey Die Hersteller sagen: nach drei Monaten oder wenn man ausgefranste Borsten bemerkt. Auch gibt es Hersteller, die mittlerweile auf Indikator-Borsten setzen, die den Verschleiß anzeigen.

Wie kann ich den Druck beim Putzen kontrollieren?

Vennedey Gut sind elektrische Zahnbürsten mit Druckkontrolle. Hier hilft auch gleichzeitig die Zeitangabe, damit nicht zu kurz geputzt wird.

Kann eine App beim Zähneputzen helfen?

Hüren Interessante Frage. Am Ende müssen wir selbst unsere Zähne richtig putzen, das kann keine App der Welt übernehmen. Sie kann allerdings sehr hilfreich sein, unsere Putzgewohnheiten zu kontrollieren und zu verbessern. So gibt es elektrische Zahnbürsten, die uns nicht nur über die Zahnputzdauer und den Anpressdruck informieren, sondern über ein Zahnflächen-Tracking anzeigen, ob auch alle Außen-, Innen- und Kauflächen optimal gereinigt wurden.

Warum sind Zahnseide oder Interdentalbürsten so wichtig?

Hüren Mit der normalen Bürste erreicht man nur etwa 70 Prozent der Zahnoberfläche. Das heißt, fast ein Drittel der Zahnflächen wird nicht oder nur unzureichend gereinigt. Auch mit der besten elektrischen Zahnbürste kommt man an diese Stellen nicht vollständig heran. Für die Zahnzwischenräume braucht es andere Verfahren, eben Zahnseide und Interdentalbürsten.

Und wie oft sollte man Zahnseide oder Interdentalbürsten benutzen?

Vennedey Interdentalbürsten benutzt man idealerweise einmal am Tag, am besten vor dem Zähneputzen und ohne Zahnpasta, um das beste Ergebnis zu erzielen. Wer es perfekt machen möchte: erst grob vorputzen, dann Zahnseide oder Interdentalbürsten und dann noch einmal gründlich und systematisch mit der elektrischen Zahnbürste nachreinigen.

Was ist denn besser: Zahnseide oder Interdentalbürsten?

Vennedey Am besten fragt man da bei der Zahnprophylaxe in seiner Zahnarztpraxis nach. Es hängt nämlich unter anderem von der Zahnstellung und der Größe der Zahnzwischenräume ab.

Sollte man Interdentalbürsten in verschiedenen Größen haben?

Vennedey Ja. Häufig gibt es unterschiedlich große Zahnzwischenräume. Im Seitenzahnbereich sind sie meist größer als im Frontzahnbereich. Wir empfehlen aber in der Regel nicht mehr als zwei Größen, da man sonst zu schnell durcheinanderkommt.

Wie finde ich für mich selbst die richtige Größe heraus?

Vennedey Bei einer professionellen Zahnreinigung in der Praxis schauen wir gemeinsam, welche Größen der Patient optimalerweise braucht. Durch eine Farbcodierung kann man sich dann gut merken, an welcher Stelle mit welcher Größe gereinigt werden muss.

Sollte man Interdentalbürsten nach Gebrauch reinigen?

Vennedey Schon während der Benutzung sollte die Bürste zwischendurch mal mit klarem Wasser abgespült werden. Nach der Reinigung dann natürlich noch etwas gründlicher, im Grunde genommen so wie es mit der Zahnbürste gehandhabt wird. Sind dann Borsten abgenutzt, sollte man die Bürsten ersetzen.

Kann auch eine Munddusche sinnvoll sein?

Hüren Bei schwer zugänglichen Stellen, wie etwa unter festsitzendem und verblocktem Zahnersatz (Brücken), kann eine Munddusche eine Ergänzung sein. Der Wasserstrahl entfernt aber nur lose Nahrungsreste und ist kein Ersatz für die erwähnten Hygienemaßnahmen.

Vennedey Unter Brückengerüsten sollte – sofern möglich – regelmäßig mit einer speziellen Zahnseide (Superfloss) gereinigt werden. Der Raum zwischen Brücke und Zahnfleisch wird dann mit einem flauschigen Mittelteil gesäubert.

Was ist eigentlich mit der Zunge?

Hüren Durch ihre raue Oberfläche setzen sich hier viele geruchsbildende Bakterien fest. Die Zunge kann mit einem Zungenspatel gesäubert werden. Von zu scharfen Reinigungsmitteln, Schrubbern oder auch der Zahnbürste sollte man absehen.

Soll man antibakterielle Mundspüllösungen nehmen?

Hüren Eine Mundspülung kann niemals das Zähneputzen ersetzen. Bei richtiger Wahl und Einsatz von Zahnbürsten, Zahnseide oder Interdentalbürsten sehen wir Zahnärzte den dauerhaften Einsatz von Mundspüllösungen teilweise auch kritisch. Nicht selten wird da zu viel versprochen. In einer guten Zahnpasta ist in der Regel alles enthalten, was die Zähne zu ihrem Schutz brauchen. Nach Zahnfleischbehandlungen, Operationen oder bei akuten Entzündungen ist die gezielte und befristete Anwendung hingegen sinnvoll.

Sollte Zahnpasta Fluorid enthalten?

Hüren Ja, die Wirk­samkeit von Fluoriden ist klar belegt: Fluorid macht die Zähne widerstandsfähiger gegenüber Säuren und beugt so Karies vor. Bei Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren sollte die Zahncreme einen Fluoridgehalt von 1500 ppm aufweisen.

Was heißt das?

Hüren Die Einheit ppm bedeutet „parts per million“, ein ppm entspricht also einem Milligramm Fluorid pro Liter. Mit dem ersten Zahndurchbruch bei Kleinkindern ist es zu empfehlen, eine Kinderzahnpasta mit einem geringeren Fluoridanteil von 1000 ppm anzuwenden, die richtig dosiert werden sollte. Ab dem ersten Zahn bis zum zweiten Lebensjahr sollte die Zahncreme in Reiskorngröße und vom zweiten bis zum sechsten Lebensjahr in Erbsengröße auf die Kinderzahnbürste gegeben werden.

Warum ist die professionelle Zahnreinigung (PZR) so wichtig?

Hüren Sie beginnt dort, wo die eigene Zahnpflege zu Hause endet.

Vennedey Regelmäßiges Zähneputzen ist zwar die Basis für eine gute Mundhygiene, aber selbst bei guter Zahnputztechnik erzielt man keine vollständige Sauberkeit. In jedem Gebiss gibt es Nischen – bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger –, die nur sehr schwer zu erreichen sind.

Was wird bei der PZR gemacht?

Vennedey Zum Beispiel lassen sich Bakteriennester in den Nischen ausheben. Die PZR befreit die Zähne schonend von allen Ablagerungen und poliert die Zahnoberfläche. Unschöne Verfärbungen, wie sie etwa durch Tee- und Kaffeegenuss oder durchs Rauchen entstehen, werden ebenfalls entfernt. Zudem wird der Zahnschmelz durch Fluoridierung remineralisiert, was die Zähne widerstandsfähiger gegen Karies macht.

Hüren Und die anschließende zahnärztliche Kontrolluntersuchung kann viel genauer und gründlicher durchgeführt werden.

Wie oft soll man im Jahr zur professionellen Zahnreinigung gehen?

Vennedey Das ist abhängig von der eigenen Mundhygiene und Karies- und Parodontitis-Gefahr. Es sollte immer individuell entschieden werden. Standardmäßig kann man zweimal pro Jahr empfehlen. Ist die Kariesgefahr hoch und das Risiko einer Parodontitis vorhanden, auch bis zu viermal pro Jahr.

Da entstehen aber nicht unerhebliche Kosten.

Hüren Das ist eine Frage des Blickwinkels. Früher war die Zahnmedizin noch reine Reparaturmedizin, und es war nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit 40 Jahren schon ihre dritten Zähne bekamen. Mit einem modernen Prophylaxekonzept – wie wir es heute haben – und regelmäßigen Besuchen beim Zahnarzt ist das glücklicherweise nicht mehr der Fall. Wie bei manch anderen Dingen im täglichen Leben ist Reparieren oft teurer als Pflegen. Auch wenn die PZR mit Kosten verbunden ist, gilt: Vorsorge ist im Endeffekt günstiger.

Was leisten die Krankenkassen bei der PZR?

Hüren Einige gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich im Rahmen einer Kostenerstattung an den Kosten der PZR. Bei einer genehmigten Parodontitis-Therapie werden die Kosten je nach Schweregrad sogar für zwei Jahre vollständig übernommen. Leider hat die Gesundheitspolitik durch die Einführung einer Budgetierung für diese Behandlungsart inzwischen schon wieder Einschränkungen vorgenommen.

Man hört immer, dass schlechte Zähne die Allgemeingesundheit beeinflussen. Ist das wirklich so?

Hüren Ja. Heute weiß man, dass eine unbehandelte Parodontitis das Risiko unter anderem bei Herz-Kreislauferkrankungen, Lungenentzündung und Diabetes mellitus negativ beeinflussen kann.

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