Sprechstunde: Der unsichere Gang

Sprechstunde : Der unsichere Gang

Schwindel und Gangunsicherheit sind häufige Symptome bei älteren Menschen. Die Therapie erfolgt meist interdisziplinär.

Unser Leser Heinz W. (81) aus Weeze fragt: "Ich stelle fest, dass mein Gang unsicherer geworden ist. Was kann ich tun?"

Rafael-Michael Löbbert Während in der Gruppe der über 60-Jährigen 15 Prozent an einer Gangstörung und 20 Prozent an Schwindel leiden, sind es bei den über 80-Jährigen bereits 80 bzw. 50 Prozent. Dabei können beide Symptome nicht nur als eine Begleiterscheinung des "normalen Alterns" abgetan werden, vielmehr liegen ihnen häufig verschiedene Ursachen zugrunde. Sie erfordern eine sorgfältige und meist zeitaufwändige interdisziplinäre Abklärung durch Neurologen, Psychiater, Orthopäden, Internisten, Augen- und HNO-Ärzte.

Der Begriff Schwindel wird von Patienten für eine Vielzahl sensorischer Wahrnehmungen wie Dreh- oder Schwankgefühl, Schwächegefühl, Verschwommensehen, Schwarzwerden vor den Augen und Angst verwendet. Schwindel kann dabei direkt durch eine Erkrankung des Gehirns und des Gleichgewichtsorgans entstehen, aber auch als Folge von psychischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Infektionen, etwa der Nasennebenhöhlen. Auch Medikamente können Schwindel auslösen. Beim

schnellen Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen kann ein durch den Blutdruckabfall vorübergehender Schwindel ausgelöst werden, der als orthostatischer Schwindel bezeichnet wird.

Neben einer veränderten Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinnesreizen stellt beim älteren Menschen der Verlust von Muskelmasse ein wesentliches Problem dar. Er kann bis zu 30 Prozent betragen. Hier empfehlen sich ein regelmäßiges Krafttraining etwa in einem Fitnessstudio, in dem erfahrene Trainer arbeiten, und eine gesteigerte Proteinzufuhr. Im Einzelfall können gezielte physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll sein.

Mögliche weitere Ursachen von Gangstörungen können Nervenerkrankungen (Polyneuropathien, beispielsweise bei Diabetes), Wirbelsäulenerkrankungen, Durchblutungsstörungen des Gehirns, ein Schlaganfall, neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer-Demenz oder psychische Erkrankungen sein, ferner Arthrosen von Hüft- und Kniegelenken, Gefäßerkrankungen und Sehstörungen.

Zusammenfassend sollte jede Form von Schwindel und/oder Gangunsicherheit vom Arzt diagnostisch abgeklärt werden. Zusatzuntersuchungen können erforderlich sein. Auch wenn nicht immer eine Behandlung der Grunderkrankung möglich ist, so können doch häufig einzelne Symptome durch gezielte medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien gelindert werden.

(RP)