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Coronavirus in NRW: Die sechs wichtigsten Aussagen des RKI

„Corona-Gefahr ist mäßig“ : Die 6 wichtigsten Aussagen des RKI-Chefs zur aktuellen Lage

Das Robert-Koch-Institut hat nach den neuen Empfehlungen zu Veranstaltungen und der Abriegelung Italiens über die aktuelle Lage der Corona-Ausbreitung informiert. Was Sie jetzt wissen müssen.

Veranstaltungen ab 1000 Besuchern absagen - diese Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn stellt derzeit Deutschland und NRW auf den Kopf. Verpflichtend ist das nicht, aber eine Verschlimmerung der Situation will auch niemand verantworten. Aber wie schlimm ist die Corona-Lage in Deutschland und weltweit denn nun wirklich? Lothar Wieler, Leiter des Robert Koch Instituts in Berlin, gab Montagvormittag Antworten. Wir haben die sechs wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  1. “Vier von fünf Infizierten, egal in welchem Land auf der Welt, werden eine milde Erkrankung erleben und nach wenigen Wochen gesund ihrer Wege gehen”, sagt Wiehler in der Konferenz. “Das bestätigen die Zahlen aus der ganzen Welt.” Vorbei ist die Ausbreitung aber nicht. Aus diesem Grund wird es auch weiterhin neue und höhere Fallzahlen und auch schwere Verläufe geben. “Aber nochmal, mehr als 80 Prozent der Betroffenen werden milde Verläufe haben.”
  2. “Entscheidend ist aber, die vulnerable Gruppe zu schützen. Das sind alte und hochaltrige Menschen und ganz allgemein Menschen mit Vorerkrankungen.” Diese Menschen sollten nun also besondere Vorsicht walten lassen. Besuche bei Kranken oder Senioren sollten nur mit äußerster Vorsicht gemacht, besser vermieden werden. Auch die ersten beiden Corona-Toten in Deutschland aus NRW waren über 70-jährige Senioren.
  3. “Natürlich ist es aber eine ansteckende Krankheit. Das bedeutet, es macht Sinn große Veranstaltungen zu meiden. Und jemand, der zu Hause bleiben kann, anstatt zur Arbeit zu gehen, ist eben auch weniger Gefährdung für andere”, sagt Wieler. Deutlich riet er deshalb auch vom Besuch von größeren Fußballspielen ab. Er plädiere dafür, nicht zwingend notwendige Veranstaltungen abzusagen oder zu meiden. Es gehe um eine Abwägung der Schutzgüter. Für ihn wiege der Schutz älterer Menschen vor einer Covid-19-Erkrankung, was sich durch eine Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus erreichen lasse, schwerer, als das persönliche Interesse am Besuch eines Fußballspiels. "Es gibt einfach Dinge, auf die man auch verzichten kann. Und aus meiner Sicht kann man eben auch verzichten, zu einem Fußballspiel zu gehen.”
  4. “Wir fordern Krankenhäuser und auch Städte dazu auf, ihre Krisenpläne zu aktivieren. Vor allem Krankenhäuser müssen sich auf die Behandlung schwer erkrankter Patienten vorbereiten”, sagt Wieler. Hospitäler könnten dann Eingriffe, die nicht zwingend erforderlich sind, aussetzen. Dadurch würden mehr Betten für schwer erkrankte Patienten frei. Zudem könnten weitere Betten zu Intensivbetten aufgerüstet werden, etwa durch die Beschaffung zusätzlicher Beatmungsgeräte. Eine weitere Möglichkeit sei, das Personal anders aufzuteilen, um Ansteckungen und damit Ausfälle zu vermeiden: Die Krankenhäuser könnten bestimmte Mitarbeiter mit besonderer Schutzausrüstung dafür abstellen, sich ausschließlich um Patienten mit Fieber und Atemwegsinfekten zu kümmern.
  5. “Insgesamt muss man sich klar machen: Die Zahlen, die im Internet kursieren, geben nicht die Wahrheit wieder. Das sind Momentaufnahmen von Fallzahlen, die medizinischen Profis helfen sollen, Berechnungen anzustellen. Wie bei der Grippe auch, sind verlässliche Zahlen aber erst viel später zugänglich. Sie geben also nicht das aktuelle Lagebild wieder. Und all das sagen wir schon seit Wochen."
  6. “Die Gefahr durch Corona für Deutschland schätzten wir als mäßig ein. Trotzdem muss man vorsichtig sein und die Gefahr ist je nach Gebiet unterschiedlich. Im Kreis Heinsberg stufen wir sie beispielsweise als hoch ein”, sagt Wieler. Er kündigte zudem an, dass das RKI im Laufe des Tages ganz Italien als Risikogebiet einstufen werde. Warum sich das Virus in Italien so stark ausbreiten konnte, wollte Wieler nicht einschätzen. Er fügte aber hinzu, dass es in Italien derzeit im Verhältnis zu den Erkrankten deshalb so viele Tote gebe, weil das Virus dort erst spät entdeckt worden sei.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Coronavirus erreicht Norditalien - eine ganze Region steht still