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Coronavirus: Ein Corona-Brief an die Großmutter

Kinder in Zeiten des Virus : Ein Corona-Brief an die Großmutter

Corona-Briefe: Ein Nachricht an die Großmutter

Viele Kinder verstehen nicht, was gerade los ist. Ein Mädchen – nennen wir es Lena – hat das Glück, dass der Nachbar, Biologie-Lehrer Petschke, alles erklärt: wie ein Virus uns befällt und warum man daheim bleiben muss. Nun schreibt Lena der Oma einen Brief.

Nachempfunden hat den Brief unser Medizinredakteur Wolfram Goertz, illustriert hat ihn Anna Zörner. Man kann den Brief auch hören: In unserem Video liest ihn Marie Jensen vom Jungen Schauspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Liebe Oma,

ich bin so traurig, denn Mama hat gesagt, dass ich Dich nächstes Wochenende nicht besuchen darf. Da habe ich erst mal geheult.

Aber von Herrn Petschke weiß ich jetzt, warum ich nicht darf. Und damit Du nicht traurig bist, schreibe ich Dir einen Brief, damit Du eine Freude hast. Außerdem hast Du mir doch das neue Briefpapier mit den Pferden geschenkt!

Es ist echt langweilig gerade. Alle Schulen sind plötzlich zu. Der Reiterhof ist zu. Der Zoo hat auch zu. Mein Kindergeburtstag soll auch ausfallen. Wir Kinder sollen zu Hause bleiben. Voll cool, dass wir keine Mathearbeit schreiben müssen, aber lernen müssen wir trotzdem. Zu Dir dürfen wir auch nicht, das ist mega blöd. Mama und Papa sind genervt. Die müssen ja arbeiten, aber den ganzen Tag will ich auch nicht allein zuhause sein. Keiner weiß, wie das über Wochen gehen soll. Krass!

Von dem ersten Infizierten springt das Virus auf andere über. Foto: Illustration: Anna Zörner

Und die Osterferien in Österreich sind jetzt auch abgesagt, sagt Papa. Ätzend ist, dass ich nicht mit meiner Freundin Jenny spielen kann, die steht nämlich unter Quarantäne. Sie muss zwei Wochen in der Wohnung bleiben, weil ihre Tante in Tirol Skifahren war. Da haben das jetzt viele. Jenny sagt, Quarantäne ist wie ein Gefängnis. Gemein! Und das alles wegen diesem blöden Virus.

Herr Petschke, unser Nachbar hier im Haus, kennt sich mit Viren aus. Herr Petschke ist nämlich Biologie-Lehrer. Der ist super schlau. Er sagt, wir sollten uns das vorstellen wie mit Dingen, die wir sehen, und mit Dingen, die wir nicht sehen, die aber trotzdem da sind. Staub zum Beispiel sehen wir nur selten, wenn er in der Luft fliegt, aber immer, wenn wir ihn mit dem Zeigefinger von der Kommode wischen.

So ähnlich ist das mit Viren. Sie schweben unsichtbar durch die Luft – in Tröpfchen, sagt Herr Petschke –, doch wenn sie einem Menschen zu nahekommen, dann können sie ihn krank machen.

Viren selbst leben überhaupt nicht richtig, sagt Herr Petschke, sie müssen in die Zellen unseres Körpers eindringen und sich dort vermehren, vor allem in unserem Hals, und dann bekommen wir eine Erkältung. Blöd ist, dass sie vom Hals aus tiefer wandern können, nämlich in die Lunge. Die kann sich dann entzünden. Das ist gefährlich, weil die Ärzte Viren in der Lunge nicht so gut behandeln können, vor allem nicht das Coronavirus. Corona ist Latein, sagt Herr Petschke, und heißt Krone; so sieht das Virus nämlich unter dem Mikroskop aus.

Ich habe Herrn Petschke gefragt, warum jetzt alle ausflippen. Mama flucht, weil sie bei Aldi kein Pesto mehr bekommt. Und Papa kann keinen Fußball mehr gucken. Herr Petschke hat mir erklärt, warum die Lage so schwierig ist. Es liegt daran, dass die Zahl der Angesteckten wächst, und zwar ziemlich schnell. Natürlich werden viele Leute untersucht, ob sie dieses Virus in sich haben. Bei denen geht man mit einem Wattestäbchen in den Hals und holt Spucke raus. Total eklig. Wenn der Test sagt, dass sie das Virus haben, müssen die Leute zu Hause bleiben. Das entscheidet das Gesundheitsamt.

Aber auch all die Leute, die sie in den Tagen vorher getroffen haben, müssen in Isolierung, also in Quarantäne. Das ist wichtig, damit auch sie niemanden anstecken. Und dann warten sie, ob sie krank werden oder nicht. Das Virus befällt ja viele eben auch nicht, sagt Herr Petschke. Aber weil man nicht weiß, wer krank wird und wer nicht, müssen alle in Quarantäne. Das ist so. Man kann aber auch das Virus in sich haben und selbst gar nicht richtig krank werden, aber trotzdem andere anstecken. Das verstehe ich noch nicht.

Wenn alle für eine gewisse Zeit zuhause bleiben, kann nichts passieren. Foto: Illustration: Anna Zörner

Herr Petschke hat mir erklärt, warum das Virus so gefährlich ist: Es ist mittlerweile überall auf der Welt. Es kam aus China, wo es wahrscheinlich zuerst in einer Fledermaus war. Von ihr ist es auf einen Menschen übergesprungen. Der hat dann wieder andere angesteckt, das ging rasend schnell. Plötzlich gab es da Tausende von Angesteckten und auch schon viele Tote. Und weil in dieser Welt alle Leute in ein Flugzeug steigen und ganz weit fliegen können, kam das Virus auch nach Europa und nach Amerika.

In Italien sind schon viele Leute gestorben, bei uns sind es zum Glück noch nicht so viele. Papa sagt, wenn wir jetzt alle vernünftig sind, dann kann es bei uns vielleicht bald wieder normal weitergehen. Aber genau weiß er das auch nicht, was in fünf Wochen passiert. Ich habe ein bisschen Angst.

Papa sagt auch, dass jetzt das passiert, was er letztens auf der Autobahn mal machen musste, als er plötzlich einen Stau vor sich sah: eine Vollbremsung. Es wird alles gestoppt. Man soll sich nicht mehr irgendwo anstecken können. Natürlich fährt der Bus noch, aber mit dem Zug nach Österreich oder Frankreich soll man nicht fahren, da sind ja auch schon viele krank.

Aber Herr Petschke sagt, man kann auch selbst viel tun, denn dieses Virus ist zwar gefährlich, aber wenn man sich oft gründlich die Finger wäscht, dann stirbt es beim Waschen. Man soll auch nicht mit den Fingern ins Gesicht packen. Das Virus mag Türklinken sehr gern, auf denen kann es drei Tage überleben, sagt Herr Petschke, deshalb soll man die regelmäßig abwischen und am besten gar nicht anpacken. Oma, machst Du das auch?

Mama hat noch Desinfektionsspray im Schrank gefunden, das nehmen wir jetzt. Papa sagt, er packt im Büro jede Türklinke nur noch mit den Ärmeln seines Pullis an, die er langzieht. Da hat Mama gesagt, das sei eine gute Idee, der Pulli sei nämlich beim letzten Waschen eingelaufen.

Oma, dass ich nicht zu Dir kann, ist total doof. Aber Mama sagt, gerade die alten Leute sind jetzt sehr gefährdet, weil sie ja auch andere Krankheiten haben können. Und solche Menschen haben mit dem Virus Probleme, weil ihr Körper damit schlechter zurechtkommt. Herr Petschke sagt, jeder Mensch habe ein sogenanntes Immunsystem, das Eindringlinge in den Körper bekämpft. Aber das Coronavirus ist noch total unbekannt.

Herr Petschke sagt aber etwas, was mich mega beruhigt: Wenn wir aufpassen und momentan nicht mehr auf Partys und in Konzerte und zum Sport gehen und nicht mehr verreisen, dann können wir auch nicht mehr so viele anstecken oder selbst angesteckt werden. Herr ­Petschke sagt, dass man so Zeit gewinnen kann. Außerdem kann man die Krankheit jetzt kein zweites Mal bekommen, wenn man sie schon einmal gehabt hat – man ist dann wie bei der Grippe für eine Zeit sicher. Man ist immun, sagt Herr Petschke. Wenn dann kranke Leute auf immune Leute treffen, kann sich das Virus nicht weiter ausbreiten.

Oma, Du hast doch ein neues Handy mit einer Kamera, da könnten wir uns mit Video unterhalten. Weißt Du, wie das geht?
Das ist gar nicht so schwer. Ich erklär dir das morgen am Telefon. Hoffentlich ist dann der Brief schon angekommen.
Ich werfe ihn gleich in den Briefkasten.

Viele Küsschen, ich hab Dich ganz doll lieb!

Lena erklärt Oma Corona: So befällt das Virus einen Menschen. Foto: Illustration: Anna Zörner

Deine Lena