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Blaulichtfilter: Kosten, Nutzen, Wirkungsweise

Blaulichtfilter : Was kann der blaue Filter in der Brille?

Brillen mit Blaulichtfiltern gibt es immer mehr – mittlerweile auch in sehr unauffälligen Varianten. Die Technologie ist gefragt. Dabei gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass das blaue Licht tatsächlich schädlich ist. Trotzdem kann es unsere Stimmung beeinflussen.

Heute arbeitet fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland am PC. Dem Auge tut das auf Dauer nicht gut. Trockene und überreizte Augen sind die Folge. Ein neuer Trend könnte für Linderung sorgen: Brillen oder Kontaktlinsen mit Blaulichtfilter.

Was ist ein Blaulichtfilter bei einer Brille?

Smartphones und Computer strahlen künstliches Licht aus, in dem ein hoher Anteil an blauem Licht enthalten ist. Dieses hochenergetische, blaue Licht, auch HEV-Licht genannt, steht unter Verdacht, Augenerkrankungen, Schlafprobleme und Konzentrationsstörungen zu verursachen. Ebenso vermuten einige Wissenschaftler, dass blaues Licht die altersbedingte Makuladegeneration begünstigt, bei der das Sehvermögen immer weiter abnimmt. Diese Erkrankung führt langfristig zur Erblindung.

Blaulichtfilter schützen das menschliche Auge vor den schädlichen Einflüssen des blauen Lichtes, das sowohl in künstlichem als auch natürlichem Licht enthalten ist. Blaues Licht kann nicht durch die Blaulichtfilter Brille dringen, sondern prallt am Glas ab. „Licht ist in Wellenlängen unterteilt. Blaulicht-Filter filtern den Blaulichtanteil raus, der gefährlich für das Auge, speziell für die Netzhaut, ist“, erklärt der Solinger Augenoptiker Alexander Joksic von Augenoptik Stefan Lorbach.

Wie funktioniert ein Blaulichtfilter?

„Blaulichtfilter dämpfen oder blockieren Licht in einem bestimmten Bereich der Wellenlängen zwischen etwa 400 und 500 Nanometern“, erklärt Dr. Ludger Wollring, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte in Deutschland. Es gibt zwei verschiedene Arten von Blaulichtfilter-Brillen. Sogenannte Kantenfilterbrillen lassen das Licht nur in einem bestimmten Frequenzbereich passieren. Diese Brillen mit zugegebenermaßen auffälligen gelb-orangen Gläsern werden auch zur Behandlung verschiedener Augenerkrankungen eingesetzt.

Es gibt aber auch dezentere Filterbrillen, die dem medizinischen Laien nicht sofort ins Auge springen. Sie filtern das blaue Licht im Wellenbereich von 380 bis 440 Nanometer. Bei diesen Brillen sind die Gläser nur leicht getönt. Die Färbung sehen Außenstehende nur bei genauer Betrachtung oder wenn die Blaulichtfilter-Brille auf ein Blatt Papier gelegt wird. Der Träger selbst sieht den Unterschied zu einer normalen Brille ohne Filter natürlich sofort.

„Die Gläser haben einen Hauch Abdunklung. Das Glas ist leicht gedämpft und alles sieht dunkler aus“, sagt Alexander Joksic, Augenoptiker aus Solingen. Eine Blaulichtfilter-Brille im Alltag zu tragen, sei Gewöhnungssache. Langfristig zahle sich das aus. Viele Nutzer berichten, dass sie weniger Kopfschmerzen hätten und die Augen nun nicht mehr oder nicht mehr so oft trocken seien. Das sind natürlich rein subjektive Erfahrungsberichte.

Gibt es Studien, die den Nutzen von Blaulichtfiltern belegen?

Langzeitstudien zur Blaulichtfilter-Technologie gibt es derzeit nicht, da das Thema noch relativ neu ist. „Bildschirme geben viel Blaulicht ab. Da werden Blaulichtfilter immer nötiger“, sagt Augenoptiker Alexander Joksic. „Es gibt immer mehr Netzhauterkrankungen. Es wurde untersucht, woran das liegt. Die erste Vermutung war, dass das am UV-Licht liegen könnte, weil diese Erkrankungen vermehrt dort auftraten, wo die Sonne häufig scheint. Irgendwann ist man darauf gekommen, dass dort, wo es sehr hell ist, auch der Anteil am blauen Licht höher ist.“ Hierbei handelt es sich zum jetzigen Stand aber lediglich um wissenschaftliche Thesen, die noch nicht hinlänglich bewiesen und untermauert sind.

Die Wissenschaft ist zum aktuellen Zeitpunkt noch uneins, ob blaues Licht, auch HEV-Licht genannt, wirklich Schäden auf zellulärer Ebene an der Retina, der Netzhaut, auslösen können. Einige Forscher vermuten, dass blaues Licht eine Makuladegeneration begünstigen könnte. Die Makula liegt im Zentrum der Netzhaut und sieht aus wie ein gelber Fleck. Hier befinden sich Millionen von Sehnervenzellen, die für das scharfe Sehen zuständig sind. Bei der Makuladegeneration werden diese wichtigen Zellen zerstört. Das Sehvermögen verschlechtert sich. Augenkrankheiten wie diese werden erst Jahre nach der Schädigung des Auges sichtbar. Zudem werden bei vielen wissenschaftlichen Studien zum Thema auf Tier- oder In-Vitro-Zellversuche zurückgegriffen. Die Übertragung der Ergebnisse auf das menschliche Auge ist kritisch zu betrachten, da im Versuchsaufbau meist auch noch Lichtintensitäten genutzt wurden, die im Alltag eher unwahrscheinlich sind.

„Zur Frage, ob eine Makuladegeneration durch Blaulicht von Computerbildschirmen begünstigt wird, ist kaum Literatur zu finden“, teilt Dr. Dieter Friedburg, Leiter des Ressorts ophthalmologische Optik des Verbands DOG (Deutsche Ocularistische Gesellschaft) mit. Gleichwohl gibt es Untersuchungen britischer Wissenschaftler, die die Strahlungsintensitäten diverser Displays mit denen des Himmels vergleichen. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Strahlungsintensität der digitalen Displays wie Handy und Monitor niedriger als die des Sonnenlichtes ist. „Sie schließen daraus, dass für Menschen – die evolutionär an Sonnenlicht gut adaptiert sind – durch die Strahlung der Bildschirme keine Gefährdung zu erwarten sei“, erklärt Dr. Dieter Friedburg. Ebenso gebe es bisher keinen wissenschaftlichen Konsens darüber, ob Sonnenlicht die Makula schädigt. Auch das wird aktuell noch untersucht.

Auf die Frage, ob es Studien gibt, die die Wirksamkeit von Blaulichtfiltern belegen, antwortet Dr. Horst Helbig, Sprecher der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft kurz und knapp: „Nein.“ Weder ein direkter, wissenschaftlich untermauerter Nachweis über die Schädlichkeit des blauen Lichtes, noch ein Beleg, dass Blaulichtfilter Krankheiten des menschlichen Auges vorbeugen, ergibt sich aus den bislang bekannten Untersuchungen. Aber: Eine Brille zu tragen, die Blaulicht filtert, kann auf jeden Fall nicht schaden. Hier ist das subjektive Empfinden des Trägers maßgebend.

Wie schädlich ist blaues Licht, vor dem der Blaulichtfilter schützt?

Früher war die Sonne bis zur Abenddämmerung die einzige Lichtquelle, die blaues Licht abstrahlte. Selbst die klassischen Glühbirnen später bewegten sich eher im warmen Lichtspektrum. Heute gibt es mehr blaues Licht denn je, das auf das Auge des Menschen einwirkt. Blaues Licht könnte in hoher Intensität die Netzhaut schädigen. Dies ist aber nicht nur auf die Nutzung von Smartphones, Tablets, Fernseher und Co zurückzuführen. Viele künstliche Lichtquellen, wie zum Beispiel LED-Lampen im Innenraum, Energiesparlampen und moderne Autoscheinwerfer, strahlen ebenfalls viel blaues Licht aus. Auch im Sonnenlicht, gerade im Hochsommer, ist ein hoher Anteil an blauen Licht enthalten. Daher empfiehlt es sich, eine Brille mit Blaulichtfilter nicht nur während der Arbeit am Computer zu tragen, sondern auch jenseits des Arbeitsplatzes. Vor den schädlichen UV-Strahlen schützen sie dagegen nicht. Das ist die Funktion von Sonnenbrillen.

Der blaue Anteil am Licht steht unter dem Verdacht, die Produktion des Hormons Melatonin zu senken. Dieses Hormon ist dafür da, dass wir müde werden, uns entspannen können und abends leicht in den Schlaf finden. Je höher der Blaulichtanteil ist, dem man in den Abendstunden ausgesetzt ist, desto länger bleibt man wach. Zudem zeigen sich Probleme beim Einschlafen vor allem dann, wenn beispielsweise das Smartphone in dunkler Umgebung benutzt wird. In diesem Fall weiten sich die Pupillen und noch mehr blaues Licht dringt ins Auge ein. Bei der Nutzung von digitalen Geräten in den Abendstunden ist daher darauf zu achten, dass die Umgebung beleuchtet ist.

Blaulicht ist aber nicht per se schlecht. Im Gegenteil: Es steuert die innere Uhr und den Schlaf-Wach-Rhythmus. Blaues Licht wirkt vitalisierend und stimmungsaufhellend. Daher wird es unterstützend zur Therapie von jahreszeitenabhängigen Gemütsschwankungen eingesetzt. Das Licht stellt nicht nur die innere Uhr neu, sondern beeinflusst auch die Gefühlsverarbeitung im Gehirn. Phototherapie-Lampen mit blauem Licht werden daher seit Jahren zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.

Wie so oft heißt es auch beim blauen Licht: Die Menge macht das Gift. Schäden am Auge sind beim aktuellen Stand der Wissenschaft nicht auszuschließen, wurden aber bisher auch nicht am Menschen nachgewiesen. Es ist daher nicht bekannt, ab welcher Dosis und Dauer das Auge unter der Lichtexposition leidet.

Kann man sich auch ohne Brille mit einem Blaulichtfilter schützen?

Sollte man keine Brille mit Blaulichtfilter zur Hand haben, schützt man sich am besten durch die Vermeidung von blauem Licht, vor allem in den Abendstunden. Der Medienkonsum über digitale Displays sollte auf das Notwendigste reduziert werden. Ebenso bieten sich häufige Pausen bei Bildschirmarbeit an, um die Augen zu entlasten, die am PC nur einseitig beansprucht werden.

Viele Smartphones und Tablets verfügen mittlerweile über die Funktion des Nachtmodus, auch Night Shift genannt. Dabei wird das Farbspektrum, das die Geräte ausstrahlen, auf warmes Licht umgestellt. Der Anteil am blauen Licht wird also reduziert. Der Nachtmodus lässt sich ganz nach den individuellen Bedürfnissen einstellen und geht zu einer vorher festgelegten Uhrzeit automatisch an. Es empfiehlt sich, den Nachtmodus bereits am frühen Abend zu nutzen, um den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers nicht zu stören.

Kann man bei einer Brille auch nachträglich einen Blaulichtfilter einbauen?

„Nein, das ist nicht möglich“, sagt Augenoptiker Alexander Joksic. Bereits vorhandene Brillen lassen sich nicht mehr bearbeiten. Der Filter wird bereits beim Herstellungsprozess dem Glas zugesetzt. Nachträglich einen Filter anzubringen, ist technisch nicht möglich. Natürlich lassen sich an jeder Brille die Gläser austauschen. Die lieb gewonnene Fassung bleibt dabei erhalten.

Wo kann man Brillen mit Blaulichtfilter kaufen?

Die Nachfrage nach Blaulichtfilter-Brillen habe zugenommen, sagt Augenoptiker Alexander Joksic. Speziell diejenigen, die augenschonende Bildschirm-Brillen kaufen möchten, wählen zusätzlich noch den Blaulichtfilter für ihre neue Brille aus. Grundsätzlich führt jeder Augenoptiker auch Blaulichtfilter-Brillen. Der Filter kann jeder Brille zugesetzt werden, ob mit oder ohne Sehstärke. Also können sich auch diejenigen eine Filterbrille zulegen, die keine Schwierigkeiten beim Sehen haben.

Wie viel mehr kosten Brillen mit Blaulichtfilter?

Die Kosten für Blaulichtfilter sind überschaubar. Wer eine neue Brille beziehungsweise neue Brillengläser kauft, zahlt für den speziellen Filter lediglich einen Aufschlag von rund 25 Euro pro Glas, berichtet der Solinger Optiker Alexander Joksic. Bei den Brillengläsern ist grundsätzlich eine Entspiegelung zu empfehlen. Dadurch werden Reflexe auf dem Glas gemindert, was sich positiv auf den Sehkomfort auswirkt.

Gibt es auch Kontaktlinsen mit Blaulichtfilter?

Nun, da das Thema in Zeiten des Homeoffices in aller Munde ist, bringen immer mehr Hersteller auch Kontaktlinsen mit Blaulichtfilter als Alternative zur Brille auf den Markt. In ihrer Funktionsweise stehen sie den Brillen in nichts nach. Die speziellen Kontaktlinsen dämpfen oder blockieren genauso das Licht im blauen Spektrum wie Blaufilter in Brillen. Kontaktlinsen mit Blaulichtfilter haben eine lange Tragezeit. Es gibt sie als Tages- oder Monatslinsen. Ebenso steht zur Auswahl, ob die Linsen die Sehschärfe korrigieren oder nicht.

Wie oft sollte man Pausen für die Augen einlegen, wenn man keine Brille mit Blaulichtfilter hat?

Für langes Sitzen ist der menschliche Körper nicht ausgelegt. Wer täglich mehrere Stunden am Stück am Computer arbeitet, leidet nicht selten an trockenen Augen, Augenschmerzen, Kopf-, Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen. Diese Beschwerden sind unter anderem auf ungünstige Sitzpositionen zurückzuführen, die sich mit dem richtigen Mobiliar korrigieren lassen. Ebenso kann es sein, dass man eine verkrampfte Haltung vor dem Bildschirm einnimmt, weil man zum Beispiel Schriften nicht mehr richtig entziffern kann. Hier ist es hilfreich, sich beim Optiker beraten zu lassen. Für die Computerarbeit gibt es sogenannte Arbeitsplatzbrillen oder Bildschirmbrillen. Sie korrigieren die Sehstärke und sorgen dafür, dass der Träger alles in seinem Nahbereich wieder problemlos erkennen kann. Fehlhaltungen, die zu den genannten Muskelschmerzen führen, lassen sich durch geeignete Brillen vermeiden. „Bei Computerarbeit sollte man unabhängig von Filtern Pausen einlegen, um Ermüdung, Verspannungen und trockenem Auge vorzubeugen“, sagt Dr. Horst Helbig von der Ophthalmologischen Gesellschaft. Mehrere kleinere Pausen sind dabei effektiver als eine große.

Hilfreich ist die oft zitierte 20-20-20-Regel. „Alle 20 Minuten sollte man für etwa 20 Sekunden den Blick vom Bildschirm abwenden und den Blick in die Ferne schweifen lassen“, sagt Augenarzt und Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte Dr. Ludger Wollring. „Man blickt auf Objekte, die mindestens 20 Meter entfernt sind.“

Welche Übungen für die Augen kann man ergänzend zu Blaulichtfiltern machen?

Pausen von der Computerarbeit sind eine Wohltat fürs Auge. „Es sollte bei Computerarbeit zwischendurch für einige Zeit entspannt in die Ferne geschaut werden“, sagt Dr. Horst Helbig. Dadurch entspannt sich das Auge. Angenehmer Nebeneffekt: Man kann beim Blick aus dem Fenster mal kurz die Seele baumeln lassen und ist im Anschluss wieder konzentrierter.

Das Problem an der Bildschirmarbeit ist, dass das Auge einseitig belastet wird. Es muss die ganze Zeit über das Nah-Sehen umsetzen. Gesünder wäre es fürs Auge aber, zwischen den verschiedenen Distanzen hin und wieder zu wechseln. Wer das im Arbeitsalltag nicht leisten kann, dem können kleinere Übungen helfen. Ein einfacher und leicht umzusetzender Tipp ist das Blinzeln. Wer ein paar Mal hintereinander bewusst blinzelt, sorgt dafür, dass die Augen wieder befeuchtet werden. Hintergrund: Durch das konzentrierte Blicken auf dem Bildschirm reduziert sich die Häufigkeit des Lidschlags. Als Folge werden die Augen trocken. Dabei müssen gerade Horn- und Bindehaut stets ausreichend mit Tränenflüssigkeit benetzt sein. Ansonsten entsteht das unangenehme Gefühl trockener und überreizter Augen.