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Beschneidung: Vorteile, Ablauf, religiöser Hintergrund

Zirkumzision : Was passiert bei einer Beschneidung?

Seit Tausenden Jahren wird die Beschneidung traditionell an Jungen und Männern durchgeführt. Dafür gibt es religiöse, aber auch medizinische Gründe. Lesen Sie alles Wichtige über die Zirkumzision.

Bei der Beschneidung handelt es sich um eine jahrtausendealte Tradition, die sowohl für Juden als auch für Muslime ein fester Bestandteil in der Ausübung ihres Glaubens und damit ihres alltäglichen Lebens hat. Aber Beschneidungen werden nicht nur aus religiösen, sondern auch aus medizinischen Gründen durchgeführt. Bevor wir uns näher mit der Thematik "Beschneidung" beschäftigen, gilt es zu klären, was man unter einer Beschneidung überhaupt versteht.

Allgemeines über Beschneidung von Mann

Im großen Ganzen bezeichnet der Begriff Beschneidung eine Operation an den Genitalien von Jungen und Männern. Bei der Beschneidung des männlichen Gliedes (Zirkumzision) wird die Vorhaut, also die feine Hautschicht über der Eichel (Penisspitze) vollständig oder partiell entfernt. Die Gründe für eine Beschneidung der Vorhaut sind vielfältig und können religiöser, medizinischer oder ästhetischer Natur sein.

Die weibliche Beschneidung (traditionell-rituell motiviert)

Die Beschneidung bei Mädchen und Frauen, wie sie in einigen Ländern in Afrika, Asien und im Mittleren Osten praktiziert wird, zielt darauf ab, dass die weiblichen äußeren Genitalien entfernt oder verletzt werden. Die Folgen dieser Beschneidung können oft tödlich ausgehen: Entzündungen, Infektionen, Blutvergiftungen und Komplikationen bei der Geburt können entstehen. Darüber hinaus leiden viele der beschnittenen Mädchen und Frauen ein Leben lang an diesem Ritual - physisch als auch psychisch. Auf die Frage, warum den Mädchen und Frauen die Beschneidung angetan wird, gibt es verschiedene Antworten, wie Festhalten an der Tradition, Kontrolle der Sexualität der Frau, Garantie der Heiratsfähigkeit oder Schutz vor gesellschaftliche Ausgrenzung. Anders ausgedrückt: Die Begründungen beruhen letztlich auf Unwissenheit über die Folgen einer Beschneidung und auf dem Festhalten an alte Rituale.

Anmerkung: Die Beschneidung weiblicher Genitalien aus rituellen Gründen wird von einer Vielzahl an Organisationen, u.a. von der WHO, als eine Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit angesehen.

Wie läuft eine Beschneidung ab?

Bei der Beschneidung von Jungen oder Männern - von der grauenvollen Zirkumzision von Mädchen oder Frauen soll an dieser Stelle keine Rede sein - wird die Vorhaut des männlichen Penis entweder teilweise oder ganz entfernt. Wenn die Beschneidung traditionell und religiös bedingt ist, dann wird diese Ritualbeschneidung im Judentum wie auch im Islam praktiziert.

Beschneidung aus religiösen Gründen

Im Judentum

Nach jüdischem Brauch erfolgt die Jungenbeschneidung (Brit Mila) am achten Tag nach der Geburt des Kindes. So steht es in der Thora, im ersten Buch Moses (Genesis) Kapitel 17, 12: „Ein jegliches Knäblein, wenn's acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen.“ Die Befugnis zur Ausübung der Beschneidungszeremonie hat nur der Beschneider (hebräisch: Mohel). Mit dem Finger träufelt er dem Jungen ein paar Tropfen koscheren Wein auf die Lippen. Anschließend entfernt er die Vorhaut des Kindes in drei Schritten: Mit einem Skalpell trennt er zunächst das äußere Blatt der Vorhaut. Anschließend schneidet er an der Oberseite des Penis ins innere Blatt der Vorhaut bis hin zur Kranzfurche der Eichel und löst die Vorhaut ab. Nun ist die Eichel des Penis vollständig sichtbar. Zu guter Letzt wird noch das wenige ausgetretene Blut entfernt und die Wunde desinfiziert.

Im Islam

Wie für Juden ist auch für Muslime die Beschneidung von Jungen ein Muss, selbst wenn im Koran kein Gebot der Beschneidung (Khitan) existiert. Somit gibt es auch keinen bestimmten Zeitpunkt, wann die Jungenbeschneidung zu erfolgen hat. Aus der muslimischen Tradition heraus wird sie jedoch im Alter zwischen vier und 10 Jahren vollzogen und stellt den Übergang in die Männerwelt dar. Die Beschneidung wird meist von einem Arzt durchgeführt, und zwar in einem Krankenhaus. Denn im Vergleich zum Judentum ist nicht der Ritus ausschlaggebend, sondern der Ausgang des Eingriffs. Die Beschneidung von Muslimen findet unter einer Vollnarkose statt, sodass die Jungen von dem chirurgischen Eingriff nichts mitbekommen. Sobald der Junge betäubt ist, werden die beiden Blätter der Vorhaut mithilfe zweier Klemmen über die Eichel gezogen, ober- und unterhalb eingeschnitten und die beiden Vorhautblätter so weit entfernt wie nötig. Anschließend werden die beiden Vorhautblätter mit einem Faden vernäht. Der Eingriff nimmt gewöhnlich eine halbe Stunde in Anspruch. Nachdem das Kind aus der Narkose wieder erwacht ist, wird darauf geachtet, ob beim nächsten Wasserlassen auch keine Nachblutungen auftreten. Zu diesem Augenblick treten noch keine Schmerzen auf, da noch die Betäubung wirkt. Die Wunde braucht ungefähr 14 Tage zum Abheilen, und nach zwei bis drei Monaten sollten schließlich alle Beschwerden verschwunden sein.

Beschneidung aus medizinischen Gründen

Unter einer Phimose versteht man eine Verengung der Vorhaut. Das bedeutet, dass sich die Penisvorhaut entweder gar nicht oder nur bedingt über die Eichel zurückziehen lässt. Da die Beurteilung einer Vorhautenge nur individuell festgestellt werden kann, beurteilen Ärztinnen/Ärzte nach dem Grad der Zurückziehbarkeit. Zudem wird darauf geachtet, ob Risse, Narben oder Entzündungen vorliegen.

Bei Neugeborenen und Säuglingen stellt eine Phimose noch lange kein Grund zur Besorgnis dar. Denn jeder Junge wird mit einer primären beziehungsweise physiologischen Phimose geboren. Es handelt sich hierbei um eine Verklebung der Vorhaut mit der Eichel, die sich bis zum Abschluss der Pubertät bei den meisten Jungen spontan von selbst löst. Kurzum: Im Normalfall bedarf es bei der Lösung der Vorhaut von der Eichel keiner Behandlung.

Behandlungsbedürftig wird die Phimose allerdings, wenn es zu gehäuften Entzündungen an Eichel und Vorhaut kommt oder immer wieder Harnwegsinfektionen auftreten. Das gilt auch bei Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder wenn Schmerzen bei der Erektion des Penis in Erscheinung treten. Auch der Verdacht auf Lichen sclerosus stellt ein medizinischen Grund für eine Beschneidung der Vorhaut dar.

Beschneidung aus ästhetischen Gründen

Die männliche Beschneidung wird größtenteils aus religiösen Motiven vorgenommen und manchmal ist auch ein medizinischer Eingriff notwendig. Viele Männer lassen allerdings aus ästhetischen Gründen eine Beschneidung der Vorhaut vornehmen. Unter anderem deswegen, weil sie das beschnittene Glied des Mannes an einen erigiertem Penis erinnere. Gleichzeitig ist man der Annahme, dass sich eine Beschneidung einen positiven Einfluss auf das Sexleben habe. Kurzum: Beteuerungen, dass beschnittene Männer bei Frauen beliebter seien oder ein intensiveres Lustempfinden hätten oder ein besseres Stehvermögen mitbringen würden, halten wissenschaftlichen Untersuchungen nicht stand. Es gibt also keinen Grund, sich darüber Gedanken zu machen. Es sieht nicht schlechter aus als mit Vorhaut, und beschnittene Männer werden in ihrer Empfindlichkeit, Erregbarkeit und Orgasmusfähigkeit auch nicht eingeschränkt. Somit liegen Schönheit und Empfinden wohl im Auge des Betrachters.

Wie lange hat man nach einer Beschneidung Schmerzen?

Nach dem chirurgischen Eingriff einer Beschneidung hält die lokale Betäubung am Penis des Jungen oder Mannes noch etwa zwei Stunden an. Der Schmerz dürfte bis dahin größtenteils verschwunden sein. Nichtsdestotrotz können gelegentlich noch leichte und erträgliche Schmerzen in Erscheinung treten, da das Empfinden im Penis allmählich zurückkommt. In den nächsten Tagen ist erst einmal körperliche Ruhe angesagt, gegebenenfalls kann bei Bedarf auch ein leichtes Schmerzmittel eingenommen werden. Eventuell kann es beim Wasserlassen ein bisschen brennen. Um den Heilungsprozess zu unterstützen, sollten beschnittene Jungen oder Männer den Verband regelmäßig wechseln und jeden Tag desinfizierende Sitzbäder nehmen. Gewöhnlich heilt die Wunde innerhalb von zwei Wochen.

Es können sich in seltenen Fällen aber auch Komplikationen bemerkbar machen, die größtenteils nicht schwerwiegend ausfallen und medizinisch gut behandelt werden können. Zu erwähnen sind an dieser Stelle folgende mögliche Komplikationen, die nach einer Zirkumzision auftreten können:

  • Infektionen
  • Nachblutungen
  • Blutergüsse
  • Schwellungen des Penisschafts
  • Riss der Naht bei nächtlich auftretender Errektion
  • allergische Reaktion auf das Anästhesiemittelleichte
  • Gefühlsstörung im Bereich der Eichel

Hinweis: Ein beschnittener Penis ist gemeinhin empfindlicher, denn die Eichel des Jungen oder Mannes ist ständig Druck und Reibung ausgesetzt. Es braucht seine Zeit, bis sich das männliche Glied an die neue Situation gewöhnt hat.

Wo findet die Beschneidung statt?

Im Judentum findet die Brit Mila, sprich die rituelle Beschneidungszeremonie, am achten Tag nach der Geburt des Kindes entweder Zuhause bei der Familie, in der Synagoge, in Festräumen (Hotels oder Veranstaltungssäle) oder in den Räumlichkeiten des religiös und medizinisch geschulten Beschneiders (Mohel) statt. Wie im Judentum praktizieren auch Muslime die Beschneidung von Jungen und Männern. Sie ist ein fester Bestandteil der islamischen Kultur und wird in der Regel in Arztpraxen bei einem Urologen bzw. in urologischen Abteilungen in Kliniken oder Krankenhäusern vorgenommen. Gleiches gilt übrigens auch bei medizinisch begründeten Beschneidungen, wie etwa bei Entzündungen oder eine Verengung der Vorhaut.

Wann ist eine Beschneidung nötig?

Jungen kommen grundsätzlich mit einer Vorhaut auf die Welt. Sie schützt die Eichel des Penis ganz oder partiell, oft steht sie auch über. Bei Neugeborenen sind Eichel und Vorhaut noch nicht voneinander getrennt, sondern verklebt. Erst mit dem zweiten Lebensalter beginnt sich die Vorhaut langsam von der Eichel zu lösen. Gemäß der Leitlinie ‚Phimose und Paraphimose’ vom 15. September 2017, die von den medizinischen Fachgesellschaften Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, Deutschen Gesellschaft für Urologie und der Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin erstellt wurde, passiert dies in den meisten Fällen bis zur Pubertät. Danach kann die Hälfte der Jungen im Alter von sieben Jahren die Vorhaut weitgehend zurückstreifen. „Mit 10 Jahren sind es etwa zwei Drittel. In diesem Alter hat also noch etwa 1/3 entwicklungsbedingt eine mindestens partielle Enge oder Verklebung. Selbst im Alter von 13 Jahren muss man bei acht Prozent der Jungen noch mit einer entwicklungsbedingten Vorhautenge rechnen.“

Sofern sich die Vorhaut darüber hinaus nicht bis zur Eichelwurzel zurückziehen lassen, sollten Eltern mit einem Arzt sprechen.

Neben einer angeborenen Phimose gibt es auch noch eine entwicklungsbedingte Phimose. Diese entsteht in der Regel durch Entzündungen der Vorhaut oder der Eichel. In so einem Fall besteht die Gefahr, dass sich im Gewebe der Vorhaut Verhärtungen (Fibrosen) bilden, die die Haut weniger dehnbar und beweglich werden lassen. Vorausgesetzt, dass sich eine entwicklungsbedingte Phimose nicht auf einem anderen Weg erfolgreich behandeln lässt, kann hier ein chirurgischer Eingriff ein Grund für eine Beschneidung sein.

Übrigens: Sollte der behandelnde Arzt eine Verklebung der inneren Vorhaut mit der Eichel bzw. eine Vorhautverengung diagnostizieren, greift er nicht sofort zum Skalpell. Stattdessen kommt erst einmal eine mehrwöchige Salbenbehandlung zur Anwendung. Die Vorhaut des Penis sollte zu Hause nach einem warmen Bad in der Wanne, wenn sie geschmeidig und elastisch ist, sanft so weit wie möglich zurückgeschoben werden. Anschließend wird die Salbe aufgetragen. Sollte sich bei dieser Behandlung kein Erfolg einstellen, ist bei einer Phimose eine Operation nötig. Denn es soll mit diesem Eingriff verhindert werden, dass sich die Vorhaut und die Eichel erneut entzünden, was gemäß dem Bundesverband für ambulantes Operieren (BAO) auf langer Sicht das Risiko für Peniskrebs (Peniskarzinom) erhöhen würde. Das gilt auch bei einer unzureichenden Hygiene des männlichen Glieds. Es kann auch vorkommen, dass es im Jugend- und Erwachsenenalter zu Problemen beim Geschlechtsverkehr kommen kann.

Paraphimose - der "spanische Kragen"

Eine weitere Ursache, die einen chirurgischen Eingriff notwendig macht, liegt vor, wenn der behandelnde Arzt eine Paraphimose diagnostiziert. In diesem Fall handelt es sich um einen "spanischen Kragen", der dadurch entsteht, wenn die Vorhaut bei erigiertem Penis nicht mehr zurückstreifen lässt und einen sehr festen Ring unterhalb der Kranzfurche - zwischen Penisschaft und Eichel - bildet. Aufgrund der extremen Einengung und einer zunehmenden Schwellung kann das Blut nicht mehr abfließen. Folglich muss eine sofortige notfallmäßige Beschneidung vorgenommen werden.

Wie sinnvoll ist eine Beschneidung?

Ob, wann oder warum eine Beschneidung der Vorhaut vorgenommen werden sollte, hängt letzten Endes stets von den Umständen ab. Denn es geht ja schließlich um das Wohl des Kindes. Dementsprechend sollten sich die Eltern eingehend mit dieser Frage beschäftigen und eine Entscheidung treffen, die die Rechte ihres Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung berücksichtigt.

Was eine Beschneidung bei Säuglingen und Kleinkindern betrifft, so kann aus medizinischer Sicht gesagt werden, dass ein chirurgischer Eingriff nicht erforderlich ist. Denn eine Vorhautverklebung ist in diesem Alter völlig normal. In den meisten Fällen löst sie sich von selbst auf, sodass sich die Vorhaut bei den meisten Kindern in Richtung Peniswurzel zurückschieben lässt.

Es gibt aber auch Fälle, die einen medizinischen Eingriff rechtfertigen, wie etwa bei immer wieder auftretenden Entzündungen an der Vorhaut und Eichel oder der Harnwege.

Was kostet eine Beschneidung?

Eine Beschneidung aus medizinischen Beweggründen wird gewöhnlich von der Krankenkasse übernommen. Ansonsten richtet sich der medizinische Eingriff eines Arztes nach der Gebührenordnung (GOÄ), nach der - je nach ärztlicher Einschätzung - eine Beschneidung zwischen 200 und 700 Euro kosten kann.

Welche religiöse Bedeutung hat die Beschneidung?

Die rituelle, also nicht die medizinisch indizierte, Beschneidung von Jungen hat eine lange Tradition. Schon unter den australischen Aborigines, den afrikanischen Naturvölkern, vereinzelten Indianerstämmen sowie im Alten Ägypten war der Brauch der Beschneidung bekannt. Welche Beweggründe diese ersten Kulturen der Menschheit hatten, das bleibt wohl ein Geheimnis. Doch es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um einen religiösen Brauch gehandelt haben könnte.