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Coaching: Wie Sie Ihre Körpersprache für den beruflichen Erfolg einsetzen

Coaching : Wie Sie Ihre Körpersprache für den beruflichen Erfolg einsetzen

Wer den Chef beeindrucken, im Verkaufsgespräch überzeugen oder im Meeting bei den Kollegen punkten möchte, muss sich richtig ausdrücken. Die Körpersprache ist dabei sogar noch entscheidender als das gesprochene Wort. Wir haben die Expertin Nadine Kmoth gefragt, wie man Mimik und Gestik richtig einsetzt.

Nadine Kmoth ist seit 16 Jahren Coach für "Körperrhetorik" und gibt ihre Erfahrung in Seminaren und Vorträgen weiter. Körpersprache ist den meisten wohl ein Begriff — die Trainerin hat ihn jedoch weiterentwickelt. "Körperrhetorik ist eine Methode, mit der man bewusst an der Ausdruckskraft des eigenen Körpers arbeiten kann", erklärt Nadine Kmoth. "Wir alle haben in unserer Gestik und Mimik im Laufe unseres Lebens bestimmte Rituale entwickelt. Manche sind gut, andere aber auch von Nachteil."

Nadine Kmoth ist Expertin für Körperrhetorik und hält Vorträge und Seminare zum Thema. Foto: Nadine Kmoth

Der erste Eindruck nach 0,3 Sekunden

Der erste Eindruck ist und bleibt das Wichtigste. Und der ist schnell gemacht: "Der Mensch braucht 0,3 Sekunden, um seinen Gesprächspartner einzuschätzen", sagt Kmoth. Durch seinen Freund-oder-Feind-Instinkt habe jeder Mensch diese Fähigkeit. "Unterbewusst fragen wir uns sofort, ob wir der anderen Person trauen können oder nicht. Untersuchungen zeigen: in 60 Prozent der Fälle liegen wir mit dem Ersteindruck richtig. Wir sind richtig gut darin."

Deshalb muss auch der Körper gleich von Beginn an überzeugen. Im Bewerbungsgespräch etwa ist souveränes Auftreten eine wichtige Voraussetzung. "Schon wenn der Bewerber durch die Tür in das Büro kommt, ist sein Auftritt wichtig", sagt der Coach. "Meistens muss er dann ein paar Meter zum Schreibtisch des Chefs zurücklegen, und die werden meist gut beobachtet." Deshalb der Tipp: Nicht trödeln, sondern mit großen Schritten zügig zum Ziel schreiten, mit aufrechter Haltung — "Brust raus, Bauch rein".

Am Ziel angekommen folgt direkt die zweite Hürde: der Handschlag. "Wir kommen unserem Gesprächspartner nie wieder so nah, wie in dieser Situation", sagt Nadine Kmoth. Deshalb müsse auch der Händedruck vorher wohl überlegt sein. "Er darf ruhig kräftig, aber auf keinen Fall zu lang sein. Eineinhalb Schläge reichen völlig aus." Alles andere, etwa ewig langes Händeschütteln oder sein Gegenüber dabei an sich heranziehen wirke zu "kumpelhaft", bei einigen Menschen sogar aufdringlich. "Vertrauen ja, aber immer mit professioneller Distanz — das ist oberstes Gebot", sagt die Expertin. Ebenso wie: Augenkontakt halten.

Die Präsentation: "Kontakt aufnehmen"

"Das bedeutet auch für mich: präsent sein", sagt Kmoth. "Ich muss offen wirken und eine Verbindung zu meinem Publikum schaffen, egal ob es nur eine oder mehrere Personen sind." Um dieses "Wir-Gefühl" zu fördern, sollte der Redner mit den Händen auf seine Zuhörer deuten, sie per Gestik miteinbeziehen. Aber: "Mit der ganzen Hand, bloß nicht mit dem Zeigefinger", warnt der Coach. "Sonst wirkt das, wie früher in der Schule, wenn der Lehrer seinen Schülern sagte: ,pass gefälligst auf'. Als Besserwisser will ja niemand dastehen."

Auch Bewegung ist bei einer Präsentation wichtig. "Wenn man vorne an einem Pult oder einer Leinwand steht, darf man seine Bühne ruhig nutzen und einige Schritte machen", sagt Kmoth. Das signalisiere nicht nur eine gewisse Souveränität, da der Redner sein Territorium klar absteckt, sondern kann auch die Verbindung zum Publikum stärken. "Ich kann in Kontakt zu den Menschen treten, Schritte auf sie zu machen, mich noch näher präsentieren."

Ein Vortrag kann stressig sein. Anspannung, weiß Nadine Kmoth, verspüren auch routinierte Geschäftsleute. "Dann sollte man darauf achten, was der Körper gerade tut", sagt sie. "In Stresssituationen neigen viele dazu, die Arme anzulegen oder zu verschränken, quasi zum Schutz. Ein schlimmer Fehler, denn das signalisiert Schwäche und Unprofessionalität." Stattdessen könne man seine Worte mit den Händen sogar verstärken. Aber Vorsicht: Sprache und Gestik müssen zusammenpassen. "Wenn man es übertreibt, vielleicht sogar zu drastische Gesten macht, wird man unglaubwürdig", so die Expertin.

Die Verhandlung: "Sein Gegenüber lesen"

In der Verhandlung zählt ein gutes Auge für die Signale des Gesprächspartners. Dabei gibt es zwischen den Geschlechtern einen deutlichen Unterschied, meint Nadine Kmoth. "Während Männer sich im Gespräch hauptsächlich auf die Inhalte konzentrieren, achten Frauen viel bewusster auf die Körpersprache." Der Grund: "Traditionell zieht die Frau die Kinder auf, vermittelt dem Nachwuchs Gestik und Mimik und hat daher auch ein viel besseres Auge dafür."

Der Gesprächsteilnehmer muss möglichst schnell Souveränität aufbauen — und das schon beim Hinsetzen. "Auf dem Stuhl sollte man eine bequeme Haltung einnehmen, die Seiten- und Rückenlehnen nutzen, sich Raum gönnen", rät Kmoth. "Das schafft Sicherheit." Sogar der Abstand vom Schreibtisch könne eine Diskussion beeinflussen. "Eine halbe Armlänge vom Tisch entfernt, hat man genug Platz zum Gestikulieren." Natürlich dürfe man den Tisch auch benutzen, und so das Territorium erweitern. "Aber nur, wenn es wirklich ein Besprechungstisch ist", sagt Kmoth. "Auf den Tisch des Chefs stützt man sich besser nicht auf."

Die Palette von Fehlern, die immer noch häufig in Gesprächen gemacht werden, ist lang, weiß die Expertin. "Viele kauern sich direkt vor die Tischplatte, machen sich aus Nervosität klein und schaffen es nicht, Blickkontakt zu halten", sagte sie. "Diese Körperhaltung signalisiert nicht das, was Kunden oder Chefs erwarten."

Mit einem Gerücht möchte Nadine Kmoth jedoch aufräumen: Arme verschränken ist grundsätzlich schlecht. "Das ist Unsinn", sagt sie. "Manchmal ist das sogar hilfreich oder bequemer." Ein einzelnes schlechtes Signal gebe es ohnehin nicht. "Es ist immer die Kombination aus mehreren Gesten, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet."

(mro)