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Arbeitszeitkonten: Wie Sie früher in Rente gehen können

Arbeitszeitkonten : Wie Sie früher in Rente gehen können

Köln/Berlin (RPO). Erst mit 67 Jahren in Rente zu gehen, das ist für viele keine angenehme Aussicht. Besonders für Angestellte, die jahrelang körperlich schwer arbeiten. Sogenannte Lebensarbeitszeitkonten können in solchen Fällen eine Lösung sein.

Lebensarbeitszeitkonten gewinnen immer mehr an Bedeutung, sagt Christiane Flüter-Hoffmann vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Vor allem in der Stahlbranche, im privaten Bankgewerbe, aber auch im Chemiesektor oder der Metallindustrie bieten zahlreiche Unternehmen heute solche Konten, auf denen die Mitarbeiter Zeit oder Geld sammeln können. Anders als bei üblichen Arbeitszeitkonten von einem bis fünf Jahren Dauer sind Lebensarbeitszeitkonten für das gesamte Arbeitsleben konzipiert. "Langfristig können die Beschäftigten hier so viel ansammeln, dass sie zwei oder drei Jahre früher in Rente gehen können", sagt die Expertin.

Wer eher in Rente will, sollte möglichst bereits zu Beginn des Arbeitslebens dieses Konto vom Chef einrichten lassen. "Es gibt aber keinen Anspruch darauf", sagt Kristina Schütt von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin.

Unterschiedliche Modelle

Je nach Branche gibt es unterschiedliche Modelle für Lebensarbeitszeitkonten. Wer Zeit ansparen möchte, könne sich in der Regel Überstunden, teilweise auch zusätzliche Urlaubstage, die über die gesetzlich vorgeschriebenen hinausgehen, auf dem Konto gutschreiben lassen, erläutert Schütt. Je nachdem, wie viele Tage, Monate oder sogar Jahre zusammenkommen, verlässt der Beschäftigte das Unternehmen früher. Der Lohn wird weitergezahlt bis zum regulären Ende der Arbeitszeit.

Beim Sparen von Geld ist dies ähnlich. Der Angestellte kann beispielsweise Sonderzahlungen auf das Konto schieben und so seinen Vorruhestand finanzieren. Dies ist besonders mit Blick auf das Auslaufen der gesetzlichen Vorruhestandsmodelle eine Option. Schütt zufolge lohnen sich Lebensarbeitszeitkonten insbesondere, weil das angesparte Geld vom Bruttogehalt komme und deshalb nicht versteuert werden müsse.

Mehr Flexibilität

Für Unternehmen lohnen sich Lebensarbeitszeitkonten aber auch. "Der Arbeitgeber gewinnt dadurch wesentlich mehr Flexibilität", sagt Flüter-Hoffmann. Gerade die demografische Entwicklung verstärke die Konkurrenz der Firmen untereinander, die besten Fachkräfte für sich zu gewinnen. Die Konten seien ein enormer Attraktivitätsbonus.

Ein weiterer Vorteil für Unternehmen ist die Möglichkeit, über die Konten konjunkturelle Schwankungen auszugleichen. "Da müssen Firmen aber genau überlegen, welches Modell auf ihren Betrieb passt", rät Alexander Dillenburg von der Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung aus Duisburg. Sind in einem Jahr viele Überstunden nötig, weil die Wirtschaft boomt, ist im folgenden Jahr aber eine Flaute in Sicht, könnten die gesammelten Überstunden dann abgebaut werden - ohne den Verlust von Arbeitsplätzen.

Internet: www.bda-online.de, www.iwkoeln.de

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