Tuscheln im Büro: Wie man auf Gerüchte richtig reagiert

Tuscheln im Büro: Wie man auf Gerüchte richtig reagiert

"Schon gehört? Der Chef hat etwas mit der kleinen Blonden aus der Buchhaltung..." - Immer wieder gibt es Neues aus der Gerüchteküche. Im Betrieb verbreiten sich Verschwörungstheorien und Vermutungen oft in Windeseile.

Dabei entfalten sie oft eine enorme Kraft und richten großen Schaden an. Mit der richtigen Informationspolitik seitens der Firma oder durch einen gezielten Eingriff im zwischenmenschlichen Bereich gibt es per Flurfunk weniger zu berichten.

Sofort Reagieren

Arbeitnehmer sollten Gerüchte über sich nicht einfach ignorieren, sondern so schnell wie möglich darauf reagieren. "Wenn Sie es einfach aussitzen, bleibt etwas an Ihnen hängen", warnt der Management-Trainer Jens Weidner. Der Betroffene erfahre oft als letzter von dem Gerücht. "Die wichtigste Regel ist deshalb: Sowie du es hörst, reagiere sofort."

Drei Reaktionsmöglichkeiten

Es gebe drei verschiedene Möglichkeiten, auf ein Gerücht zu reagieren. "Erstens, Sie wissen, von wem das Gerücht kommt, und führen ein Vier-Augen-Gespräch." Dabei Dritte ins Spiel zu bringen, habe ein gewisses Drohpotenzial. "Nichts ist unangenehmer für Mobber, als geoutet zu werden."

Die zweite Möglichkeit sei, an die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers zu appellieren. "Sie besprechen mit Ihrem Arbeitgeber, dass Sie von dem Gerücht gehört haben und bitten ihn, Sie zu unterstützen", erklärt Weidner.

Die dritte Variante ist, auf das eigene Netzwerk zu setzen und befreundete Kollegen zu bitten, dem Gerücht entgegenzuwirken. Die Gründe für Gerüchte im Beruf seien sehr unterschiedlich. Oft gehe es um Neid oder Konkurrenzdenken. "Gerüchte haben zwei Dinge zum Ziel: Die Zerrüttung des Gegenübers, und in der harmloseren Variante versuchen sie mindestens einen unangenehmen psychischen Zustand hervorzurufen", erklärt Weidner.

Richtige Informationspolitik ist wichtig

Viele Unternehmen spielten auf Zeit und versuchten zunächst, keinerlei Auskünfte zu geben, hat Claudia Cornelsen beobachtet. Das sei aber genau die falsche Strategie, um Reputationsverluste zu vermeiden, warnt die PR-Beraterin aus Hamburg. "Das ist Wasser auf die Mühlen des Gerüchts." Wenn noch Klärungsbedarf besteht, sei die beste Krisen-PR zunächst einzuräumen, dass etwas falsch gelaufen sein könnte und Klärung zuzusagen.

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Mitarbeiter, die von beunruhigenden Gerüchten über die Zukunft des Betriebes erfahren, sind gut beraten, bei Vorgesetzten zu fragen, ob sie der Wahrheit entsprechen, empfiehlt Christine Öttl, Coaching-Expertin aus München: "Oft steckt nur Pipifax dahinter, und einige Leute machen daraus gleich ein Drama." Häufig dringen Gerüchte gar nicht bis zu den Vorgesetzten durch.

Gerüchte, die persönlich werden

Noch schwieriger kann das bei Gerüchten sein, die einzelne Mitarbeiter betreffen. Zwischen Klatsch und übler Nachrede gibt es eine breite Grauzone: Wenn gerüchteweise verlautet, die neue Kollegin habe sich in die Führungsposition doch nur "hochgeschlafen", oder dem älteren Kollegen hinter vorgehaltener Hand ein massives Alkoholproblem nachgesagt wird, kann das für die Betroffenen üble Folgen haben. Sind Gerüchte erst in der Welt, ist ihnen oft nur schwer beizukommen. "Es gibt immer Typen, die solche Gerüchte streuen, ohne darüber nachzudenken, was sie da tun", sagt Öttl.

"Manche Gerüchte werden auch in böswilliger Absicht ganz gezielt gestreut", sagt Claudia Cornelsen. Wer selbst davon betroffen ist, sollte die "Gerüchtestreuer" auffordern, Farbe zu bekennen. Die Coaching-Expertin empfiehlt, authentisch zu reagieren, sich hinzustellen und dazu aufzufordern, die Behauptungen offen zu wiederholen.

Den Wind aus den Segeln nehmen

Wer Zeuge von Gerüchten über andere wird, sollte in der Regel besser nicht zur betroffenen Person gehen und sie warnen. "Damit gießt man nur Öl ins Feuer. Dann eskaliert der Konflikt und man kommt nicht wirklich weiter", sagt Christine Öttl. Besser sei es, demonstrativ kritisch nachzuhaken: Skeptische Anmerkungen wie "Was ehrlich? Das kann ich mir gar nicht vorstellen!" würden Gerüchteköchen oft schon die Suppe versalzen. "Die kommen dann ins Schleudern", sagt Öttl. Man kann aber auch deutlicher werden und fragen "Ist dir eigentlich bewusst, was du damit anrichten kannst?"

Eine Welt ohne Gerüchte

Auf eine Welt ohne Gerüchte zu hoffen, ist aussichtslos. Aber ihre Auswirkungen und Lebensdauer könnten doch verringert werden. An die Vernunft zu appellieren, Gerüchten nicht blind zu glauben, ist nach Christine Öttls Erfahrung durchaus nicht aussichtslos. Gerüchte verbreiten sich zwar rasend schnell - aber wenn immer mehr dafür spricht, dass sie falsch sind, verschwinden sie auch schnell in der Versenkung: "Die Leute sind ja nicht doof. Die merken mit ein bisschen Nachdenken bald, wenn etwas völliger Quatsch ist." Manchmal reiche es schon, seine Zweifel laut auszusprechen, um sicherzustellen, dass das jüngste üble Gerücht keine Karriere mehr vor sich hat.

(dpa)
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