Neuer Gehaltsreport: Viele verdienen weniger als 1990

Neuer Gehaltsreport : Viele verdienen weniger als 1990

(RP). Bei vielen Arbeitnehmern hat die Inflation die Lohnerhöhungen aufgezehrt. Informatiker, Ärzte und andere sind doppelt gestraft: Bei ihnen sank auch noch der durchschnittliche Bruttolohn. Das geht aus einem neuen Gehaltsreport hervor.

Die Inflation hat in Deutschland in den vergangenen 18 Jahren große Löcher in die Geldbeutel der Bürger gerissen. Das belegt eine vom Magazin "Stern" in Auftrag gegebene Untersuchung der 100 gängigsten Jobs (Auswahl siehe in den Grafiken). Laut diesem Gehaltsreport blieb 2008 fast in jeder zweiten Berufsgruppe im Vergleich zu 1990 weniger Geld zum Leben.

Zum Vergrößern auf die. Foto: Stern/SEOP I

Der Report stützt sich auf das sozioökonomische Panel, das vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin erstellt wird: Einmal pro Jahr befragen die Forscher 20 000 Personen aus 11 000 Haushalten zur Einkommenslage. Da dies seit 25 Jahren geschieht, lassen sich seriöse Vergleiche anstellen.

Zum Vergrößern auf die. Foto: Stern / SOEP I

Im Betrachtungszeitraum pendelte die Inflationsrate zwischen 0,6 und 5,1 Prozent. Damit wurde das Geld seit 1990 um rund ein Drittel entwertet. Wer sich 1990 für (umgerechnet von D-Mark) 1000 Euro Waren kaufen konnte, bekommt dafür heute nur noch Waren für 680 Euro. Um das auszugleichen, mussten die durchschnittlichen Bruttolöhne entsprechend stark steigen.

Das ist zum Beispiel bei Designern der Fall. Sie haben den größten Zuwachs beim Verdienst. Sie bekamen im Jahr 2008 im Schnitt 4690 Euro im Monat und konnten ihren Bruttolohn damit gegenüber 1990 mehr als verdoppeln. Die Inflation fraß zwar einen Teil der Lohnerhöhung wieder auf, doch am Ende bleibt ihnen ein Plus von 85 Prozent. Auch Marketingfachleute kommen trotz Inflation auf ein ordentliches Plus (63 Prozent), ebenso Makler (62 Prozent).

Bei Berufen wie zum Beispiel Anwälten, Maschinenbauingenieuren, Grundschullehrern, Maurern, Erziehern oder Kassierern reichten die Lohnerhöhungen dagegen nicht aus, um den Preisanstieg auszugleichen — sie haben am Ende weniger.

Einige Berufe sind sogar doppelt gestraft. So ist beispielsweise der durchschnittliche Bruttolohn der Mediziner deutlich gesunken. Gab es 1990 für einen Arzt im Schnitt noch (von D-Mark umgerechnet) 8780 Euro brutto im Monat, sind es heute noch 6400 Euro. Berücksichtigt man zusätzlich die Inflation, beträgt das Minus sogar 50 Prozent. Ebenfalls gesunken ist der durchschnittliche Bruttolohn bei Sportlehrern, Förstern, Werbefachleuten, Informatikern und Zahntechnikern.

Wichtig für die Einkommensteigerung ist auch die hierarchische Position im Betrieb. Angestellte mit Führungsaufgaben konnten ihr Bruttoeinkommen gegenüber 1990 im Schnitt um 18 Prozent steigern. Daneben spielt das Alter eine wichtige Rolle. Die Generation der über 50-Jährigen verdient im Schnitt 3310 Euro im Monat. Damit haben sie rund 500 Euro mehr als jüngere Kollegen zur Verfügung. Das liegt daran, dass Betriebe die Einstiegsgehälter gesenkt haben und Löhne mit Betriebszugehörigkeit oft steigen.

Absolut betrachtet hat sich die Einkommensschere allen Unkenrufen zum Trotz weiter geschlossen. Am schlechtesten verdienen auch nach 18 Jahren immer noch Raumpfleger und Gebäudereiniger. 1990 bekamen sie umgerechnet 1010 Euro. Damals betrug der Unterschied zu der am besten gestellten Gruppe — den Ärzten — 7770 Euro. Heute bekommen die Putzkräfte durchschnittlich 1430 Euro im Monat. Der Abstand zu den Medizinern ist damit auf 4970 Euro geschrumpft.

(RP)