Studium neben dem Beruf - wie klappt die Doppelbelastung am besten?

Infos und Tipps : Studium neben dem Beruf - wie klappt’s am besten?

In Deutschland studieren ungefähr zwei Prozent der Studenten berufsbegleitend. Doch es ist harte Arbeit, neben der beruflichen Tätigkeit zu studieren. Aufgrund des immens großen Studienangebotes ist es deshalb wichtig, einen Studiengang oder Fernstudiengang auszuwählen, der zur eigenen Lernweise passt.

Berufsbegleitendes Studium – was ist das?

Der Begriff „berufsbegleitendes Studium“ wird für unterschiedliche Studienformen genutzt. Hierunter fällt auch das duale Studium. Der Student steht während des gesamten Studiums in einem festen Beschäftigungsverhältnis. Am Ende erhält er dann einen akademischen Grad. Möglich sind die unterschiedlichsten dualen Studiengänge. Der Arbeitgeber und die Hochschule arbeiten bei einem dualen Studium also zusammen.

Genau genommen ist ein berufsbegleitendes Studium aber eine "Weiterbildung", die neben der eigentlichen Berufstätigkeit durchgeführt wird. Besonders bekannt ist das Abendstudium (berufsbegleitendes Präsenzstudium), das häufig auch als Teilzeitstudium bezeichnet wird. Hier finden die Lehrveranstaltungen nur abends statt. Je nach Studienlehrgang und Ausbildungsinstitut ist es auch notwendig, samstags am Unterricht teilzunehmen. Bei einem Wochenendstudium findet der Unterricht hingegen nur am Wochenende statt.

Darüber hinaus gibt es noch das berufsbegleitende Fernstudium. Hier studiert der Teilnehmer mithilfe von E-Learning-Elementen und kann sich so seine Zeit beim Studieren selbst einteilen. Je nach Studienfach ist es jedoch notwendig, an Präsenzveranstaltungen teilzunehmen, die meist an Wochenenden stattfinden.

Was kann ich neben dem Beruf studieren?

Berufsbegleitende Studiengänge mit akademischem Abschluss (z. B. MBA, Bachelor oder Master) gibt es in den unterschiedlichsten Bereichen. Besonders beliebt sind zum Beispiel Betriebswirtschaft und Management, Ingenieurwesen und Technik, Medien und Marketing, Psychologie sowie Informatik und IT-Management.

Bachelor-Studiengänge:

Für den berufsbegleitenden Bachelor-Abschluss stehen verschiedene Studiengänge zur Auswahl. Dabei sind der Bachelor of Arts (B.A.) und der Bachelor of Business Administration (MBA) die bekanntesten Bachelor-Abschlüsse. Unter anderem können im Bachelor-Studium folgende Fächer belegt werden:

  • MBA-Studium in Betriebswirtschaftslehre (BWL)
  • Sozialwissenschaften
  • Kulturwissenschaften
  • Wirtschaftswissenschaften
  • Wirtschaftsingenieurwesen
  • Wirtschaftsinformatik
  • Wirtschaftspsychologie
  • Psychologie (z. B. Gesundheitspsychologie oder Wirtschaftspsychologie)

Master-Studiengänge:

Es gibt zahlreiche Masterprogramme (Masterstudiengänge), die mit einer Master-Thesis abgeschlossen werden können. Zu diesen Master-Programmen bzw. berufsbegleitenden Master-Studiengängen gehören zum Beispiel:

  • Master of Arts (M.A.) in Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften
  • Master of Science (M.Sc.) in Naturwissenschaften
  • Master of Engineering (M.Engl.) in Ingenieurwissenschaften

Darüber hinaus bieten einige Fernhochschulen auch weitere interessante berufsbegleitende Masterstudiengänge an, wie zum Beispiel das Bachelor-Fernstudium Sozialmanagement. Ebenso gehören die Bachelor-Studiengänge General Management und Gesundheitsmanagement zu den bekanntesten Bachelorprogrammen der Fernakademien.

Wer berufsbegleitend studieren möchte, hat in Bezug auf den Fachbereich die Qual der Wahl. Denn das Studienangebot ist kaum überschaubar. Bei der Studienwahl ist es deshalb zu empfehlen, einen Fachbereich auszuwählen, der einen auch beruflich weiterbringt. So dürfte es beispielsweise einer Assistentin der Geschäftsführung beruflich wenig bringen, wenn sie einen Fernstudiengang im Bereich Naturwissenschaften absolviert. Wesentlich geeigneter wäre für die Berufstätige beispielsweise das Fach Betriebswirtschaft.

Es existieren zig Privat-Hochschulen, Akademien, Fernhochschulen u.v.m., die ein berufsbegleitendes Masterstudium anbieten. Wer sich unsicher ist, sollte eine Studienberatung in Anspruch nehmen, um so das passende Angebot herausfiltern zu können.

Studium neben dem Beruf ohne Abitur – geht das?

Wer ein berufsbegleitendes Studium absolvieren möchte, muss je nach Abschlussart bestimmte formale Voraussetzungen erfüllen. In einigen Fällen ist sogar möglich, auch ohne Abitur zu studieren.

  • Studienabschluss Bachelor: Für die Hochschulzugangsberechtigung ist es notwendig, dass eine Hochschulreife (Abitur) oder eine fachgebundene Fachhochschulreife (Fachabitur) vorliegt. Als gleichwertig anerkannt ist auch eine Berufsausbildung mit Abschluss (z. B. staatlich geprüfter Betriebswirt oder ein Meister-Titel).
  • Studienabschluss Master: In der Regel muss für die Zulassung zu einem Masterstudiengang ein Erststudium oder ein Bachelorabschluss absolviert worden sein.

Darüber hinaus gelten häufig spezielle Eingangsvoraussetzungen. Das gilt vor allem für wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge wie dem Master of Business Administration (MBA). Die eine oder andere Hochschule oder Akademie verlangt hier einen Eignungstest und oder den Nachweis über ausreichende Englischkenntnisse.

Wenn das Studium berufsbegleitend in Form eines Fernlehrgangs absolviert wird, hängen die Zugangsvoraussetzungen davon ab, welcher Abschluss erreicht wird. Generell sind hier die Hürden wesentlich niedriger als beim MBA, Bachelor oder Master. Sollte zum Beispiel der Fernlehrgang mit einer staatlichen Prüfung enden, wie beim staatlich geprüften Betriebswirt, sind folgende Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen:

  • mindestens Fachoberschulreife (Realschulabschluss) oder gleichwertiger Abschluss
  • mindestens ein Jahr Berufserfahrung

Muss ich meinem Arbeitgeber das Studium neben dem Beruf melden?

Grundsätzlich besteht gegenüber dem Arbeitgeber keine Mitteilungspflicht, wenn ein Teilzeit- oder Fernstudium oder eine Weiterbildung absolviert wird. Es ist aber dennoch zu empfehlen, seinen Chef zu informieren. Wer gut argumentiert, beispielsweise damit, dass das Unternehmen von den erlangten Qualifikationen profitiert, könnte sogar Unterstützung erhalten. Dennoch gilt, dass die Tätigkeit nicht unter dem Studieren leiden darf.

Wie hoch sind die Kosten für ein Studium neben dem Beruf?

Ein nebenberufliches Studium kann jährlich wenige Hundert bis hin zu mehreren Tausend Euro kosten. Wie hoch die Kosten ausfallen, hängt in erster Linie davon ab, an welcher Bildungseinrichtung (z. B. Universität, Fachhochschule, Akademie, Privat-Hochschule, Fernuniversität etc.) studiert wird. Einige Anbieter verlangen monatliche Studiengebühren, während andere hingegen einen Jahresbeitrag fordern.

Die Zeit, die für das berufsbegleitende Studium benötigt wird, ist ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Kostenkalkulation. Denn für die berufsbegleitenden Studiengänge muss mehr Zeit eingeplant werden als für ein Studium in Vollzeit. Je länger der Studierende braucht, desto teurer wird es.

Darüber hinaus müssen etwaige Zusatzkosten mit in die Budgetplanung einfließen. Das können zum Beispiel Materialien für das Lernen oder auch Prüfungsgebühren sein. Ebenso können Reisekosten anfallen, wenn ein Seminar bzw. eine Pflichtveranstaltung besucht wird.

Wer also neben seinem Job studieren möchte, der sollte sich umfangreich informieren und verschiedene Bildungsanbieter in Bezug auf die Kosten genau vergleichen. Bei einigen Anbietern ist es auch möglich, ein Probe-Semester zu absolvieren, was eine gute Entscheidungshilfe sein kann.

Tipp: Die Studienkosten, Lernmaterialien und auch die Reisekosten können von der Steuer abgesetzt werden!

Studium neben dem Beruf – wie klappt die Finanzierung?

Wer berufsbegleitend studiert, erhält weiterhin sein Einkommen. Je nach Studium und Hochschule fallen die Kosten für das berufsbegleitende Studium jedoch so hoch aus, dass Absolventen auf eine finanzielle Unterstützung angewiesen sind.

Leider gibt es nur wenige Stipendien für ein Abendstudium oder ein Fernstudium. So werden Stipendien meist nur für ein Vollzeitstudium vergeben. Ggf. kann die Finanzierung für ein berufsbegleitendes Studium über ein staatliches Stipendium vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gelingen. Solch ein Stipendium wird jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen vergeben. Interessieren dürften sich Berufstätige vor allem für das Aufstiegsstipendium, das ebenfalls vom BMBF vergeben werden kann. Voraussetzungen für die Bewerbung sind unter anderem eine abgeschlossene Ausbildung und eine Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren. Wem das Aufstiegsstipendium gewährt wird, erhält jährlich einen Zuschuss zu den Studiengebühren.

Darüber hinaus haben die einzelnen Bundesländer auch unterschiedliche Förderungen etabliert. In Nordrhein-Westfalen bezuschusst beispielsweise der Bildungsscheck Weiterbildungsmaßnahmen.

Wenn die Voraussetzungen für die zuvor genannten Finanzierungsmöglichkeiten nicht vorliegen, um das berufsbegleitende Studium zu finanzieren, ist der Studienkredit eine weitere Option. Derartige Kredite bieten zum Beispiel die KfW-Bank und der Festo Bildungsfonds an. Dabei erfolgt das Beantragen dieser Kredite über die Hausbank.

Wie anstrengend ist ein Studium neben dem Beruf?

Egal, ob Weiterbildung, Bachelor- oder Master-Studium – wer sich berufsbegleitend weiterbildet, muss sich darauf einstellen, dass die nächsten Jahre anstrengend werden. Und es erfordert viel Ehrgeiz, Durchhaltevermögen sowie ein gutes Zeitmanagement. Mit der richtigen Einstellung kann das berufsbegleitende Studium aber auch Spaß machen. Darüber hinaus lohnt es sich immer, sich weiterzubilden.

Die besten Tipps für ein Studium neben dem Beruf

Damit das Studieren neben dem Job gelingt und komplikationslos abläuft, hier einige Tipps:

  • Interessierte sollten sich vorab umfangreich über den ausgewählten Studiengang und dessen Aufbau informieren.
  • Studium, Arbeit und Privatleben müssen parallel bewältigt werden. Das erfordert ein gutes Zeitmanagement. Oftmals wird der Zeitbedarf für das berufsbegleitende Studieren unterschätzt.
  • Lernen ist das A und O! Deshalb ist es wichtig, Strategien und Methoden für das Lernen zu entwickeln und konsequent umzusetzen. Zudem sollte ein fester Lernrhythmus etabliert werden.
  • Treten Probleme während des Studiums auf, sollte unbedingt mit der Hochschule bzw. den Dozenten Kontakt aufgenommen werden. Diese Möglichkeit besteht auch bei einem Fernstudium. Auch der Kontakt und der Austausch mit Kommilitonen ist während des Studiums wichtig und sollte nicht vernachlässigt werden.
  • Studienarbeiten sollten nicht unter Zeitdruck geschrieben werden. Auch die Klausurvorbereitung sollte frühzeitig beginnen. Das Gleiche gilt für Schlussarbeiten.

Fazit zum Studium neben dem Beruf

Für Schulabsolventen kommt in der Regel das Vollzeitstudium infrage. Hingegen eignet sich das berufsbegleitende Studium (Teilzeitstudium) oder das Fernstudium für Berufstätige, die ihr Wissen in einem bestimmten Bereich vertiefen und in die unternehmerische Praxis umsetzen möchten. Sicherlich ist ein berufsbegleitendes Studium eine Herausforderung. Aber es lohnt sich durchaus, diese anzunehmen.

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