Talentförderung Ein besonderer Dienst für ihr Land

Bei der Bundeswehr sind viele zivile und militärische Karrieren möglich. Gute Rahmenbedingungen bieten sich auch hochbegabten Sportlern und Musikern, um sich weiterzuentwickeln und erfolgreich zu sein.

 Hauptfeldwebel Raphael Kandra ist vierfacher Deutscher Einzelmeister und wurde 2019 als erster deutscher Squashspieler Europameister.

Hauptfeldwebel Raphael Kandra ist vierfacher Deutscher Einzelmeister und wurde 2019 als erster deutscher Squashspieler Europameister.

Foto: Nathan Clarke/PSA Worldtour/Nathan Clarke

Raphael Kandra wusste schon früh, dass er sein Hobby zum Beruf machen würde: Schon als Jugendlicher war der gebürtige Fürther, der heute Paderborner ist, auf dem Squash-Court europaweit kaum noch zu schlagen. Die Frage war bloß, welchen Weg er für seine internationale sportliche Karriere gehen sollte. „Und da kommt man in der Bundesrepublik Deutschland in meiner nicht-olympischen Sportart an der Bundeswehr kaum vorbei“, sagt der 32-jährige, zweifache Familienvater, der seit 2010 Mitglied der Sportfördergruppe Köln der Bundeswehr ist.

Der Tipp, sich um einen Platz in einer Sportfördergruppe zu bewerben, sei vom damaligen Bundestrainer des Deutschen Squashverbands gekommen, erinnert sich Kandra. Einen einzigen Konkurrenten habe es gegeben. „Am Ende zählte, wer mit Blick auf den Medaillenspiegel der erfolgreichere Athlet war.“ Zwölf Jahre später, nach zahlreichen nationalen und internationalen Titeln, kann der Soldat auf Zeit ohne jeden Zweifel sagen, dass er den richtigen Weg gegangen ist: „Ich würde es jederzeit wieder tun.“ Denn nur die Bundeswehr habe die Struktur und die Mittel, Spitzensportler aus seiner Sportart so zu fördern, wie er es erlebt habe. „Und das gilt im Übrigen auch für viele andere Sportarten.“

Was den Sportsoldaten im Rang eines Hauptfeldwebels ins Schwärmen bringt, überrascht Patricia Müller nicht – obwohl ihre Begabung völlig anderer Natur ist: Die 28-Jährige aus Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz war schon als Kind ein Talent an der Querflöte. Auch sie erhielt den Tipp, ihre Karriere über die Bundeswehr zu planen. Nach der allgemeinen Eignungsfeststellung beim Karrierecenter Düsseldorf unterzog sie sich 2019 erfolgreich der musikalischen Eignungsfeststellung beim Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr in Hilden im Kreis Mettmann. Dort befindet sich die Waldkaserne, in der die angehende professionelle Orchestermusikerin seit nunmehr drei Jahren wohnt und nach eigenen Angaben in der Musikakademie der Bundeswehr die idealen Rahmenbedingungen für ihr vierjähriges integriertes Bachelor-Musikstudium vorfindet: „Das fängt mit 96 Musikräumen an, von denen 60 Einzelübungsräume sind, und endet mit einem Computer-Hörsaal, einem Yoga-Raum, vielen Sportmöglichkeiten und einem Fitnessraum.“

Patricia Müller beginnt ihre Karriere als professionelle Orchestermusikerin im Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr.

Patricia Müller beginnt ihre Karriere als professionelle Orchestermusikerin im Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr.

Foto: Stefan Müller/Bundeswehr/STEFAN MUELLER

Patricia Müller wohnt in einer Einzelunterkunft und profitiert bereits in der Ausbildung von etlichen Gelegenheiten, ihr Können auf hochkarätigen Veranstaltungen zu präsentieren. So trat sie beispielsweise am 24. September unter den Augen der Verteidigungsministerin neben Stargästen wie den Bläck Fööss beim vierten „Musikfest der Bundeswehr“ im PSD Bank Dome in Düsseldorf vor knapp 14.000 Gästen als Solistin auf. „Das war sensationell, weil dort fast 800 Ausnahmetalente aus sieben Nationen auftrumpften – allesamt Militärmusiker und Artisten“, erinnert sie sich. Darüber hinaus könne sie, obwohl sie noch Studentin sei, bereits mit dem sinfonischen Blasorchester des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr auf jährliche Konzertreise gehen oder in Kammerkonzerten und Big-Band-Konzerten spielen. Und das alles, ohne sich finanzielle Sorgen machen zu müssen. Denn in der Laufbahn der Musikfeldwebel bezieht sie von Anfang an ein Gehalt, für das sie sich allerdings auch als Soldatin auf Zeit für zwölf Jahre verpflichten musste. Diese Verpflichtung stört sie indes nicht, „weil ich ohnehin Berufssoldatin werden und mein ganzes Leben lang als Militärmusikerin bei der Bundeswehr bleiben möchte“.

So langfristig kann Sportsoldat Raphael Kandra nicht planen. „Wie lange wir Spitzensportler aus den Sportfördergruppen Soldaten auf Zeit bleiben, ist bei uns komplett leistungsabhängig“, erklärt der mehrfache Deutsche Einzelmeister im Squash. Er könne sich dennoch vorstellen, dauerhaft bei der Bundeswehr zu bleiben: „Da gibt es auch für ehemalige Sportsoldaten gute Perspektiven.“ Zumal die Armee erfahrungsgemäß „niemanden hängen lässt, der kameradschaftlich und respektvoll gewesen ist und sich obendrein als Sportler um Deutschland verdient gemacht hat“.