Privatschulen: Stipendien, Rabatte und Staffelbeträge - nur was für Reiche?

Privatschulen : Nur etwas für Reiche?

Aktuelle Studien zeigen, dass Privatschulen ebenso gesellschaftlich durchmischt wie staatliche Schulen sind.

Das Interesse an Privatschulen ist weiter gestiegen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes verzeichnen die Schulen in freier Trägerschaft für das Schuljahr 2017/2018 erneut Zuwachsraten. So erhöhte sich die Anzahl der Schüler an den allgemein- und berufsbildenden Privatschulen um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt lernen 757.263 Schüler an einer allgemeinbildenden und 239.960 Schüler an einer berufsbildenden Privatschule. Jeder elfte Schüler in Deutschland besucht demnach eine Schule in freier Trägerschaft.

Privatschulen in Deutschland bilden eine heterogene Schülerschaft ab und sind nicht nur reichen Eltern vorbehalten. Dies geht aus einer Analyse des DIW Econ hervor. Rund 14 Prozent der Privatschulhaushalte verfügen über maximal 2000 Euro monatliches Nettohaushaltseinkommen. Der Anteil der Haushalte mit einem Einkommen zwischen 2000 und 6000 Euro liegt bei 71 Prozent. Dies entspricht nahezu der Einkommensverteilung an staatlichen Schulen. „Privatschüler sind keine selektive Gruppe“, erklärt Dietmar Schlömp, Bundesgeschäftsführer des Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. „Privatschulen sind gesellschaftlich durchmischt. Sie zeichnen sich nicht nur durch ihre pädagogischen Konzepte aus, sondern decken zum Teil auch das öffentliche Schulangebot ab.“

Die Schülerschaft an Privatschulen ausschließlich an den Einkommensverhältnissen der Eltern festzumachen, gebe ein falsches Bild der Privatschulen wieder. Kriterien wie das Schulklima, die Länge des Schulwegs oder die Betreuungszeiten in der Schule spielen für Eltern bei der Schulwahl für ihr Kind eine wichtige Rolle. „Das Betreuungsangebot von privaten Ganztagseinrichtungen gibt Eltern vielerorts erst die Möglichkeit, einer Teil- oder Vollzeitbeschäftigung nachzugehen“, betont Dietmar Schlömp.

Die Kosten für Privatschulen unterscheiden sich sehr aufgrund von Schulform oder Betreuungsangebot. In NRW handelt es sich bei den meisten Privatschulen um sogenannte Ersatzschulen. „Sie erhalten einen Landeszuschuss von 85 Prozent der Kosten einer vergleichbaren staatlichen Schule“, erklärt Petra Stieb, stellvertretende Geschäftsleitung des Verbands Deutscher Privatschulen Nordrhein-Westfalen e.V. Bei Stellung der Schulgebäude und der Schulausstattung erhöht sich dieser Prozentsatz auf maximal 94 Prozent, für Förderschulen gelten Besonderheiten.

„Die Bezuschussung beinhaltet jedoch nicht solche Kosten, die bei einer staatlichen Schule angeblich nicht anfallen, wie Personalkosten für einen kaufmännischen Geschäftsführer, Marketingkosten oder Pflege von Grünanlagen“, betont Stieb. Den Differenzbetrag zum staatlichen Zuschuss hat die Schule aufzubringen. „Fördervereine rechnen häufig mit Elternbeiträgen bis zu 180 Euro im Monat, das ist aber von Schule zu Schule unterschiedlich und variiert teilweise je nach Alter der Kinder.“ Zudem gibt es auch Schulen, die auf den Einsatz der Eltern setzen und den Förderbeitrag niedrig halten.

Bei sogenannten Ergänzungsschulen müssen die Kosten zu 100 Prozent selbst aufgebracht werden. „Die Kosten für ein Schulkind an einer allgemeinbildenden öffentliche Schule in Nordrhein-Westfalen lagen laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2016 bei 6800 Euro“, weiß Petra Stieb. „Entsprechend starten auch die monatlichen Gebühren für den Besuch einer anerkannten allgemeinbildenden Ergänzungsschule ungefähr bei rund 550 Euro und reichen bis in den hohen dreistelligen Bereich.“

Bei Zusatzleistungen wie Freizeitangeboten, Verpflegung oder Internatsunterbringung kommen weitere Kosten hinzu. Dafür verfügen Ergänzungsschulen zumeist über kleine Klassen, in denen die Schüler besonders individuell betreut werden. Eltern können zudem einen Teil des Schulgelds an einer Privatschule steuerlich absetzen. Sie dürfen 30 Prozent des Schulgelds, höchstens aber 5000 Euro je Kind im Jahr als Sonderausgaben geltend machen.

Um soziale Härten zu vermeiden und möglichst allen den Schulbesuch zu ermöglichen, gibt es an vielen Schulen in freier Trägerschaft Stipendien, Geschwisterermäßigungen oder einen nach dem Einkommen der Eltern gestaffelten Beitrag. „Hier sollte man bei der ins Auge gefassten Schule nachfragen“, rät Petra Stieb. Zudem entstehen mehr und mehr gemeinnützige Stiftungen. „Einige von ihnen unterstützen Kinder in besonderen Lebenslagen, auch hier lohnt die Suche, zum Beispiel in der Liste des NRW-Innenministeriums.“ In sozialen oder gesundheitlichen Härtefällen springt auch das Jugendamt ein und übernimmt die Kosten für eine Privatschule. Die Privatschulen beraten Eltern, für die dieses Modell infrage kommt.

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