Zukunft KI schafft neue Berufsbilder

Künstliche Intelligenz ist als Job-Killer verschrien. Obwohl durch die Technologien im KI-Bereich zahlreiche neue Berufe entstehen. Der Prompt Engineer ist nur ein Beispiel dafür.

 Künstliche Intelligenz übernimmt zwar Arbeiten, sie schafft aber für die Menschen auch neue Aufgaben und damit sogar ganz neue Jobs.

Künstliche Intelligenz übernimmt zwar Arbeiten, sie schafft aber für die Menschen auch neue Aufgaben und damit sogar ganz neue Jobs.

Foto: obs/Westend61

Manuela Hennig begeistert sich schon seit Langem für eine philosophische Frage: „Was ist Intelligenz und was ist Bewusstsein?“ Damit habe sie sich bereits in der 1990er- Jahren beschäftigt, verrät die gebürtige Dresdnerin. Geprägt habe sie ein Buch, das 1994 erschien: „Eine schöne neue Welt? Die aufregende Geschichte der künstlichen Intelligenz“. Dieses Sachbuch des kanadischen Unternehmers und KI-Forschers Daniel Crevier habe sie sich mehrfach ausgeliehen. „Zu dieser Zeit waren es für mich jedoch eher abstrakte Modelle.“

Heute sind künstliche Intelligenzen für die dreifache Mutter nichts Abstraktes mehr: Sie verdient ihr Geld damit – in einem Job, den es vor einigen Jahren noch nicht gab. Denn Hennig, die früher Texterin war, arbeitet seit knapp einem Jahr als einer von zwei Prompt Engineers für das Hamburger Start-up Neuroflash – ein Unternehmen, das sich innerhalb weniger Monate den Ruf erworben hat, mit seiner KI-gestützten Software die besten Texte im deutschsprachigen Raum zu generieren. Und geht es nach Mitgründer Henrik Roth, werden Hennig und ihr Kollege nicht die einzigen Prompt-Ingenieure bleiben: „Wir sehen im Prompt Engineering und Data-Science-Bereich eine große Nachfrage“, sagt der Geschäftsführer, der sich sicher ist, mit der Neuroflash-KI eine international konkurrenzfähige Software entwickelt zu haben.

Dieses Content-Tool brauche Eingaben, erklärt Manuela Hennig. Das seien die sogenannten Prompts. Von einer Fütterung der KI, die bei Neuroflash „magische Feder“ heißt, möchte die studierte Philosophin aber nicht sprechen: „Die KI wird nicht gefüttert, sondern gelenkt.“ Wie lange die 46-Jährige das hauptberuflich tun kann, wisse sie nicht. Denn ihr Job sei zwar ein Paradebeispiel für einen Beruf, den es nur dank KI gebe. Er könne aber „ebenso schnell wieder verschwinden, wie er aufgetaucht ist“. Sorgen mache ihr das nicht: „Dann werden neue Aufgabenfelder entstehen.“

Diese Meinung vertritt auch der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Steffen Schmidt vom LINK Institut, dem führenden Schweizer Markt- und Sozialforschungsunternehmen, das KI seit Jahren gezielt in der Praxisforschung einsetzt. Schmidt, der an der Leibniz Universität Hannover studiert hat, ist überzeugt davon, dass künstliche Intelligenz gerade einen neuen Typus von Arbeiter erschafft. Diesen „Blank Collar“-Arbeiter kennzeichne nicht mehr „individuelles Fachwissen als Mikrokompetenz eines einzelnen Arbeiters“, sondern das Denken in Systemen als Metakompetenz. Auf dieser höheren Meta-Ebene würden Umfelder für neue Jobs entstehen. Denn man brauche zunehmend Informationsmanager auf der einen und Aktionsmanager auf der anderen Seite. Die Informationsmanager seien analytische Wissens- und Robotik-Ingenieure, die als Programmierer „Algorithmen und intelligente Systeme dazu bringen, immer bessere Prognosen und Empfehlungen auszuarbeiten“. Ihre Arbeit liefere den Input für die andere Seite, auf der sich die Maschinen- und Bot-Manager befänden. Diese seien „eine Art Vermittler zwischen Menschen und KI-Systemen“ und hätten die Aufgabe, „die Aktionen von KI-Systemen zu überwachen und zu steuern, um sicherzustellen, dass sie im besten Interesse des Unternehmens handeln“. In der Arbeitswelt gehe es folglich immer mehr darum, „wer in der Lage ist, KI-Systeme zu gestalten und zu kon-
trollieren“. Eine Herausforderung, die auch aus Sicht von Holger Lütters, Professor für Internationales Marketing an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, zum Job-Generator wird. Wobei es den Bedarf an KI-Experten im Marketing schon seit vielen Jahren gebe. „Nun jedoch zieht sich der Bedarf an solchen Fachkräften in rasantem Tempo quer durch alle Branchen.“

Angst haben müsse man vor dieser Entwicklung nicht. Im Gegenteil: „Jobs, die man nicht mehr braucht, hat es schon immer gegeben.“ Künstliche Intelligenz werde helfen, „ersatzweise neue Arbeitsfelder zu schaffen“. Je früher sich Menschen und Unternehmen darauf einstellen würden, „umso schneller können sie von diesem Trend profitieren.“

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