Tipps Das Weihnachtsgeld richtig einsetzen

Düsseldorf · Ende des Jahres sieht die Gehaltsabrechnung bei vielen Beschäftigten gut aus. Denn dann wird oft das Weihnachtsgeld gezahlt. Wer das Extrageld klug ausgibt, kann einiges rausholen - und zwar trotz niedriger Zinsen.

Weihnachtsgeld richtig einsetzen
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November oder Dezember sind für viele Beschäftigte gute Monate - zumindest was den Kontostand anbelangt. Denn am Ende des Jahres zahlen viele Unternehmen Weihnachtsgeld. Einer Umfrage des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung zufolge bekommen gut 54 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland eine solche Jahressonderzahlung. Rund 15 Prozent erhalten demnach eine Gewinnbeteiligung, und 19 Prozent erhalten sonstige Sonderzahlungen.

Grundlage des Anspruchs ist in den meisten Fällen ein Tarifvertrag, der in aller Regel einen Prozentsatz zwischen 25 und 100 Prozent des Monatseinkommens nennt. Bei Tariferhöhungen steigt so auch das Weihnachtsgeld automatisch, aber es gibt auch Fix-Beträge. Doch egal, wie hoch die Sonderzahlung ist, jedes Jahr stellt sich für die Beschäftigten die gleiche Frage: Sparen oder ausgeben? Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt darauf an. "Das Geld sicher anzulegen, ist im Moment nicht so einfach", erklärt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. "In der derzeitigen Niedrigzinsphase können Sie oft bestenfalls gerade einmal die Inflationsrate ausgleichen."

Bei sicheren Geldanlagen wie Tagesgeldkonten ist derzeit nur wenig Rendite möglich. Mehr als 1,3 Prozent Zinsen bekommen Neukunden laut FMH-Finanzberatung derzeit jedenfalls nicht. Garantiert ist ein solcher vergleichsweise hoher Zinssatz zum Teil aber nur bis zum 31. Dezember. Mehr Zinsen gibt es bei Festgeldanlagen. Hier zahlen gute Anbieter bis zu 2,2 Prozent Zinsen (Stand: 11.11.14). Dann ist das Geld allerdings auch für drei Jahre fest gebunden. Scherflings Tipp lautet deshalb: "Lassen Sie das Weihnachtsgeld einfach erstmal auf ihrem Konto." Der Grund ist einleuchtend: Am Jahresanfang werden viele Versicherungsbeiträge fällig, zum Beispiel die Kfz-Versicherung. Wer dann im Januar ein komfortables Polster auf dem Girokonto hat, kann die Beiträge zahlen, ohne ins Minus zu rutschen.

Eine jährliche Zahlungsweise hat bei langfristigen Versicherungspolicen nach Ansicht des Verbraucherschützers ohnehin einen entscheidenden Vorteil: Sie ist billiger. Denn wer seine Beiträge für Auto- oder Lebensversicherung monatlich, viertel- oder halbjährlich bezahlt, muss mit einem Aufschlag zwischen drei bis fünf Prozent rechnen. "Fragen Sie deshalb im Zweifel nach, ob eine Umstellung möglich ist", rät der Scherfling. "Denn viele Versicherungen begleiten Sie über einen langen Zeitraum."

Für Immobilienbesitzer hat Manuel Peiffer, Portfoliomanager bei der Vermögensberatung GVS Financial Solutions in Dreieich, einen anderen Tipp: "Wer einen Kredit abbezahlt, kann das Geld zur Sondertilgung einsetzen." Auch hier können Sparer deutlich mehr rausholen als mit einer Anlage auf einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto.

"Die Darlehenszinsen sind in der Regel deutlich höher als die Sparzinsen", erläutert der Finanzexperte. Wer seine Außenstände schneller los ist, spart sich die hohen Kreditzinsen. Schuldentilgung kann finanziell also die bessere Form der Geldanlage sein. "Wie viel Sondertilgung möglich ist, hängt immer vom jeweiligen Vertrag ab", sagt Peiffer. In der Regel können einmal pro Jahr bis zu 5 Prozent der Darlehenssumme zusätzlich getilgt werden. Wer seine Versicherungsbeiträge gezahlt und seine Schulden getilgt hat, kann sein Weihnachtsgeld oder Jahresbonus aber dennoch gewinnbringend anlegen. "Wenn Sie das Geld eine Weile nicht brauchen, können Sie auch in Aktien investieren", rät Stephan Witt von der Finum Private Finance AG in Berlin.

Der Anlagehorizont spielt hierbei allerdings eine wichtige Rolle. Aktienkurse schwanken schließlich im Wert. Über die Jahre gleichen sich Verluste aber oft wieder aus, wie Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zeigen: Angenommen, ein Anleger investierte 2010 in den deutschen Aktienindex Dax. Verkaufte er die Wertpapiere Ende 2011 wieder, machte er einen Verlust von 14,7 Prozent. Verkaufte er die Aktien aber erst Ende 2012, lag seine jährliche Rendite schon wieder bei 4,9 Prozent. Hält der Anleger die Aktien immer noch, liegt seine jährliche Rendite inzwischen bei 9,2 Prozent.

Dabei müssen Anleger nicht unbedingt Einzelaktien kaufen. Sie können ihr Weihnachtsgeld auch in einen Fonds investieren. Für Einsteiger geeignet sind etwa passive börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs. Ihr Vorteil gegenüber gemanagten Fonds: Sie sind kostengünstiger, weil der Ausgabeaufschlag meist wesentlich geringer ist und eine Gebühr für einen Fondsmanager in der Regel nicht anfällt.

Unerfahrene Anleger sollten dabei besser marktbreite ETFs wählen, die das Geld der Anleger weltweit in verschiedene Branchen und Unternehmen investieren. Denn hier ist das Risiko durch die breite Streuung gemindert. Der MSCI World Index etwa enthält Wertpapiere von rund 1600 Unternehmen. Aber auch mit aktiv gemanagten Fonds kann das Weihnachtsgeld vermehrt werden. "Bei manchen aktiv gemanagten Aktienfonds ist eine Rendite von 6 Prozent durchaus möglich", sagt Stephan Witt. "Und zwar nach Abzug der Kosten."

(dpa)
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