„War ok“ reicht nicht Wie man im Job richtig lobt

Saarbrücken/Hamburg · Lob ist nicht gleich Lob. Das gilt auch im Job. Welche Fallstricke lauern, wann ein Lob sogar nach hinten losgehen kann – und wie Führungskräfte und Kollegen es richtig angehen.

Fällt die Kritik immerzu schroff aus, fühlen sich manche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schnell unwohl.

Fällt die Kritik immerzu schroff aus, fühlen sich manche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schnell unwohl.

Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Auch wenn es schade ist: Jemanden zu kritisieren, fällt manchmal leichter, als jemanden zu loben. Und in etlichen Unternehmen wird auch heute noch nach dem Motto verfahren: „Nicht geschimpft ist genug gelobt“, beobachtet die Hamburger Karriereberaterin Ragnhild Struss. „Ein grober Fehler“, so die Einschätzung der Arbeitspsychologin.

Schließlich kann ein wertschätzendes Betriebsklima positiven Einfluss auf den Krankenstand haben, auf die Fluktuation, die Zufriedenheits-Wahrnehmung, die Gesundheit - und nicht zuletzt auch auf die Leistung der Mitarbeiter. Studien haben ergeben, dass wirksames Lob die Produktivität um 20 Prozent steigert.

Kein Wunder: „Wir sind soziale Wesen, wir sind angewiesen auf die Rückmeldung des Umfeldes. Und der Arbeitsplatz ist der ideale Ort, um Respons für die eigene Leistung zu bekommen“, sagt der Saarbrücker Wirtschaftspsychologe Andreas Hemsing.

Spezifisches Lob ist besser

Wie aber lobt man richtig? „Nur mal eben nebenbei „war gut“ zu sagen, kannst du knicken“, so Hemsing. Ein ehrliches Lob sei stattdessen immer sehr personenbezogen, sehr situativ und sehr konkret. Es beschreibt, was der eigentliche Erfolg der Tätigkeit ist - und verbindet das mit der Person selbst.

Ein generelles Lob wie „toll gemacht“ hat Ragnhild Struss zufolge dann auch nicht viel Wert. Besser sei es, beim Loben auf die individuellen Arbeitsbereiche, Eigenschaften und Fähigkeiten einzugehen, rät die Karriereberaterin. So könnte man beispielsweise sagen: „Durch den strukturierten Aufbau der Präsentation wird man toll durchs Thema geführt - und mir ist aufgefallen, wie stimmig die Verbindung von Bild und Text gelungen ist.“ Oder: „Ich schätze die Sorgfalt, mit der du die neue Kollegin eingearbeitet hast und mit welcher Empathie du dich an der gestrigen Diskussion beteiligt hast.“

Außerdem wichtig: „Lob kommt nur an, wenn es authentisch ist - und nicht aus strategischen Gründen eingesetzt wird“, sagt Ragnhild Struss. Und auch wer lobt, spielt Andreas Hemsing zufolge eine Rolle: „Damit Lob wirksam wird, muss es von einer Person kommen, die ich für relevant halte, die eine Form von Anerkennung erfährt von meiner Seite.“ Das muss nicht immer der oder die Vorgesetzte sein. Kolleginnen und Kollegen, denen man eine bestimmte Kompetenz und Reflektiertheit zuschreibt, kommen ebenfalls infrage.

Gar nicht selten komme es jedoch vor, dass bei Mitarbeitern das Lob nicht wirklich als solches ankommt, weil sie dem anderen nicht die erforderliche Befähigung oder Ehrlichkeit zuschreiben, so Hemsing. „Dann verpufft das Lob nicht nur, sondern es bewirkt sogar das Gegenteil.“ Die Betroffenen reagierten mit Skepsis und Ablehnung.

Lob für Äußerlichkeiten lieber vermeiden

Und noch etwas kann man falsch machen: Lob aussprechen, das gar nichts mit der Arbeit zu tun hat. „Selbstverständlich darf man auch mal das Outfit einer Kollegin lobend erwähnen“, sagt Struss. Doch gerade bei Kommentaren zu Aussehen, Figur, Kleidung oder Frisur ist generell Zurückhaltung gefragt. „Die Grenze zwischen professionellem Kontakt und unangemessenen Bewertungen ist fließend“, so die Karriereberaterin.

Fettnäpfchen lauern manchmal auch da, wo wir sie gar nicht erwarten. Wer keine wunden Punkte treffen möchte, sollte bei Lob und Anerkennung im Berufskontext also eher auf Kommentare zu Optik oder Stimmung verzichten.

Wie aber lässt sich eine gute Lob-Kultur im Betrieb oder im Team etablieren? „Das ist vor allem erst mal eine Haltung von Führungskräften gegenüber Mitarbeitern“, sagt Hemsing. Zudem gelte es, Instrumente zu schaffen, die auf sympathische Art und Weise Mitarbeiter und Führungskräfte regelmäßig in einen Dialog über ihre Leistung bringen. Die klassischen Jahresgespräche reichen da zwar nicht aus - sie können aber ein Anfang sein, um einen regelmäßigen Austausch über die gegenseitige Wahrnehmung zu führen.

Loben kann man üben, Lob bekommen auch

Ragnhild Struss empfiehlt eine Übung, die man in Teams durchführen kann: Drei oder vier Personen setzen sich im Kreis zusammen und sprechen wertschätzend und wohlwollend über eine weitere anwesende Person aus dem Team.

Auf diese Weise öffnet jeder den Blick für das Positive an seinem Gegenüber. Und man lernt, den Fokus auf das zu richten, was gut funktioniert, was man am anderen bewundernswert findet oder welche Verhaltensweisen man sich zum Vorbild nehmen kann. „Derjenige, der gelobt wird, erfährt nicht nur das schöne Gefühl gesehen und geschätzt zu werden“, sagt die Karriereberaterin. „Er oder sie erweitert auch den Blick auf sich selbst, der oft genug leider eher defizitär ist.“

Bleibt noch eine Frage: Wie reagiert man überhaupt souverän, wenn man von einem Kollegen oder einer Vorgesetzten ein ehrliches Lob bekommt? Schließlich ist nicht nur das richtige Loben manchmal gar nicht so einfach. Auch Lob zu bekommen, kann zunächst ungewohnt sein.

Dann zu sagen „kein Ding“ oder „ist doch selbstverständlich“ sind allerdings nicht die besten Optionen. „Zu kokettieren und sich dabei kleinzumachen, das haben Menschen nötig, die dadurch noch eine Verstärkung erreichen wollen“, sagt Andreas Hemsing. „Sich einfach zu bedanken, reicht vollkommen.“

(zim/dpa)
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