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Familie und Beruf - geht das wirklich?

Rezension "Die alles ist möglich-Lüge" : Familie und Beruf - geht das wirklich?

Die Berufstätigkeit von Müttern galt mehr als ein Jahrzehnt als das Top-Thema der Familienpolitik. Nun haben zwei Journalistinnen, beide Mütter zweier Söhne, ein Buch verfasst, in dem sie die Glaubensbekenntnisse der Familienpolitik polemisch gegen den Strich bürsten. Der Titel: "Die alles ist möglich-Lüge", der provokante Untertitel: "Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind."

Die Autorinnen, Susanne Garsoffky und Britta Sembach, räumen in der Einleitung freimütig ein, dass sie selbst an dem Lebensentwurf, einen anspruchsvollen Job mit zwei Kindern zu vereinbaren, gescheitert sind. Die beiden sparen nicht an Selbstkritik. Alle anderen bekommen in dem unterhaltsam geschriebenen Buch auch ihr Fett weg.

Ihre Kapitel teilen sie in fünf "Vereinbarkeits-Lügen" ein. Unter der Überschrift, "Ich arbeite, also bin ich" greifen sie das gesellschaftliche Leitbild an, wonach sich viele Menschen über ihren Job definieren. Die Autorinnen plädieren für eine bessere Anerkennung von Fürsorge für andere. An mehreren Stellen problematisieren sie auch die emotionalen Schwierigkeiten berufstätiger Mütter. "Und erst auf dem Weg nach Hause die Angst, ob auch alles geklappt hat mit der neuen Kinderfrau, und die Trauer darüber, dass der Nachwuchs schon wieder schläft, wenn man endlich die Tür aufmacht", heißt es an einer Stelle.

Eine weitere "Lüge", die entlarvt werden soll, ist die Rolle des modernen Mannes, der ebenso in der Alles-ist-möglich-Falle sitze. Von ihm werde finanzielle Stabilität der Familie erwartet, zugleich soll er sich um Haushalt und Kinder kümmern.

Die Autorinnen gehen auch mit der widersprüchlichen Familienpolitik der vergangenen Jahre ins Gericht. Während mit Ehegattensplitting und beitragsfreier Familienmitversicherung weiter Anreize für ein traditionelles Rollenmodell gesetzt würden, lässt das neue Scheidungsrecht diejenigen unversorgt, die sich auf Jobverzicht und die Rolle der Fürsorge einlassen.

Ein Patentrezept bieten Garsoffky und Sembach nicht. Am Ende fordern sie mehr Möglichkeiten für eine berufliche "On-Off-Biographie", die längere Familienphasen für Kinder oder Pflege zulässt.

Susanne Garsoffky, Britta Sembach: Die alles ist möglich-Lüge, Pantheon, 17,99 Euro

(qua)