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Ein Studiengang eröffnet fleißigen Bloggern neue Job-Aussichten.

Socialmedia : Influencer als Sinn-Stifter in der Krise

Bei der Vermittlung gesellschaftsrelevanter Themen spielen die digitalen Kanäle heutzutage eine wichtige Rolle. Ein neuer Studiengang eröffnet fleißigen Bloggern zusätzliche Qualifikationen und Jobs in der Unternehmenskommunikation.

In Zeiten von kritischen Veränderungen in der Gesellschaft stehen Influencer besonders im Fokus. Ob Greta, Rezo oder Fridays for Future – viele von ihnen haben vor langer Zeit bereits den Mut bewiesen und etwas ausgesprochen, was andere schon lange dachten, aber nicht zu sagen wagten. „Damit wir Positives bewegen können, brauchen wir eine ehrliche Kommunikation, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht und sich gleichzeitig seiner Verantwortung bewusst ist“, erklärt Catharina Enderlein, Leiterin der Düsseldorfer Brand Identity & Purpose Agentur meet MOMENTUM. Sie analysiert im Auftrag von Firmen und Institutionen, welche individuellen Sinn-Themen es im jeweiligen Unternehmen gibt und wie diese sich in den gesellschaftlichen Rahmen einfügen. Auf dieser Basis werden wichtige Inhalte definiert, die in den Fokus gerückt sowie aktiv und echt umgesetzt werden können.

„Jetzt in der Krise zeigt sich, wie wichtig das Miteinander ist“, betont Enderlein. „Es wird darum gehen, Kräfte schnell und effizient zu bündeln, um komplexe Probleme neu zu erschließen. Gut ausgebildete Influencer spielen durch ihre hohe Digital-Kompetenz neben Ethikern und anderen Experten dabei eine entscheidende Rolle.“

Gesellschaftsrelevante Themen sind derzeit Menschlichkeit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Eine wichtige Möglichkeit, nachhaltige Werte erlebbar zu machen, sind neben flexiblen Arbeitsmodellen oder Plastikreduktion auch Firmengebäude, die ökologisch geplant sind oder ressourcenschonende Materialien wie Holz oder grüne Flächen miteinbeziehen. „Die Basis für die erfolgreiche Kommunikation ist, dass die Unternehmen an Glaubwürdigkeit gewinnen, weil Haltung und Verhalten echt und authentisch sind“, sagt Enderlein. „Nur so kann der kritische Endkunde überzeugt werden.“

Viele Firmen setzen bei der Umsetzung auf Influencer. „Diese werden jedoch bisher oftmals erst spät in die Kampagne involviert oder produktbezogen eingebunden. Dabei könnten sie bereits im Vorfeld unterstützen als Consultant, Social-Media-Berater, Content-Creater oder Botschafter und Sinn-Stifter für Themen mit Mehrwert“, meint Enderlein. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee zum Studiengang Influencer-Consultant. „Dieser soll sogenannte Sinnfluencern ausbilden“, bringt es Initiatorin Catharina Enderlein auf den Punkt. Das einjährige Studium findet in Kooperation mit der Düsseldorfer Akademie für Marketing und Kommunikation statt und soll im Sommer erstmals angeboten werden.

Zugelassen sind Influencer, die im persönlichen Bewerbungsgespräch ausgewählt werden. Geplant sind Seminare zu Themen wie „Content-Creation um Klima, Umwelt und Wetter“, „Sinnfluencing in der Unternehmenskrise“ oder Kurse dazu, wie gesellschaftsrelevante Themen sinnvoll in die Unternehmenskommunikation eingebracht werden können. Dazu gibt es einen Dozentenpool mit ersten Sinnfluencern, Ethikexperten und Ansprechpartnern aus der Wirtschaft. Klassische Themen wie Storytelling oder Public Relation werden vermittelt, ein achtwöchiges Trainee-Programm sorgt für den nötigen Praxisbezug, dazu ist ein Mentorenprogramm geplant. Absolventen erhalten den Titel Influencer-Consulting-Expert.

Catharina Enderlein widmet sich bereits seit vielen Jahren dem Vorhaben, mehr „Sinn und Wert“ in den Fokus der Gesellschaft zu rücken und vor diesem Hintergrund unter anderem Unternehmen mit Sinnfluencern zu verknüpfen. Vor kurzem rief sie mit „Sinn-Flut“ eine unabhängige Symposiumsreihe ins Leben, die gesellschaftliche Themen unterschiedlichster Branchen behandelt. Bei der ersten Podiumsdiskussion wurde mit führenden Wirtschafts- und Wissenschaftsexperten, Influencern und Kommunikatoren analysiert, wie Influencer ihre Stimme für gesellschaftsrelevante Themen nutzen können und was das für die Kommunikation und Handlungsweisen von Unternehmen bedeutet. „Die Idee entstand aus der täglichen Arbeit in der Kommunikationsberatung heraus“, sagt Enderlein. „Hier stehe ich mit verschiedenen Interessensgruppen aus Wirtschaft und Wissenschaft in Verbindung und habe den Bedarf für einen Austausch und Dialog zwischen den Welten gesehen.“ Insgesamt vier Termine hat sie pro Jahr sind geplant.