Der Beruf Jäger hat viel mit Waldpädagogik zu tun

Berufsporträt : Jäger halten die Natur im Gleichgewicht

Revierjäger machen weit mehr als mit dem Gewehr durch den Wald zu laufen. Der Beruf wandelt sich: Wild- und Waldpädagogik werden immer wichtiger.

Frühmorgens bei Sonnenaufgang auf dem Ansitz Tiere beobachten: Solche Momente gehören zu den schönsten in seinem Beruf, erzählt Yannick Wachholz, der eine Ausbildung zum Revierjäger absolviert. Wer von Beruf Jäger ist, sorgt in Jagdrevieren für die Gesundheit und Artenvielfalt des Wildbestandes, versorgt Tiere im Winter mit Futter, erkennt Krankheiten und reguliert den Wildbestand.

90 bis 95 Prozent der Aufgaben von Jägern hätten jedoch nichts mit dem Erlegen von Tieren zu tun, erklärt Revieroberjäger Christian Symens, Ausbilder an der Jagdschule Emsland. „Ein bisschen mit der Büchse in der Hand durch den Wald gehen – das ist es nicht“, sagt auch Oberstudienrat Jens Hepper, an den Berufsbildenden Schulen II in Northeim (Niedersachsen) zuständig für die Ausbildung zum Revierjäger. Es sei vielmehr ein Beruf mit viel Verantwortung. Überraschend sei für einige Auszubildende, dass es auch um Pflanzenökologie geht. „Ich sage immer: Am Ende der Ausbildung kennen Sie 250 Pflanzen, von denen Sie jetzt noch nichts wissen“, sagt Hepper.

Zu den Aufgaben von Jägern gehört es auch, die geschossenen Tiere zu zerlegen und das Wildbret für den Verkauf vorzubereiten. Yannick Wachholz hat da keine Berührungsängste. Auch sein Vater und Onkel sind Jäger. Einem Tier das Leben zu nehmen, sei aber ein großer Schritt, betont er: „Dessen sollte man sich immer bewusst sein.“ Besonders viel Freude bereiten dem Azubi Aufgaben wie das Anlegen von Blühstreifen: „Wenn das Wild sie hinterher annimmt, sehe ich, dass sich die Arbeit lohnt.“ Ein Schreibtischjob sei für ihn nie infrage gekommen. „Der Drang, draußen in der Natur zu arbeiten, ist bei mir eigentlich schon immer da.“

Berufsschulen für angehende Revierjäger gibt es in Northeim und in Bayern. Dort absolvieren die Auszubildenden das erste Lehrjahr, bevor es in die Betriebe geht. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung haben in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 30 und 40 junge Menschen eine Ausbildung zum Revierjäger begonnen. Wer den Beruf ausüben will, müsse bereit sein, sich auch unangenehmen Dingen zu stellen, betont Berufsschullehrer Hepper. Bei Wildunfällen etwa seien Jäger zur Nachsuche verpflichtet, um das verletzte Wild zu finden – auch, wenn sie dafür bei Minusgraden durch einen Fluss waten müssen.

2018 wurden an der Berufsfachschule in Northeim zum ersten Mal zwei Berufsschulklassen aufgemacht. Das liege an der Vielzahl der motivierten Bewerber – aber auch daran, dass Jäger auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden. „Wildtiere bereiten in Deutschland immer mehr Probleme – sowohl in der Land- und Forstwirtschaft als auch im urbanen Bereich“, sagt Hermann Wolff.

Während Jäger früher vor allem für private Revierpächter arbeiteten, fänden diese nun häufiger Jobs in der Aus- und Weiterbildung und im öffentlichen Bereich – etwa bei Landesforsten oder in Nationalparks. Auch der Umgang mit Großraubwild gehört zum Beruf. „Das Thema Wolf und Luchs wird uns in den nächsten Jahren nicht mehr loslassen“, betont Wolff.

Bei Notfällen müssen Jäger stets zur Stelle sein. Mit einer 40-Stunden-Woche sollten sie deshalb nicht rechnen, sagt Wolff. Die Bezahlung liege bei Berufsanfängern zwischen 2600 und 2800 Euro brutto monatlich.

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