Filmproduzent Die wichtigste Person vor dem ersten Drehtag

Berlin · In einem Kinofilm steckt viel Arbeit – und nicht nur Regie und Schauspielerei. Filmproduzenten wie Florian Koerner von Gustorf leisten einen großen Beitrag dazu: Ohne sie kämen die Projekte gar nicht zustande.

 Filmproduzent Florian Koerner von Gustorf kümmert sich unter anderem um die Finanzierung und erstellt den Drehplan.

Filmproduzent Florian Koerner von Gustorf kümmert sich unter anderem um die Finanzierung und erstellt den Drehplan.

Foto: dpa-tmn/Klaus-Dietmar Gabbert

Bei einer Filmproduktion stehen vor allem die Regisseure und Schauspieler im Rampenlicht. Die Filmproduzenten sind in der Öffentlichkeit oft weniger präsent. Dabei sind sie es, die eine Produktion vom Anfang bis zum Ende begleiten – und dafür sorgen, dass der Film überhaupt zustande kommt.

Florian Koerner von Gustorf leitet in Berlin mit zwei Kompagnons die Produktionsfirma Schramm Film Koerner Weber Kaiser und erzählt, wie er zu seinem Beruf gekommen ist und wie oft er Überzeugungsarbeit leisten muss.

Mein Weg in den Job

Meine Arbeit beim Film begann als Beleuchter bei Studentenfilmen. Diese Jobs haben mich dazu inspiriert, mich gemeinsam mit meinem Kompagnon Michael Weber 1990 als Filmproduzent selbstständig zu machen. In der Anfangsphase verlief das nach dem Grundsatz „Learning by doing“. Wir sind durch praktische Arbeit in die Tätigkeit hineingewachsen.

Man muss als Filmproduzent nicht zwingend auf selbstständiger Basis arbeiten. Nach meinem Dafürhalten sind jedoch die Selbstständigen die echten Produzenten.

Wie mein Alltag aussieht

Die Aufgabe des Filmproduzenten ist es, Geld und Kreativität zusammenzubringen und in Balance zu halten. Unsere Arbeit ist eine Mischung aus Organisation und Kommunikation. Dabei versuchen wir, in Absprache mit den Regisseuren, die Projekte so gut wie möglich finanziell und personell auszustatten. Wir suchen die Motive, an denen gedreht wird, und erstellen den Drehplan, eine Übersicht, welche Szene wo und an welchem Tag gedreht wird. Wir begleiten die Filmentstehung und geben unseren Input. Nicht nur was das Finanzielle, sondern auch was das Künstlerische angeht.

Mit welchen Klischees mein Beruf behaftet ist

Beim Wort Filmproduzent fällt den meisten Glamour, Hollywood und viel Geld ein. Die Realität sieht jedoch anders aus. Zumeist ist es in Deutschland und Europa nur mit Subventionen möglich, einen Film zu produzieren. Das heißt, es muss ein Fernsehsender als Partner gefunden werden und der Produzent beantragt Filmförderung beim Bund und in den Bundesländern, in denen gedreht wird. Doch es gibt immer mehr Anträge als Fördermittel und die Mittel sind begrenzt. Es ist ein langwieriger Prozess, an die nötigen Gelder zu kommen.

Wir produzieren Filme für das Arthouse-Kino und verfolgen einen künstlerischen Anspruch, sind wirtschaftlich eher kleiner aufgestellt und deswegen für die größeren Produktionshäuser nicht wirklich interessant. Mit der Herstellung lässt sich unter dem Strich aber überschaubar Geld verdienen. Insgesamt muss man sagen, dass es nur wenige Filme gibt, die mehr einspielen, als sie gekostet haben.

Glamourös à la Hollywood ist unser Job bei den Festivals wie der Berlinale. Es ist ein wirklich tolles Gefühl, wenn man den Film einem großen Publikum präsentieren kann. Daneben ist die Filmproduktion vom ganz normalen Alltag geprägt.

Die Herausforderungen

Die größte Herausforderung im Filmproduzenten-Job ist zweifelsohne die Finanzierung einer Produktion. Der Wettbewerb ist groß und die Anzahl der Projekte riesig. Deshalb muss ich gegenüber potenziellen Geldgebern viel Überzeugungsarbeit leisten, dass unsere Projekte gut und förderfähig sind. Dabei ist es auch wichtig, die richtigen Partner zu finden: Wer verleiht den Film in den Kinos, wer verkauft ihn weltweit?

Die schönen Seiten als Filmproduzent

Auch nach vielen Jahren macht es immer noch großen Spaß, Filme zu planen und zu organisieren. Manchmal braucht man verstärktes Durchhaltevermögen, denn nicht immer klappt alles problemlos. Aber wenn es gut läuft und der Film zum Beispiel auf einem Festival einen Preis gewinnt, macht das den Job einzigartig und liebenswert. Doch das Wichtigste ist, bescheiden zu bleiben und sich nur das vorzunehmen, was man auch wirklich machen will.

(dpa/tmn)
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