Familie bleibt Frauensache Bei zwei Drittel der Paare arbeitet Papa Vollzeit und Mama Teilzeit

Düsseldorf · Traut man modernen, gesellschaftlichen Maßstäben, ist Care-Arbeit längst keine reine Frauenaufgabe mehr. Doch die offiziellen Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Ob die Geburt eines Kindes für Frauen einen Einschnitt in die Karriere bedeutet, ist zumindest teilweise Individualentscheidung. Ein Blick in die Zahlen verrät allerdings, dass sich bei gemischtgeschlechtlichen Elternpaaren nach wie vor eine deutliche Tendenz abzeichnet.

Ob die Geburt eines Kindes für Frauen einen Einschnitt in die Karriere bedeutet, ist zumindest teilweise Individualentscheidung. Ein Blick in die Zahlen verrät allerdings, dass sich bei gemischtgeschlechtlichen Elternpaaren nach wie vor eine deutliche Tendenz abzeichnet.

Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Immer mehr Mütter minderjähriger Kinder sind erwerbstätig. Das bestätigt ein Blick in die Zahlen, die das Statistische Bundesamt mithilfe von Ergebnissen des Mikrozensus ermittelt hat. Während 2005 noch 60 Prozent der Mütter berufstätig waren, ist die Zahl im Jahr 2022 auf 69 Prozent gestiegen. Bei den Vätern ist der Wert ebenfalls gestiegen und liegt jetzt bei 92 Prozent.

Die Zahl der Haushalte, in denen ausschließlich der Vater berufstätig ist, sind von 34 auf 26 Prozent zurückgegangen. Mütter, die allein für das Familieneinkommen aufkommen, gibt es allerdings kaum - zwischen 2005 und 2022 ist der Wert von fünf auf drei Prozent gesunken.

Mütter minderjähriger Kinder arbeiten oft in Teilzeitstellen

Bei zwei Drittel (66 Prozent) der gemischtgeschlechtlichen Paare mit minderjährigen Kindern waren 2022 beide Elternteile erwerbstätig, das ist eine Steigerung um zwölf Prozent im Vergleich zu 2005. Doch hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahlen: Bei 65 Prozent dieser Paare arbeitete der Vater in Vollzeit und die Mutter in Teilzeit. Damit trägt der Vater nach wie vor in dem Großteil der Familien den Hauptteil des Familieneinkommens bei. Im Vergleich zu 2005 hat sich demnach verhältnismäßig wenig verändert, der Wert ist lediglich um vier Prozent gesunken.

Dass andersrum die Mutter in Vollzeit und der Vater in Teilzeit arbeitet, kommt mit zwei Prozent sehr selten vor. Bei etwa 27 Prozent der Paare arbeiteten 2022 beide Partner mit minderjährigen Kindern in Vollzeit, bei fünf Prozent beide in Teilzeit.

Elternzeit nach wie vor überwiegend von Frauen beantragt

Eine weitere Statistik von Destatis zeigt, dass die gesetzlich geregelte Elternzeit 2022 überwiegend von Frauen beansprucht wurde. Während im vergangenen Jahr mit 45,2 Prozent fast die Hälfte aller Mütter mit einem Kind unter drei Jahren die Elternzeit beanspruchte, nahmen nur drei Prozent der Väter die unbezahlte Freistellung nach der Geburt ihres Kindes wahr. Auch bei der Elternzeit für Kinder, die maximal sechs oder jünger sind, nahmen erheblich mehr Mütter die Elternzeit wahr. Mit 25,1 Prozent beanspruchte hier ein Viertel der Mütter die Elternzeit, allerdings nur 1,9 Prozent der Männer.

Die Studien des Statistischen Bundesamt zeigen, dass die Geburt eines Kindes heute nach wie vor bei Frauen deutlich mehr Einfluss auf die Erwerbstätigkeit nimmt, als bei Männern, da sie im Vergleich zu Männern häufig Elternzeit beanspruchen und danach in Teilzeit arbeiten. Dies hat selbstverständlich Auswirkungen auf die berufliche Entwicklung von Frauen, aber auch auf ihre soziale Situation. Durch Elternzeit und Teilzeit sinken die Rentenansprüche, Frauen sind daher besonders häufig von Altersarmut betroffen.

(hf)