Arbeitnehmer können Unternehmen im Internet bewerten

Employer Branding : Guter Eindruck dank Social Media?

Video-Einblicke in den Unternehmensalltag, Online-Bewertungen von Mitarbeitern oder Urkunden für den besten Arbeitgeber – im Netz können Bewerber mehr über Unternehmen erfahren. Doch nicht alles ist so echt, wie es scheint.

In Zeiten des Fachkräftemangels müssen sich Unternehmen als attraktive Arbeitgebermarke präsentieren. Im Rahmen dieses sogenannten „Employer Brandings“ haben auch soziale Medien wie Facebook, Instagram oder Youtube einen hohen Stellenwert. „Es sind generell alle Kanäle wichtig, die zum täglichen Nutzerverhalten der Zielgruppe gehören“, weiß Alexander Spanic, Geschäftsführer Kreation bei emplify aus Stuttgart. „So ist im Bereich der Kommunikation mit zukünftigen Auszubildenden Snapchat interessant, ältere Bewerber erreicht man eher über Facebook oder Business-Netzwerke wie XING und LinkedIn.“

Generell sind Bewegtbildformate stark gefragt. „Über Videos können Unternehmen eine sehr große Reichweite erzielen“, weiß Alexander Spanic. „So ist Youtube mittlerweile eine der größten Suchmaschinen überhaupt.“ Firmen geben mit Hilfe von Videos ganz konkrete Einblicke in ihre Arbeitswelt. Hier erfahren interessierte Bewerber, wie der zukünftige Arbeitsplatz aussieht. Sitzen die Kollegen zusammen im Großraumbüro oder gibt es Einzelbüros? Wie reden die Mitarbeiter untereinander? Duzen sich alle oder herrscht eher ein förmlicher Ton? „Im Film sieht man außerdem, ob bei der Firma legere Kleidung getragen wird oder ob alle im Anzug am Schreibtisch sitzen“, gibt Alexander Spanic ein Beispiel. „Auch die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander kann man im Video gut präsentieren.“

Social-Media-Aktivitäten müssen immer aus dem Unternehmen selbst kommen. „Wir beraten Firmen zu Social Media Strategien, die Maßnahmen muss das jedoch Unternehmen selbst durchführen“, erklärt Alexander Spanic. Im besten Fall werden die Mitarbeiter frühzeitig involviert. „Social Media lebt von der Interaktion, daher sollten Mitarbeiter selbst Beiträge erstellen und teilen“, rät Spanic.

Dazu müssen sie wissen, was sie in den sozialen Medien im Namen ihres Unternehmens tun dürfen und was nicht. In Workshops bekommen die Mitarbeiter beispielsweise einen „Social Media Knigge“ an die Hand. „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass alles, was einmal im Netz ist, dort auch dauerhaft zu sehen ist“, betont der Experte. „Viele Kunden fragen uns, wie sie negative Bewertungen löschen können. Das ist aber nicht möglich.“ Wer in den sozialen Medien aktiv ist, muss daher auch mit Kritik umgehen und entsprechend reagieren können.

Gleiches gilt für Rückmeldungen über Arbeitgeberbewertungsportale, die mal positiv, mal negativ sind. Laut einer Studie der softgarden e-recruiting GmbH und des Personalmagazins gibt es aktuell über 200 Angebote zur Bewertung von Arbeitgebern in Deutschland. „Die Mehrheit der Angebote ist den Bewerbern jedoch gar nicht bekannt“, erklärt Mathias Heese, CEO von softgarden. „Nur rund 36 Prozent der Befragten waren in der Lage, ungestützt einen konkreten Anbieter zu nennen.“

Bei den Einzelnennungen lag die Arbeitgeberbewertungsplattform kununu vorn. Hier finden Nutzer Insider-Informationen zu über 773.000 Arbeitgebern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mitarbeiter, Praktikanten und Auszubildende können ihre Erfahrungen zu Betriebsklima oder Aufstiegschancen teilen. Weniger bekannt waren den Teilnehmern der Umfrage Anbieter wie Glassdoor, Jobvoting.de oder Great Place to Work.

Darüber hinaus konkurrieren zahlreiche Anbieter von Gütesiegeln und Rankings um die Gunst der Personalabteilungen. In immer mehr Unternehmen prangen die Urkunden auf Stellenanzeigen oder der Firmenwebseite und kennzeichnen die Firma beispielsweise als fairsten oder familienfreundlichsten Arbeitgeber. „Wirken können diese Siegel jedoch nur, wenn sie bei Bewerbern bekannt und geschätzt sind“, betont Heese. Dazu hat softgarden eine Umfrage unter über 3000 Bewerbern durchgeführt. Das wichtigste Ergebnis: Solche Awards sind für den großen Teil der Bewerber bedeutungslos. Zum einen sind die Siegel bei den Bewerbern nicht bekannt, außerdem sind die Kriterien und das Vorgehen der Bewertung oftmals nicht transparent. Einigen Anbietern geht es auch lediglich um den Verkauf der Siegelnutzung, sie vergeben die Auszeichnungen, ohne das Unternehmen geprüft zu haben. Bewerber sollten aus diesem Grund die genannten Siegel ihres Wunschunternehmens genau unter die Lupe nehmen und die Vergabe hinterfragen.

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