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Arbeitnehmer: Jeder Zweite bekommt kein Urlaubsgeld

Arbeitnehmer : Jeder Zweite bekommt kein Urlaubsgeld

Viele Unternehmen überweisen ihren Mitarbeitern demnächst das Urlaubsgeld. Die höheren Tarifabschlüsse der vergangenen Monate machen sich dabei bemerkbar. Verlierer sind befristet Beschäftigte – sie gehen oft leer aus.

Viele Unternehmen überweisen ihren Mitarbeitern demnächst das Urlaubsgeld. Die höheren Tarifabschlüsse der vergangenen Monate machen sich dabei bemerkbar. Verlierer sind befristet Beschäftigte — sie gehen oft leer aus.

Noch rund sieben Wochen, bis der Ferienverkehr die Autobahnen in NRW wieder lahmlegt und sich Menschen mit vollgepackten Koffern in den Abflughallen der Flughäfen drängeln. Jeder Arbeitnehmer hat ein Anrecht auf Urlaub, so steht es im Gesetz. Welche Reise er sich während der freien Tage leisten kann, hängt jedoch auch davon ab, in welcher Branche er arbeitet. Denn während sich Beschäftigte in der Holz- und Kunstoff verarbeitenden Industrie über bis zu 2204 Euro Urlaubsgeld freuen können, gibt es für die Kumpel im Steinkohlebergbau nur 156 Euro zusätzlich — und mehr als die Hälfte der Beschäftigten geht komplett leer aus.

Das zeigt eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest. Demnach erhalten nur 42 Prozent der Beschäftigten ein gesondertes Urlaubsgeld. Der Tarifexperte Reinhard Bispinck von der Hans-Böckler-Stiftung vermutet, dass der Anteil früher höher gelegen haben könnte, "weil die Tarifbindung abgenommen hat". Am wenigsten sonnig ist die Lage für befristet Beschäftigte. Von ihnen erhalten nur 19 Prozent Urlaubsgeld.

"Tarifverträge sichern nicht nur Einkommen, sondern regeln auch wesentlich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten", sagt daher Verdi-Chef Frank Bsirske. So sorgen die letzten Tarifabschlüsse bei vielen Arbeitnehmern auch beim Urlaubsgeld für ein dickes Plus. Das geht aus einer Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Häufig entspricht die Höhe des Bonus nämlich einem prozentualen Anteil des Lohns der letzten 13 Wochen. Das heißt im Umkehrschluss: Steigen die Löhne, steigt auch das Urlaubsentgelt.

Das ist zum Beispiel in der Metallindustrie, dem Kfz-Gewerbe und der Papier verarbeitenden Industrie der Fall. Allein bei letzteren stieg das Urlaubsgeld in den letzten zehn Jahren um 27 Prozent. In der Landwirtschaft, dem Steinkohlebergbau und der Textilindustrie haben die Beschäftigten hingegen Pech. Hier gibt es feste Pauschalen, die von Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen jeweils neu verhandelt werden müssen. Die Beträge sind hier deutlich geringer gestiegen oder stagnierten sogar wie im Steinkohlebergbau. "Die Beträge sind von Branche zu Branche sehr unterschiedlich", sagt Experte Bispinck.

Ebenso ungleich verteilt sind die Chancen, überhaupt Urlaubsgeld zu bekommen. Die größte Chance hat man statistisch gesehen, das zeigt die Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung, wenn man männlich ist, über einen längeren Zeitraum bei einem größeren, tarifgebunden Betrieb in Westdeutschland arbeitet und ein hohes Einkommen bezieht.

Auch die Anzahl der freien Tage kann je nach Branche erheblich variieren. Anders als beim Urlaubsgeld profitiert dabei ein Großteil der Beschäftigten: Bei der Umfrage von TNS Infratest gab die Mehrheit der Befragten an, deutlich länger frei machen zu können, als die vom Gesetzgeber vorgesehene Mindestanzahl von 24 Tagen pro Jahr. 72 Prozent der Befragten haben demnach 25 bis 30 Urlaubstage pro Jahr, zehn Prozent haben sogar Anspruch auf mehr als 31 Tage Urlaub. "Im Schnitt haben die Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben 30 Tage Urlaub pro Jahr", bestätigt auch Reinhard Bispinck.

Allerdings, auch das zeigt die Umfrage, mussten 40 Prozent der Befragten ihren Urlaub bereits aus dienstlichen Gründen abbrechen, mehr als jeder Sechste muss während des Urlaubs häufig oder gelegentlich für seinen Chef arbeiten oder wird von ihm kontaktiert. Mit 55 Prozent der Befragten wurde allerdings ein Großteil noch nie vom Arbeitgeber gestört — man konnte sich in Ruhe erholen.

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(RP/csi)