IW-Studie: Flexible Arbeitszeiten steigern Produktivität der Mitarbeiter

IW-Studie: Flexible Arbeitszeiten steigern Produktivität der Mitarbeiter

Home Office und weniger Kontrolle: Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zur eigenen flexiblen Arbeitszeitgestaltung geben, steigern damit die Arbeitsproduktivität im Unternehmen. Dies belegt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft.

Viele deutsche Unternehmen trauen sich auch im digitalen Zeitalter nicht, ihren Mitarbeitern mehr freie Hand bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeiten zu geben. Noch immer herrscht in den meisten Firmen Anwesenheitspflicht. Doch eine neue Studie zeigt, dass die Leistungen der Mitarbeiter zunehmen, wenn ihnen mehr Vertrauen entgegen gebracht wird und sie auch von Zuhause oder unterwegs arbeiten dürfen. Der Absender dieser Botschaft stammt ausgerechnet aus dem Arbeitgeberlager.

Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zur eigenen flexiblen Arbeitszeitgestaltung etwa durch Home-Office-Zeiten geben und sie wenig kontrollieren, steigern damit die Zufriedenheit und die Arbeitsproduktivität im Unternehmen. Das zeigt eine noch unveröffentlichte Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Demnach zeigen wissenschaftlich basierte Umfragen in Unternehmen, dass mit zunehmender Kontrolle und Überwachung der Mitarbeiter die Unzufriedenheit und die Konflikte mit dem Chef zunehmen. Setzt ein Unternehmen dagegen auf weniger Kontrolle über die Einhaltung von Arbeitszeiten, sind rund 60 Prozent der Arbeitnehmer sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. In Firmen mit strengen Kontrollen etwa durch Stechuhren oder Vorgesetzte sind es nur 45 Prozent.

Überraschend ist weniger dieser Befund als der Absender: Das Kölner Institut wird finanziert von den Arbeitgeberverbänden. Viele Arbeitgeber haben aber auch in Zeiten des digitalen Wandels, der das Arbeiten von unterwegs, zu Hause oder in unterschiedlichen Betriebsstätten technisch erleichtert, große Schwierigkeiten, die traditionelle Anwesenheitspflicht am festen Arbeitsplatz aufzugeben. In vielen Unternehmen herrscht noch immer ein gewisses Misstrauen gegenüber ihren Beschäftigten. Nach dem Motto: Bei weniger Kontrolle wird auch weniger gearbeitet. Ausgerechnet das arbeitgeberfreundliche Institut widerlegt diese verbreitete Ansicht.

Ausgewertet haben die IW-Forscher Zahlen der Europäischen Union und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, die regelmäßige Umfragen in ausgesuchten Bevölkerungsteilen durchführen. Die Daten des European Working Conditions Survey zeigen, dass die direkte Kontrolle durch den Chef nur einen geringen Einfluss auf die Arbeitsproduktivität hat. Sie ist nur für zwei Prozent der Arbeitnehmer entscheidend dafür, wie schnell sie arbeiten. Dagegen geben 35 Prozent der Arbeitnehmer an, ihr eigenes Arbeitstempo vor allem am Tempo der Kollegen zu orientieren. Für rund 26 Prozent sind Forderungen von Kunden der wichtigste Treiber.

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Setzt ein Unternehmen auf weniger Kontrollen, sind mehr als zwei Drittel Prozent der Arbeitnehmer sehr zufrieden mit ihrer Arbeit, zeigen Daten des so genannten Sozio-oekonomischen Panels am DIW. Lediglich 13 Prozent der Arbeitnehmer, die keinen strengen Kontrollen ausgesetzt sind, berichten von Ärger oder Konflikten mit ihren Vorgesetzten. Gibt es hingegen im Unternehmen strenge Regulierungen und Kontrollen, dann steigt auch das Konfliktpotenzial und 32 Prozent der Arbeitnehmer – mehr als doppelt so viele – haben Konflikte mit der Führungskraft. Die Ergebnisse der Befragungen zeigten auch, dass Mitarbeiter mit flexiblen Arbeitszeiten eher dazu neigen, anderen Menschen zu vertrauen.

„Manche Unternehmen haben nach wie vor Angst, durch Home-Office oder flexible Arbeitszeiten die Kontrolle zu verlieren. Unsere Studie zeigt jedoch ganz klar, dass es dafür keinen Grund gibt. Vertrauen zahlt sich aus“, sagt IW-Autor Dominik Enste. Die Instrumente für flexible Arbeitszeiten seien vielfältig. Sie reichten über Home-Office-Möglichkeiten, Teilzeit und Gleitzeit-Modellen bis hin zu Arbeitszeitkonten.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren durch Gesetze und Verordnungen der Druck auf die Unternehmen zugenommen hat, ein so genanntes Compliance System einzuführen. Vorgeschrieben werden unter anderem regelmäßige Mitarbeitergespräche, in denen es darum geht, wie Karriere und Produktivität eines Mitarbeiters verbessert werden können. Diese Ansätze können jedoch zum Gegenteil dessen führen, was sie bewirken sollen, so das IW. Mitarbeiter können ein zu konsequentes oder falsches Compliance System auch als Zeichen des Misstrauens und der Kontrolle bewerten.