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Grippe 2018 - Wann Sie zu krank zum Arbeiten sind

Grippewelle : Wann Sie zu krank zum Arbeiten sind

Zu viele Menschen schleppen sich krank zur Arbeit. Das ist nicht nur gesundheitlich gefährlich. Auch für Arbeitgeber hat das hohe Kosten zur Folge. Ab wann sollte man zuhause bleiben?

Krank zur Arbeit gehen - für die Mehrheit der Arbeitnehmer ist das normal. Gut zwei Drittel der Beschäftigten erscheinen binnen eines Jahres mindestens einmal krank zur Arbeit. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Demnach sagten 67 Prozent der Befragten, sie seien in den zurückliegenden zwölf Monaten mindestens einmal zur Arbeit gegangen, obwohl sie sich "richtig krank gefühlt" hätten. Knapp die Hälfte der Beschäftigten arbeitete demnach eine Woche und mehr trotz Krankheit, bei jedem siebten waren es sogar drei Wochen oder mehr. Befragt wurden im Jahr 2017 insgesamt 4800 abhängig Beschäftigte.

"Präsentismus ist der Fachbegriff dafür, wenn Mitarbeiter um jeden Preis auf der Arbeit anwesend sind", sagt Anette Wahl-Wachendor, Vizepräsidentin des Verbandes deutscher Betriebs- und Werksärzte. Laut einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeit (BAuA) aus dem Jahr 2011 gehen insbesondere Beschäftigte krank zur Arbeit, die häufig unter Leistungs-, Termin- und Zeitdruck leiden. Stark betroffene Berufsgruppen seien die Bau- und Landwirtschaft sowie Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe, etwa die Altenpflege. Auch die Angst, den Job zu verlieren, bringe kranke Mitarbeiter dazu, sich zur Arbeit zu schleppen.

Bei diesen Alarmsignalen sollte man zuhause bleiben

"Richtig wäre es aber, sich zu Hause zu kurieren am besten sogar präventiv", sagt Wahl-Wachendorf. Vor allem während der Grippesaison, sind Krankheitssignale laut der Ärztin leicht zu erkennen:

Wer solche Symptome verspürt, sollte für ein oder zwei Tage zuhause bleiben, um die Kollegen nicht anzustecken und sich selbst zu schonen. Am besten ist sogar der Gang zum Arzt, um abzuklären, ob es sich dabei womöglich um eine richtige Influenza handelt, empfiehlt Wahl-Wachendorf. Ab 39 Grad Fieber gäbe es auch keine Ausreden mehr dafür, sich nicht hinzulegen.

Der Norovirus, der sich derzeit ebenfalls ausbreitet, ist allerdings nicht so leicht zu erkennen. "Die Erkrankung kommt meistens sehr schnell, also innerhalb von einem Tag. Bemerkbar macht sie sich durch heftigen Durchfall", sagt die Betriebsärztin. Schon aus praktischen Gründen sollte man damit zuhause bleiben, aber auch, weil der Flüssigkeitsverlust extrem hoch ist. "Damit ist es sehr schwer, funktionsfähig zu bleiben - und es kann gesundheitlich gefährlich sein", sagt Wahl-Wachendorf.

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Nicht unbedingt zuhause bleiben muss man dagegen mit Rückenschmerzen. Damit schickt ein Arzt Patienten eher zur langfristigen Therapie ins Fitnessstudio. Weil ein Tag auf dem Bürostuhl Stress für den Rücken bedeutet, werden Patienten manchmal trotzdem krank geschrieben, um sie kurzfristig von den Schmerzen zu entlasten.

Wann ist ein Bürojob machbar?

Wie schnell es Sinn macht, sich ins Bett zu legen, hängt auch vom Beruf ab. "Ich arbeite in der Baubranche. Körperliche Arbeit bei Wind und Wetter zu bewältigen, ist wirklich nicht ratsam, wenn man einen grippalen Infekt hat." Ein Bürojob kann allerdings auch noch bei leichten Erkältungssymptomen machbar sein. Wichtig sei, gut auf den eigenen Körper zu hören. "Wenn es nicht mehr geht, muss man das ernst nehmen. Im schlimmsten Fall kann eine Grippe das Herz belasten", sagt die Betriebsärztin.

Menschen, die wissen, dass sie für Krankheiten anfällig sind, sollten in dieser Jahreszeit zunächst volle Säle meiden. "Konzert-, Theater- oder Kinobesuche sollte man während der Grippezeit lieber nicht planen. Außerdem empfiehlt es sich, Türklinken soweit möglich zu vermeiden", sagt Wahl-Wachendorf.

Was kranke Arbeitnehmer das Unternehmen kosten

Wer trotz grippalem Infekt oder sich ankündigender Erkältung zur Arbeit geht, strapaziert aber nicht nur seinen Körper. Studien zeigen, dass auch Arbeitgeber hohe Verluste einfahren. "Das liegt zum einen daran, dass Mitarbeiter weniger leistungsfähig sind und dann mehr Fehler machen", sagt Wahl-Wachendorf. "Zum anderen fallen viele im im Nachhinein länger aus, weil sie die Krankheit verschleppt haben."

Eine Studie der Unternehmensberatung Booz & Company für die Felix-Burda-Stiftung hat die Kosten für die deutschen Unternehmer im Jahr 2011 eingeschätzt. Demnach belaufen sich die durchschnittlichen Kosten für Ausfälle auf 1.199 Euro pro Jahr und Mitarbeiter. Die Präsentismuskosten allerdings belaufen sich sogar auf 2.399 Euro - sie sind also doppelt so hoch.

"Deshalb sollten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern auch nicht das Gefühl geben, unbedingt anwesend sein zu müssen", sagt die Betriebsärztin. "Das macht für keinen der Beteiligten Sinn." Auf der anderen Seite müsse man aber auch berücksichtigen, um was für eine Erkrankung es sich handelt. "Hat ein Mitarbeiter eine gebrochene Hand, kann man eventuell eine Zwischenlösung finden. Geistige Arbeiten, etwa an Konferenzen Teil nehmen, kann er dann ja immer noch erledigen und zwar auch im Büro."

Insgesamt rät Wahl-Wachendorf aber, lieber rechtzeitig eine kurze Auszeit zu nehmen, viel zu trinken, im Bett zu liegen und heiße Bäder zu nehmen als schlapp arbeiten zu gehen.

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(ham)