Rhetorikkurse: Führungskräfte setzen auf Sprechtraining

Rhetorikkurse: Führungskräfte setzen auf Sprechtraining

Immer mehr Angestellte in gehobenen Positionen schulen sich für den Umgang mit ihren Mitarbeitern. Dabei kommt es nicht nur darauf an, was sie sagen, sondern wie sie es rüberbringen. Die Kurse geben ihnen zudem mehr Sicherheit.

Alfred Jansenberger muss in seinem Job viel vor Publikum reden. Er ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Sanitär Heizung und Klima in Nordrhein-Westfalen. "Ich gebe oft Seminare und halte Vorträge", sagt der 52-Jährige. Es fällt ihm leichter, seitdem er dafür Hilfe von der Paritätischen Akademie in Anspruch nimmt. Sie veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Theaterlabor Traumgesicht um Schauspiellehrer Wolfgang Keuter ein spezielles Sprechtraining für Führungskräfte.

"Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Angestellte in gehobenen Positionen, die ihre Stimme und ihre Ausdrucksweise schulen", sagt Keuter. "Früher hatten sie Hemmungen, da Führungskräfte nahezu unfehlbar sein wollten." Heute würden sie sich seltener hinter einer Maske verstecken wollen, stattdessen zu ihren Unsicherheiten stehen und etwas gegen sie unternehmen.

So wie Alfred Jansenberger. "Ich hatte mich immer auf meine kräftige Stimme verlassen, doch die war eher monoton", sagt er. Keine gute Voraussetzung, wenn man hofft, dass die Menschen einem über längere Zeit zuhören. "Seitdem ich gelernt habe, wie sich meine Atmung auf meine Stimme auswirkt, halte ich Vorträge lebendiger, obwohl ich leiser spreche", sagt er. Zudem gibt ihm die neue Vortragsweise mehr Sicherheit. Er sei nicht mehr so nervös wie noch vor einigen Jahren.

Der Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches (BDVT) erklärt, dass die Zahl der geprüften Trainer und Coaches seit Jahren zunimmt. 2011 absolvierten 170 Teilnehmer die Abschlussprüfung, 2012 waren es bereits 220 und für dieses Jahr rechnet man mit bis zu 300 Prüfungen. "Dabei sind es immer mehr Frauen, die sich von uns ausbilden lassen", sagt der Leiter der BDVT-Akademie, Peter Krötenheerdt. Voraussetzung für das Training ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. "Die meisten blicken auf einige Jahre Berufserfahrung zurück und haben in einer Firma bereits Seminare geleitet", sagt Krötenheerdt. Die Ausbildung beim BDVT dauert mindestens sieben Monate und setzt sich aus Blöcken von mindestens sieben Mal drei Tagen zusammen.

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Der Düsseldorfer Sprachtrainer Henryk Lüderitz hat sich beim BDVT ausbilden lassen. Er sieht seit etwa fünf Jahren den Trend, dass sich Führungskräfte in Kommunikations-Kursen weiterbilden. "Sie erkennen, dass in einem Unternehmen alles über Kommunikation läuft", sagt er. Nur bis zu zehn Prozent einer Rede würden über den fachlichen Inhalt übermittelt – der Rest über die Körpersprache und die Art und Weise des Vortrags. "Ein Redner bleibt über seine Stimme, Struktur und Präsenz in Erinnerung", erklärt er. "Wenn auch noch der Inhalt hängenbleibt, ist das Optimum erreicht." Wie das funktioniert, das bringt er seinen Kunden in Gesprächen, mit Rollenspielen und Hausaufgaben bei, in zweitägigen Workshops, in berufsbegleitenden Seminaren oder in Treffen unmittelbar nach Feierabend, "um direkt über das zu sprechen, was am Tag passiert ist".

Und da passiert vieles, besonders im Umgang miteinander. "Der Wohlfühl-Faktor ist in den vergangenen Jahren viel wichtiger geworden", sagt Lüderitz. Gerade in Zeiten, in denen Unternehmen um die besten Fachkräfte buhlen, würden nicht mehr nur Gehalt und Vertragslaufzeit ausschlaggebend sein. "Ein Mitarbeiter, der das Gefühl hat, dass sich sein Arbeitgeber um ihn kümmert, arbeitet produktiver", sagt er. Eine weitere Intention einiger Unternehmen ist die "Manipulation" ihrer Angestellten. "Wenn sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, verschwindet die Grenze zwischen Freizeit und Arbeitszeit – und so bleibt man nicht selten länger im Büro, um weiterzuarbeiten", sagt Lüderitz. Die Firmen, die den Wert ihrer Mitarbeiter erkennen und ihnen das auch vermitteln würden, hätten langfristig mehr Erfolg als andere, meint der Trainer.

Waren es vor einigen Jahren Konzerne wie Audi und BMW, Vodafone und ThyssenKrupp, die ihren Mitarbeitern diese Fortbildungen erlaubten, habe der Mittelstand nachgezogen, meint Lüderitz. Unter seinen Klienten sind auch Angestellte von Möbelhäusern und Friseursalons. "Es geht um das Gefühl, das man seinen Angestellten vermittelt – und mit welchem Gefühl diese dann wiederum mit den Kunden umgehen", sagt der Düsseldorfer. Diese Folge mache sich für die Unternehmen bezahlt. "Denn auf einem Markt, in dem sich viele Produkte nicht mehr groß unterscheiden, punktet man mit Service."

(RP)
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