Flüchtlinge: Bildungsgerüchte über Syrer auf dem Prüfstand

IW-Studie : Wie gebildet sind syrische Flüchtlinge?

Bildung ist ein Schlüsselkriterium für die Integration. Doch über die Qualifikation von Flüchtlingen ist kaum etwas sicher bekannt. Unterschiedlichste Annahmen kursieren. Kommen da Analphabeten oder Zahnärzte? Eine Studie will mit den gröbsten Klischees aufräumen.

Immer mehr Flüchtlinge drängen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die anfängliche Hoffnung, die Menschen schnell in Jobs zu bringen, wurde von der Realität eingeholt. Es dauert einfach Zeit, die Sprache zu lernen. Zudem kann das Angebot an Sprachkursen derzeit die Nachfrage nicht erfüllen.

Mindestens ebenso wichtig für die Integrationschancen ist neben der Sprache die Ausbildung. Die ersten Erfahrungen sind für viele frustrierend. Wer nach Deutschland gekommen ist, um Geld zu verdienen, muss sich oftmals gedulden. Symptomatisch die Erfahrungen aus einem Projekt der Bundesagentur für Arbeit: Zuwanderer wurden gezielt nach ihren Qualifikationen befragt und gefördert. Vorläufige Bilanz: Von etwa 1400 Teilnehmern konnten etwa 160 in Arbeit oder Ausbildung vermittelt werden.

Zwei Drittel sind funktionale Analphabeten?

Viel wissen jedoch selbst die Experten nicht über die Neuankömmlinge. Das zu ändern, hatten sich Marie-Claire von Radetzky und Kristina Stoewe vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) vorgenommen. Die beiden Wissenschaftlerinnen hatten sich gezielt mit dem Bildungsstand von syrischen Zuwanderern befasst.

Auch weil insbesondere zu Syrern unterschiedlichste Annahmen im Umlauf sind. "Zwei Drittel sind funktionale Analphabeten" befand noch im vergangenen Dezember der Bildungsökonom Ludger Wößmann. Andererseits ist in der Flüchtlingsdebatte immer wieder vom großen Anteil gut ausgebildeter syrischer Ärzte zu lesen.

Fünf "Gerüchte" im Studien-Check

In ihrer am Montag veröffentlichten Studie pflückten sich die Forscherinnen diese Urteile wissenschaftlich auseinander. "Es ging uns darum, Gerüchte auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen", sagte Stoewe auf Nachfrage unserer Redaktion. Ihr Befund liegt — wenig überraschend — irgendwoe in der Mitte der zugespitzten Aussagen. So sind die meisten Syrer weder komplett ohne Schulbildung noch größtenteils Akademiker.

Im Einzelnen erörtert die Studie fünf Thesen, die die Forscher selbst als "Gerüchte" in Medien und sozialen Netzwerken gefunden hatten. Die Daten stammen weitgehend aus dem Jahr 2011, bevor der Krieg die Infrastruktur zerstörte. Das IW hatte sich schon damals im Zusammenhang mit der Anerkennung von Berufsqualifikationen mit dem syrischen Bildungssystem befasst.

(pst)
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