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Elternzeit: Alle wichtigen Infos für Eltern

Beruf & Familie : Elternzeit: Was Arbeitnehmer wissen müssen

Gar nicht so einfach für werdende Eltern, bei Elternzeit und Elterngeld den Durchblick zu bewahren. Wir verraten, was es bei der Elternzeit zu beachten gibt und was sich durch Corona ändert.

Wer eine Familie gründet, wünscht sich in der Regel beides: eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf und mehr Zeit für die Familie. So kommt es, dass heute mehr Väter denn je sich in der Familie engagieren, mehr Mütter zeitnah nach der Geburt wieder in den Beruf zurückkehren und Unternehmen familienorientierter werden, um Fachkräfte zu halten. Zwei wichtige Bausteine sind dabei die Elternzeit und das Elterngeld.

Was ist Elternzeit?

Am Anfang gilt es, ganz klar die Unterscheidung zu machen: Elternzeit und Elterngeld sind keine gleichbedeutenden Begriffe. Elternzeit ist die unbezahlte Freistellung vom Berufsleben für Eltern, die ihr Kind in den ersten Lebensmonaten selbst betreuen und erziehen möchten. Das Arbeitsverhältnis ruht in dieser Zeit. Elterngeld kann für einen Bezugszeitraum von bis zu 14 Monaten beantragt werden, um die Einkommensverluste auszugleichen. Der Antrag ist bei der jeweils zuständigen Elterngeldstelle nach der Geburt einzureichen.

Grundsätzlich können Arbeitnehmer eine Elternzeit von bis zu drei Jahren pro Kind bei ihrem Arbeitgeber einfordern. Für diese Zeit erhält man kein Gehalt, kann aber Elterngeld beantragen. Das Elterngeld deckt aber nicht die vollen drei Jahre ab, die einem Arbeitnehmer grundsätzlich an Elternzeit zustehen.

Zu Beginn haben viele Eltern viele Fragen, wie sie die ersten Lebensmonate des Kindes gestalten sollen. Auch erscheint vielen die Bürokratie umständlich, und sie benötigen Hilfe beim Ausfüllen des Antrags. Entsprechend hoch ist das Beratungsaufkommen bei der Online-Beratung „Elterngeld.net“. „Wir beraten bereits seit über 13 Jahren zum Elterngeld und haben pro Woche zwischen 90 und 100 Beratungen“, berichtet Sandra Thiemar von Elterngeld.net. Mitunter müssen Ratsuchende bis zu vier Wochen auf einen Termin warten. „Viele Eltern wissen noch nicht, wie sie Elternzeit, Elternteilzeit und Elterngeld kombinieren können“, so Sandra Thiemar. „Sie informieren sich bei uns über die Möglichkeiten des Zuverdienstes zum Elterngeld Plus.“

Wer hat Anspruch auf Elternzeit?

Um Elternzeit in Anspruch nehmen zu können, muss man einige Voraussetzungen erfüllen. Die wohl wichtigste ist, dass man in einem Arbeitsverhältnis stehen muss. Elternzeit im Sinne einer unbezahlten Freistellung vom Job gilt demnach nicht für Selbstständige, Geschäftsführer, Hausfrauen und Hausmänner, Studenten, Schüler, Arbeitslose, Ehrenamtler und Menschen, die gerade einen Bundesfreiwilligendienst, ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr ableisten.

Arbeitnehmer, die mit dem Kind, um das es geht, in einem Haushalt leben, es betreuen und erziehen, können dagegen das Modell der Elternzeit nutzen. In welchem Arbeitsverhältnis sie stehen, ist zweitrangig. Elternzeit gilt für Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte, bei befristeten Verträgen und auch bei Mini-Jobs. Wenn man studiert und parallel arbeitet, kann man sich ebenso eine Auszeit nehmen. Wichtig ist, dass der Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet und einen Arbeitsvertrag nach gültigem deutschen Recht vorweisen kann. Der Wohnort ist dabei nicht entscheidend. Wer also jenseits der deutschen Grenze lebt, kann dennoch hierzulande Elternzeit beantragen.

Besonders wichtig: Während der Auszeit muss sich das Elternteil tatsächlich dem Kind widmen. Entweder arbeitet man während dieser Zeit gar nicht oder geht einer Teilzeitbeschäftigung nach, die 30 Stunden pro Woche aber nicht überschreiten darf.

Eine zweite Grundvoraussetzung ist, dass ein Kind im Haushalt leben muss, teilt das Bundesfamilienministerium mit. Das kann ein leibliches Kind, das Kind des Lebenspartners oder der Lebenspartnerin, ein Pflegekind oder ein Adoptivkind sein. Auch wenn beispielsweise eine Vaterschaftsanerkennung noch in der Schwebe ist oder ein Adoptionsverfahren noch läuft, kann Elternzeit genommen werden. In besonderen Fällen können Großeltern für ihr Enkelkind in Elternzeit gehen, sofern eines der leiblichen Elterteile noch minderjährig ist oder einer Ausbildung nachgeht, die sie oder er noch vor dem 18. Geburtstag begonnen hat. Kommt es zu einer Tragödie und minderjährige Geschwister, Neffen oder Nichten bleiben als Waisen zurück, können Verwandte für die Betreuung dieser Kinder Elternzeit in Anspruch nehmen. Das gilt nicht nur im Falle eines Todes der leiblichen Eltern, sondern auch dann, wenn diese schwer erkrankt sind und sich nicht mehr um ihr Kind kümmern können.

Wie lange kann man in Elternzeit gehen?

Die maximale Dauer der Elternzeit beträgt drei Jahre pro Kind und Elternteil. Die Angaben, die Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber gegenüber machen, sind dabei bindend. Daher sollte man sich genau Gedanken darüber machen, wann die Elternzeit beginnen und wie lange sie dauern soll. Die Elternzeit im Nachgang zu verlängern, ist nur möglich, wenn der Arbeitgeber einverstanden ist, teilt das Bundesfamilienministerium mit. Die Elternzeit vorzeitig zu beenden, geht nur in besonderen Ausnahmefällen. Zu den Härtefällen gehören beispielsweise die Krankheit oder der Tod eines Elternteils. Ebenso, wenn die wirtschaftliche Existenz der Familie akut gefährdet ist, kann die Arbeit nach Absprache wieder aufgenommen werden. Die Zustimmung des Arbeitgebers ist die Bedingung. Er muss sich innerhalb von vier Wochen zu dem Fall äußern und kann den Wunsch nur aus dringenden betrieblichen Gründen ausschlagen. Stirbt das Kind während der Elternzeit, endet sie spätestens drei Wochen nach dem Tag des Todes und die Arbeit beginnt wieder.

Wann beginnt die Elternzeit?

Wann die Elternzeit beginnen soll, bestimmen die Eltern selbst. Sie müssen ihren Wunschzeitraum allerdings schriftlich und mit einem gewissen Vorlauf beim Arbeitgeber anmelden. Es gilt eine Frist von sieben Wochen, damit dem Chef genug Zeit bleibt, sich auf die veränderte Situation im Betrieb einzustellen. Klassischerweise nehmen Mütter und Väter die Elternzeit vor dem dritten Geburtstag in Anspruch. Ein späterer Zeitpunkt ist aber auch denkbar. Es ist möglich, einen Teil der drei verfügbaren Jahre zwischen den dritten und achten Geburtstag des Kindes zu nutzen. Viel später, also wenn das Kind älter als acht Jahre ist, kann man diese Option aber nicht mehr nutzen.

Grundsätzlich ist Elternzeit erst ab Geburt des Kindes überhaupt möglich. Wenn das Baby später kommt, gilt die Elternzeit trotzdem erst ab dem Tag der Geburt und nicht ab dem errechneten Geburtstermin. Wer vorher schon zu Hause sein möchte, um sich auf den Nachwuchs vorzubereiten, der muss für diese Zeit Urlaub nehmen.

Sechs Wochen vor dem errechnetem Termin und acht Wochen nach der Geburt greift das Mutterschutzgesetz. Für die werdende beziehungsweise frischgebackene Mutter gilt ein Beschäftigungsverbot. Sie befindet sich im Mutterschutz und bekommt in dieser Zeit Mutterschaftsgeld, sofern sie bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist.

Wie beantragt man Elternzeit beim Arbeitgeber?

Einen Antrag für Elternzeit im Sinne eines mehrseitigen Formulars, das man ausfüllen muss, gibt es nicht. Spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber seine Wünsche schriftlich mitteilen. Wichtig ist, dass dieses Ansinnen auf Papierform vorliegt und unterschrieben wird. Es reicht also nicht aus, eine kurze E-Mail zu schicken oder den Chef anzurufen. Tipp: Am besten lässt man sich die Elternzeit vom Arbeitgeber schriftlich bestätigen. So steht man auf der sicheren Seite.

Wann muss man die Elternzeit beantragen?

Wichtig ist, dass man die Fristen einhält. Bei einer Elternzeit vor dem dritten Geburtstag des Kindes liegt sie bei sieben Wochen. Zwischen dem dritten und achten Geburtstag beträgt sie 13 Wochen. So ermöglicht man es dem Arbeitgeber, für diese Zeit sein Personal anders einzuteilen oder für kurzfristigen Ersatz zu sorgen. Ausnahmen von diesen Fristen werden nur dann gebilligt, wenn das Kind zu früh zur Welt kommt oder wenn eine Adoptionspflege schneller als gedacht beginnt.

Wenn die Elternzeit mit der Geburt des Kindes beginnen soll: Mütter melden ihren Bedarf spätestens sieben Wochen vor Ende des Mutterschutzes beim Arbeitgeber an. Und Väter reichen ihr Ansinnen sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin schriftlich ein.

Können beide Elternteile gleichzeitig in Elternzeit gehen?

Theoretisch können beide Elternteile gleichzeitig bei ihrem Arbeitgeber Elternzeit anmelden. Beiden stehen drei Jahre zu. Während dieser Zeit ist eine Teilzeitarbeit durchaus möglich. Beide Elternteile können während dieser bis zu drei Jahre jeweils 30 Wochenstunden arbeiten, ohne dass sie damit ihren eigentlichen, alten Arbeitsplatz gefährden.

Wie lange soll der Arbeitsplatz freigehalten werden in der Elternzeit?

Grundsätzlich ist der Arbeitnehmer während der Elternzeit vor Kündigung geschützt. Der Gesetzgeber garantiert einen Kündigungsschutz und eine Arbeitsplatzgarantie. Der Arbeitsvertrag ist auch während der Elternzeit gültig, er ruht lediglich. Der Arbeitnehmer hat nach der Elternzeit das Recht, an seinen früheren Arbeitsplatz zurückzukehren oder eine gleichwertige Tätigkeit zu den gleichen Konditionen zugewiesen zu bekommen. Aber Achtung: Nach der Elternzeit gilt der Kündigungsschutz nicht mehr. Der Arbeitgeber kann unter bestimmten Voraussetzungen dem Arbeitnehmer kündigen.

Kann Elternzeit der Karriere schaden?

Während der Elternzeit ist der Arbeitnehmer vor einer Kündigung geschützt. In der Regel tauchen Probleme erst beim Wiedereinstieg in den Beruf auf, wenn beispielsweise bereits jemand Neues die alte Tätigkeit übernommen hat und man sich auf ein neues Aufgabenfeld einstellen muss. „Die Elternzeit sollte hoffentlich nie ein Karriereknick sein, aber die Realität sieht leider immer noch anders aus“, so Sandra Thiemar. „Wobei der Trend inzwischen zum familienfreundlichen Arbeitgeber geht mit der Möglichkeit, in Teilzeit von zu Hause aus zu arbeiten.“

Um sich den Wiedereinstieg zu erleichtern, könnte es eine Option sein, die Auszeit von der Erwerbstätigkeit auf ein Jahr zu beschränken und dann in Teilzeit in den alten Beruf zurückzukehren. Bis zu 30 Wochenstunden Arbeit sind in der Elternzeit erlaubt. Hier spricht man auch von Elternteilzeit. Der Vorteil ist, dass der Kündigungsschutz auch bei diesem Modell weiter seine Gültigkeit hat, teilt das Bundesfamilienministerium mit.

Wer kann, sollte die Elternzeit zudem dafür nutzen, sich gut vorzubereiten. So könnten in dieser Zeit Fortbildungen absolviert werden. Man hält den Kontakt zum Arbeitgeber und spricht die Tätigkeiten nach Wiederkehr ab. Zudem sollte man sich frühzeitig um eine Kinderbetreuung bemühen, damit das Kind während der Arbeitszeit gut versorgt ist.

Tipps, wie der Wiedereinstieg in den Beruf nach der Elternzeit gelingen kann, gibt die Bundesagentur für Arbeit. Sie hat eigens das Programm „Perspektive Wiedereinstieg“ ins Leben gerufen, das sich mit diesem Thema befasst. „Grundsätzlich geben wir den Personen, die wiedereinstiegen wollen, Hilfestellung dabei, die eigene Situation gut zu analysieren und daraus die beste Bewerbungs- und Weiterbildungsstrategie zu entwickeln“, berichtet Susanne Eikemeier, Pressesprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Im Internet stehen Checklisten dafür zur Verfügung. Ebenso ist es möglich, sich in einer Beratungsstelle vor Ort informieren zu lassen. „Dort unterstützen die Berater mit Hinweisen zur eigenen Kompetenzanalyse, zur familiären Situation beispielsweise im Hinblick auf Betreuungsangebote für Kinder, mit der Analyse des Arbeitsmarkts für die angestrebte Tätigkeit und vieles mehr“, erklärt Susanne Eikemeier weiter.

Wie funktioniert Elternzeit für Väter?

Bei der Elternzeit macht der Gesetzgeber keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Väter haben genauso einen Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit. Für sie gelten die gleichen Regeln wie für Mütter. Hier kommt es vielmehr auf die Absprache mit der Kindesmutter an, die Elternzeit so zu organisieren, dass die wirtschaftliche Existenz der Familie nicht gefährdet wird.

Wer zahlt in der Elternzeit?

Während der Elternzeit verzichtet der Arbeitnehmer beziehungsweise die Arbeitnehmerin auf das monatliche Gehalt, da sie eine unbezahlte Freistellung darstellt.

Damit die wirtschaftliche Existenz dennoch gesichert ist, gibt es das Elterngeld. Das ist eine Transferleistung, die der Staat bezahlt. Sie dient als Unterstützung bei der Sicherung der Lebensgrundlage. Ein Antrag kann nach der Geburt des Kindes gestellt werden.

Während des Elterngeldbezuges darf man auch arbeiten, sofern es nicht mehr als 32 Wochenstunden sind. Entsprechende Nachweise müssen der Elterngeldstelle erbracht werden. Alle Einkünfte aus Erwerbstätigkeit werden angerechnet. Das gilt auch für Einkommen, das im Bezugszeitraum zufließt, wie beispielsweise Honorare aus Rechnungen, die der Kunde später als gedacht beglichen hat.

Bei Selbstständigen wird der Gewinn und nicht der Umsatz angerechnet. Gleichen sich Einnahmen und Ausgaben aus, kommt es nicht im Nachhinein zu einer Minderung des Elterngeldanspruchs. Das ist vor allem für Einzelunternehmer und Freiberufler interessant, die auch in der Elternzeit nicht den Kontakt zu ihren Auftraggebern verlieren wollen.

Wie viel Geld bekommt man in der Elternzeit?

Die Höhe des Elterngeldes ist vom Nettoeinkommen abhängig. Gezahlt werden 65 Prozent des Einkommens aus der Zeit vor der Geburt des Kindes. Der Betrag beläuft sich auf mindestens 300 Euro bis maximal 1800 Euro. Die Kappungsgrenze liegt bei einem Nettomonatseinkommen von 2770 Euro im Bemessungszeitraum. Ein höheres Einkommen hat keinen Einfluss mehr auf die Höhe des Elterngeldes, weil der Maximalbetrag von 1800 Euro bereits bei 2770 Euro erreicht ist.

Das Basiselterngeld ist auf zwölf Monate begrenzt. Zwei weitere Monate sind nutzbar, wenn der Partnerbonus in Anspruch genommen wird. Das heißt: Das Elternteil, das während der ersten Lebensmonate des Kindes weiter arbeiten ging, bleibt nun zu Hause und bezieht Elterngeld. Alleinerziehende, die das alleinige Sorgerecht und das Aufenthaltsbestimmungsrecht haben, haben ebenfalls Anspruch auf 14 Monate Basiselterngeld.

Eltern, die mehr als ein Kind erwarten, werden finanziell nicht benachteiligt. „Pro Mehrling wird ein zusätzliches Elterngeld von 300 Euro gezahlt“, sagt Elterngeld-Expertin Sandra Thiemar. „Man erhält also sein zustehendes Elterngeld plus 300 Euro.“

Mit dem Elterngeld Plus wurde das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) reformiert. Damit sind per Antrag nun Mischformen zwischen Basiselterngeld und Elterngeld Plus möglich. Somit kann der Bezugszeitraum auf 28 Monate gestreckt werden, wenn der Partnerbonus ebenfalls genutzt wird. Allerdings gibt es zu bedenken, dass in den Bezugsmonaten von Elterngeld Plus nur die Hälfte dessen gezahlt wird, was beim Basiselterngeld geflossen wäre. Welches Modell für die eigene Familie günstiger wäre, lässt sich bei einer individuellen Beratung herausfinden.