Ehrendoktor Doktortitel ohne Promotion

Das Studium abgeschlossen, direkt im Anschluss oder später promovieren: So kommt man normalerweise an einen Doktortitel. Doch es gibt auch den Doktortitel ehrenhalber. Wie man dazu kommt und was damit einhergeht.

Für besondere Verdienste: Universitäten können theoretisch auch Menschen ohne akademische Ausbildung die Ehrendoktorwürde verleihen.

Für besondere Verdienste: Universitäten können theoretisch auch Menschen ohne akademische Ausbildung die Ehrendoktorwürde verleihen.

Foto: dpa-tmn/Julian Stratenschulte

Doctor honoris causa: Das klingt eigentlich nicht schlecht. Doch wer den Ehrendoktortitel, abgekürzt Dr. h.c., am liebsten vor dem eigenen Namen sehen würde, muss zwar nicht zwangsläufig promovieren – ihn sich verdienen aber schon. Was man zur Ehrendoktorwürde wissen sollte:

Ehrendoktorwürde – was ist das eigentlich genau? Mit der Ehrendoktorwürde würdigt eine Universität oder Fakultät eine Person für besondere wissenschaftliche Verdienste in einem bestimmten Fach, zum Beispiel in den Naturwissenschaften. Allerdings gilt: „Die zu Ehrenden müssen nicht zwingend eine akademische Ausbildung haben“, sagt Rechtsanwalt Manfred Löwisch.

Nicht selten bekommen Politiker eine Ehrendoktorwürde verliehen. „Sie haben sich dann oftmals besondere Verdienste um das Recht erworben und beispielsweise dazu beigetragen, zentrale Gesetzentwürfe zu entwickeln“, so Löwisch. Auch Leute aus dem Top-Management von Unternehmen bekommen mitunter die Ehrendoktorwürde verliehen. „Es kann aber etwa auch ein bis dato unbekannter freier Forscher sein, der etwas entdeckt, bearbeitet und daraus bahnbrechende neue Erkenntnisse abgeleitet hat.“ Trotzdem ist es kein akademischer Doktorgrad.

Darf man den Titel führen? Ja, zum Beispiel auf Visitenkarten oder Briefköpfen. Und auch in den Pass darf man ihn eintragen lassen. Allerdings gilt: „Bei Dr. h.c.-Titeln von einer Universität außerhalb der EU muss grundsätzlich die Herkunft angegeben werden“, erklärt Rechtswissenschaftler Max-Emanuel Geis. Es muss dann auch der Name der Universität genannt werden.

Welche Rechte und Pflichten gehen mit einer Ehrendoktorwürde einher? Besondere Rechte und Pflichten ergeben sich mit dem Titel nicht. „Geehrte müssen in aller Regel keine Vorlesungen an der jeweiligen Universität halten“, so Geis. In jedem Fall geht die Ehrendoktorwürde aber mit der Pflicht einher, sich „nicht unwürdig“ zu verhalten. Bei Straftaten wie etwa Gewaltdelikten oder Landesverrat kann die jeweilige Universität oder Fakultät dem Geehrten die Ehrendoktorwürde aberkennen.

Kann man sich den Titel legal kaufen und dann führen? Nein. Im Internet gibt es mehrere Anbieter, die suggerieren, dass über sie die Ehrendoktorwürde einer ausländischen Universität gegen Geld zu erwerben sei. Zwar ist es nicht strafbar, sich einen Ehrendoktortitel mit einer „Spende“ bei einer Universität im Ausland zu kaufen. Aber man ist dann nicht berechtigt, den gegen Geld erworbenen Ehrendoktortitel in Deutschland auch zu führen. „Denn Ehrendoktor dürfen sich nur jene nennen, die auch die für die Verleihung nötigen wissenschaftlichen Verdienste vorweisen können“, betont Löwisch. Wer unbefugt einen Titel führt, macht sich strafbar und muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe rechnen.

Doch wie kann überhaupt auffliegen, dass man einen nicht rechtmäßig erworbenen Dr. h.c.-Titel führt? Wer einen Ehrendoktortitel hat, muss die Berechtigung hierzu den zuständigen Behörden per Urkunde nachweisen können. Das ist in den Hochschulgesetzen entsprechend festgelegt.

Wie schreibt man im Berufsalltag Menschen an, die einen Ehrendoktortitel haben? Man kann das Schreiben an Frau oder Herrn Dr. h.c adressieren. Müssen tut man das allerdings nicht unbedingt. Und: „Sollten andere akademische Grade vorhanden sein, ist der Ehrendoktortitel nachgestellt“, sagt Geis.

(dpa/tmn)
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