Unternehmen will Image aufpolieren: Discounter Kik zahlt 7,50 Euro Mindestlohn

Unternehmen will Image aufpolieren : Discounter Kik zahlt 7,50 Euro Mindestlohn

Nach einer Skandalserie um Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen führt der Textildiscounter Kik einen Mindestlohn ein. Alle Mitarbeiter sollen ab Oktober mindestens 7,50 Euro pro Stunde erhalten, teilte Kik gestern mit. Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die Initiative, kündigte aber an, die Umsetzung genau kontrollieren zu wollen.

Kik erklärte, die Lohnuntergrenze bedeute vor allem für Aushilfskräfte in ärmeren Regionen mehr Geld. In Ballungsräumen zahlt Kik nach eigenen Angaben bereits höhere Stundenlöhne. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi liegt Kik mit dem Mindestlohn über dem bundesweit niedrigsten Tariflohn von sieben Euro für Ungelernte im Einzelhandel Niedersachsens.

Das Unternehmen will die Lohnerhöhung als "Signal im Einzelhandel" verstanden wissen. "Alle reden seit langem über einen Basislohn", erklärte Kik-Gründer Stefan Heinig. "Wir wollen hier — als erster Textildiscounter — ein Signal setzen." Kik verwies zudem darauf, dass das Unternehmen erst im Juni auch die Löhne für die Auszubildenden um durchschnittlich neun Prozent angehoben habe.

Die nun eingeführte Lohnuntergrenze ist ein erster konkreter Schritt, nachdem die Firma sich zuletzt für Fehler entschuldigt und einen Strategiewechsel angekündigt hatte. Dem Unternehmen war unter anderem vorgeworfen worden, in Deutschland systematisch Dumpinglöhne zu zahlen. Eine Verdi-Sprecherin sagte, die Anhebung der bisher teils sittenwidrigen Stundenlöhne auf 7,50 Euro sei zwar "sehr zu begrüßen".

Weil jedoch die Verbindlichkeit eines Tarifvertrags fehle, werde Verdi in den kommenden Monaten darauf achten, dass die Lohnerhöhungen nicht wieder zurückgenommen würden. Kik war unter anderem dafür verurteilt worden, einer Verkäuferin mit einem Stundenlohn von 5,20 Euro über Jahre hinweg einen sittenwidrigen Lohn gezahlt zu haben.

Außerdem ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft gegen Kik, weil die Firma nach Aussage eines ehemaligen leitenden Angestellten die Bonität ihrer Mitarbeiter überprüfte und sie bei finanziellen Schwierigkeiten entließ. Darüber hinaus unterlag Kik nach langem Justizstreit dem NDR, der in einer Dokumentation nun unwürdige Arbeitsbedingungen bei Kik-Zulieferern in Bangladesch anprangern darf. Kik gehört zur Tengelmann-Gruppe, die auch die Supermärkte Tengelmann und Kaiser's betreibt.

(RP/afp)
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