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Berlin: Die Wald-Pfleger: Forstwirt ist ein Nischenberuf

Berlin : Die Wald-Pfleger: Forstwirt ist ein Nischenberuf

Der Beruf des Forstwirts ist gefährlich. Trotzdem ist er für Naturliebhaber ein Traumjob. Die Fachkräfte arbeiten täglich im Freien.

Der Moment, in dem der Wipfel sich neigt, ist einer der gefährlichsten. Wenn der Stamm sich langsam aus der Senkrechten löst, heißt es, schnell in Deckung zu gehen. Denn kein Baum fällt wie der andere. Während andere im stickigen Büro sitzen oder von Termin zu Termin eilen, stapfen Forstworte mit den Kollegen durch die Wälder. Sie bauen etwa Zäune, pflegen die Wege, bekämpfen Schädlinge, fällen Bäume, transportieren das Holz ab und pflanzen neue Bestände. Nur knapp 2000 Ausbildungsplätze zum Forstwirt gibt es — ein Nischenberuf.

"Viele verwechseln den Begriff Forstwirt noch immer mit dem Förster und denken dabei an das Klischee des grün gekleideten Mannes mit Dackel, Gewehr und Hut", sagt Martin Lambers, Bildungsreferent beim Verband der Landwirtschaftskammern in Berlin. Dabei sei Forstwirtschaft ein vielfältiger und moderner Beruf.

Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. Neben der Holzernte stehen Waldbegrünung, Forsttechnik und Natur- und Umweltschutz auf dem Stundenplan. Nach dem Abschluss gibt es für die Fachkräfte viele Weiterbildungsmöglichkeiten: Technikinteressierte können sich zum Forstmaschinenführer ausbilden lassen, Naturliebhaber zum Baum- oder Natur- und Landschaftspfleger.

"Immer wichtiger wird der Bereich Umweltpädagogik", sagt Lambers. Forstwirte geben Führungen und erklären Kindern den Wald. Wer tatsächlich Förster — also Forstrevierleiter — werden will, kann statt oder nach der Ausbildung studieren. Fachhochschulen und Universitäten bieten die Studiengänge Forstwirtschaft und -wissenschaft an.

Für die Ausbildung reicht ein Hauptschulabschluss. Die meisten Auszubildenden kommen aber von der Realschule. Viele haben Abitur. "Grundlegende Voraussetzung ist die Liebe zur Natur und die Bereitschaft, im Freien zu arbeiten", sagt Thilo Wagner, Leiter des Forstlichen Bildungszentrums in NRW. "Auch gute Gesundheit und Fitness sind wichtig — Forstwirt ist einer der körperlich anspruchsvollsten Ausbildungsberufe." Daher sind nur etwa fünf Prozent der Auszubildenden weiblich. Um die 20 Kilogramm kann eine Schutzausrüstung wiegen. An der Berufsschule wird daher auch Ergonomie gelehrt.

Die Berufsaussichten sind gut. "Wir haben quasi Vollbeschäftigung. Gut ausgebildete Forstwirte werden händeringend gesucht", sagt Wagner. Im öffentlichen Waldbesitz liegt das Monatsgehalt im ersten Jahr bei 734 Euro, im dritten bei 835 Euro. Berufseinsteiger verdienen zwischen 1500 und 2900 Euro. Wer beruflich aufsteigen will, hat auch ohne Studium viele Möglichkeiten. Wichtig: Auf was hat sich jemand spezialisiert, welche Praktika, welche Kurse hat er gemacht? Im Bereich Nachhaltigkeit entstehen derzeit neue Tätigkeitsfelder und Berufe wie der Ingenieur für regenerative Energien.

(dpa)