Nachweis oft schwer: Die Rechte benachteiligter Bewerberinnen

Nachweis oft schwer : Die Rechte benachteiligter Bewerberinnen

Berlin/Heidelberg (RPO). Bei Bewerbungen haben Frauen manchmal noch Nachteile. Immer wieder kommt es vor, dass in einer abgelehnten Bewerbung unterstrichen ist, dass die Frau Kinder hat. Ein klarer Verstoß gegen die Gleichbehandlung, der einen Anspruch auf Schadensersatz nach sich ziehen kann. Doch die Diskriminierung muss nachgewiesen werden.

"Es kommt weiterhin vor, dass sie wegen ihres Geschlechtes nicht eingestellt werden", sagt Martina Perreng, Arbeitsrechtlerin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin.

Die rechtlichen Voraussetzungen für die Gleichbehandlung der Geschlechter waren schon lange vor Inkrafttreten des neuen Anti-Diskriminierungsgesetzes klar. Der Gesetzgeber hat im Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) und im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz festgeschrieben, dass niemand bei der Einstellung oder auch beim beruflichen Aufstieg wegen des Geschlechts benachteiligt werden darf.

Kaum noch klassische Rollenverteilung

"Es gibt heutzutage nur noch ganz wenige Jobs, bei denen das Geschlecht unverzichtbare Voraussetzung ist", sagt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Eckert aus Heidelberg. Das klassische Beispiel seien Rollen in Oper und Theater, Models oder Weihnachtsmänner. Bei den meisten anderen Berufen darf das Geschlecht heute kein Kriterium mehr sein.

Schon bei der Stellenausschreibung haben Arbeitgeber darauf zu achten, dass diese geschlechtsneutral formuliert sind. "Das haben Arbeitgeber mittlerweile verinnerlicht", sagt Eckert. Eine offensichtliche Ungleichbehandlung schon in der Stellenanzeige könne schließlich leicht belegt werden. Entsprechende Verfahren enden oft zu Gunsten des Benachteiligten.

Schwieriger wird es nach Ansicht der Experten, vermeintliche Benachteiligungen im weiteren Verlauf des Bewerbungsverfahrens zu beweisen. Im Streitfall muss die Arbeitnehmerin Tatsachen glaubhaft machen, die eine Benachteiligung wegen des Geschlechts vermuten lassen. Dann muss der Arbeitgeber belegen, dass sachliche Gründe gegen die Einstellung der Frau gesprochen haben.

Welche Fragen im Bewerbungsgespräch beantwortet werden müssen

Welche Fragen in einem Bewerbungsgespräch erlaubt beziehungsweise verboten sind, hat die Arbeitsrechtlerin Daniela Range-Ditz aus Rastatt in dem Buch "Arbeitsrecht für Frauen" für die Verbraucherzentralen zusammengefasst. Demnach dürfen Arbeitgeber in einem Vorstellungsgespräch stets nach den beruflichen und fachlichen Fähigkeiten fragen. Schon die Frage nach dem Gesundheitszustand ist nur eingeschränkt zulässig. Erlaubt ist sie beispielsweise, wenn eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Gesundheit das Ausüben einer Tätigkeit hindern wird, was zum Beispiel für eine Tänzerin mit einem chronischen Wirbelsäulenleiden gilt.

Fragen nach einer Schwangerschaft oder einem Kinderwunsch sind ebenfalls nicht zulässig. "Bei solchen Fragen dürfen die Bewerberinnen lügen", sagt die DGB-Expertin Perreng. "Es ist von Gerichten mehrfach bestätigt worden, dass Frauen hier falsche Angaben machen können, da eine Antwortverweigerung ja schon als Aussage gewertet werden kann." Kann eine Frau eine Diskriminierung belegen, hat sie keinen Anspruch auf Einstellung, sondern auf Schadensersatz.

Literatur: Daniela Range-Ditz: Arbeitsrecht für Frauen, Verbraucherzentrale NRW, ISBN-13: 9-783-93817-462-3, 9,90 Euro.

Hier geht es zur Infostrecke: Bewerbung: Welche Fragen erlaubt sind

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