Arbeitsalltag Die Rückkehr ins Büro organisieren

Die Homeoffice-Pflicht ist weggefallen. Viele Beschäftigte werden nun regelmäßiger im Unternehmen sein – und müssen sich daran erst wieder gewöhnen. Andererseits sind viele Betriebe für flexible Arbeitsmodelle jetzt viel offener.

 Das Leben spielte sich für viele Beschäftigte monatelang im Homeoffice ab: Jetzt gilt es, sich zumindest teilweise wieder ans Büroleben zu gewöhnen.

Das Leben spielte sich für viele Beschäftigte monatelang im Homeoffice ab: Jetzt gilt es, sich zumindest teilweise wieder ans Büroleben zu gewöhnen.

Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Auch wenn die Corona-Zahlen derzeit weiter hoch sind: Seit dem 20. März haben Arbeitgeber es selbst in der Hand, über Corona-Regeln im Betrieb zu entscheiden. Eine entsprechende Verordnung hat das Bundeskabinett beschlossen.

Damit endet auch die gesetzliche Verpflichtung zum Homeoffice. Es liegt künftig in den Händen der Arbeitgeber, ob sie ihren Beschäftigten Homeoffice anbieten wollen. Für Beschäftigte kann das mitunter heißen, dass sie wieder häufiger ins Büro müssen.

Müssen wir uns nun erst wieder ans Büro gewöhnen? „Für viele wird das eine Umstellung“, sagt Utz Niklas Walter vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) in Konstanz. Auch Jutta Rump, Direktorin am Institut für Beschäftigung und Employability (Ibe) in Ludwigshafen, geht davon aus, dass sich Beschäftigte, die lange Zeit nicht vor Ort waren, bei der Rückkehr zunächst mehr denn je wieder den innerbetrieblichen Strukturen anpassen müssen. „Im Homeoffice habe ich natürlich viel mehr Freiheiten“, sagt Rump. So ist die Führungskultur im Homeoffice eine andere als in der Firma. Im Büro kann sich diese wieder zu mehr Beobachtung und Kontrolle entwickeln. Vor Ort würden Utz Niklas Walter zufolge viele Führungskräfte das Geschehen einfach anders bewerten als aus der Distanz.

Welche Herausforderungen bringt die Rückkehr ins Büro? Zum einen werden Pendeln und Wegzeiten wieder verstärkt Thema. Bei den Fahrten wird Beschäftigten oft erst wieder bewusst, wie viel Zeit dabei verloren geht, die sich nicht immer produktiv oder für sich selbst nutzen lässt. „Dieser Zeitverlust wird für viele spürbar sein“, sagt Walter. Er verweist auch auf zwischenmenschliche Herausforderungen: Wer lange Zeit gar nicht im Büro war, hat womöglich erst einmal mit einer gewissen Kontaktfremde zu kämpfen.

Jutta Rump spricht das Thema Konflikte an. Wer im Homeoffice Ärger mit Kollegen hat, kann sich eher erst mal wieder abreagieren. Am nächsten Tag hat sich die Situation meist entspannt. Im Büro hingegen, wo man sich jeden Tag sieht, kann sich ein Konflikt eher hochschaukeln. „Das ist wie eine Art sich selbst verstärkende Schleife.“

Welche Chancen bringt die Rückkehr ins Büro mit sich? Natürlich bringt die Rückkehr ins Büro auch Positives, auf das in langen Homeoffice-Phasen verzichtet werden musste. „Ich habe den Eindruck, alle freuen sich, nun wieder zusammenzukommen“, sagt Jutta Rump. Utz Niklas Walter nennt auch die Arbeitsplatzergonomie: „Man hat häufig bessere Bedingungen, was etwa Bildschirmgröße, Schreibtisch oder auch die Geräuschkulisse angeht.“

Jutta Rump sieht die größte Chance darin, beim Arbeiten wieder im gleichen Raum zu sein. Das bestärkt den Teamspirit. Vor Ort lässt sich zudem flexibler zusammenarbeiten: „Ich rufe einmal durch den ganzen Raum: Können wir mal ganz kurz zusammenkommen? Und zack, sind wir da und stecken die Köpfe zusammen, ohne erst groß ein Meeting organisieren zu müssen“, schildert sie es bildlich. Gerade beim Onboarding neuer Mitarbeiter, bei der Arbeit mit Azubis oder im Zusammenspiel mit Kunden seien das Vorteile.

Wie kann der Arbeitsalltag künftig aussehen? Nur wenige Unternehmen werden wieder komplett auf Präsenz setzen, glaubt Utz Niklas Walter. „Ich denke, dafür wäre das Verständnis jetzt auch nicht mehr da.“ Vielerorts lassen das wohl auch die derzeitigen Infektionszahlen noch gar nicht zu.

Jutta Rump plädiert für einen guten Mix. So ließe sich das Beste aus zwei Welten zusammenführen. In Befragungen zeige sich, dass ein Großteil der Beschäftigten etwa eine Mischung aus zwei Tagen mobiler Arbeit und drei Tagen Büro favorisiert. Letztendlich sei es aber oft eine sehr individuelle Entscheidung, wie Einzelne die für sie infrage kommende Mischform organisieren. „Wir haben jetzt zwei Jahre Erfahrung unter verschärften Bedingungen, die meisten werden wissen, was sie brauchen“, sagt Rump.

So kann es „Büromenschen“ geben, die überwiegend im Office arbeiten wollen, während andere nur zum freitäglichen Austausch vor Ort sind. Wichtig sei, dass es eine gewisse Konstante für die betriebliche Planung gibt. Nur so können Modelle wie Desksharing verlässlich funktionieren.

Wie finden Teams gute Regelungen? Nicht in jedem Unternehmen wird sich auf Anhieb ein perfektes Modell finden. Utz Niklas Walter empfiehlt, dass sich Arbeitgeber und Mitarbeitervertretung gemeinsam auf Homeoffice-Regeln verständigen, die den Wünschen beider Seiten Rechnung tragen.

Es liege aber auch in der Verantwortung der Führungskräfte, proaktiv auf die Mitarbeiter zuzugehen und zu fragen: Wie geht es euch mit der Rückkehr an den Arbeitsplatz? Wie fühlt ihr euch mit den Regelungen?

Auch Jutta Rump hält Umfragen im Unternehmen oder den direkten Austausch in kleineren Betrieben für den richtigen Weg. Allerdings gehe es nicht darum, einfach alle Wünsche einzelner Mitarbeiter zu erfüllen. Entscheidend sei, ein Arbeitsmodell zu finden, das in den betrieblichen Rahmen passt und für das ganze Team realistisch ist. Daher sollten umgekehrt auch Beschäftigte im Austausch mit der Führungsebene zunächst fragen: Was ist möglich? „Und dann kann man mit der verantwortlichen Führungskraft ernsthaft in einen Aushandlungsprozess gehen“, sagt Rump. Davor müsse man sich allerdings selbst darüber klar sein, was man eigentlich will. „Ich sollte eine klare Vorstellung davon haben, was ich gerne möchte und was ich auch unter Berücksichtigung der Kollegen, meiner Aufgaben und des Betriebs für realistisch halte.“

(dpa/tmn)
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