Weniger Lenken, mehr gestalten: Das ist der Chef von Morgen

Weniger Lenken, mehr gestalten : Das ist der Chef von Morgen

Der Chef als überlegener Superheld ist eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Damit Unternehmen in Zukunft effizient funktionieren, müssen Führungskräfte die Stärken ihres Teams kennen. Wir erklären, wie der Chef von Morgen aussieht.

Führung ist im Wandel — weg vom Expertentum und Verwalten hin zum Delegieren und Gestalten. "Aus Experten werden Macher, und im Idealfall Integratoren", beschreibt Führungskräfte-Coach Natalia Hoffmann-Demsing diesen Prozess.

So wie sich die Angebote der deutschen Unternehmen wandeln — von der Produktion hin zur Dienstleistung — wandelt sich auch die Struktur der Firmen. In der Wirtschaft steht immer mehr der Wunsch nach Gewinn im Vordergrund, Unternehmen müssen dynamisch und schnell sein. "Die wichtigste Ressource der Unternehmen, die Mitarbeiter, werden da schnell vergessen", weiß Hoffmann-Demsing. "Und genau deswegen ist eine effektive Führung des Personals wichtig. Nur so können Mitarbeiter ihre maximale Leistungsfähigkeit erreichen."

Keine Führungstrainings

Während früher vor allem die Menschen zu Führungskräften gemacht wurden, die sich als Experten und Einzelkämpfer bewehrt hatten, sind heute jene gefragt, die ihr Team richtig koordinieren und einsetzen können. "Leider gibt es Unternehmen, in denen Menschen zu Führungskräften befördert werden, ohne jemals ein einziges Führungstraining gemacht zu haben", sagt die Expertin. Doch gerade Führungskompetenz wird den Wenigsten in die Wiege gelegt. Das Problem: Die sogenannte "systemische Führung" verlangt von einem Chef, dass er seine Mitarbeiter in Arbeitsprozesse integrieren und die eigenen Bedürfnisse nach Anerkennung zurückstellen kann.

"Heute muss man über Vertrauen führen und ein Vorbild für seine Mitarbeiter darstellen", erklärt Hoffmann-Demsing. "Ein guter Chef kennt die Stärken und Fähigkeiten des Personals, und weiß sie richtig einzusetzen. Gleichzeitig überlässt er anderen auch einen Teil der Verantwortung."

Die schwierigste Aufgabe der "neuen" Führungskräfte ist zu wissen, was sie selbst nicht so gut können. "Führen hat viel mit Empathie, Feinfühligkeit und Ehrlichkeit zu tun", so der Führungskräfte-Coach. Chefs müssen beispielsweise wissen, wie sie konstruktives Feedback geben ohne persönlich zu werden, und mit welchen Aufgaben sie ihre Mitarbeiter überfordern.

Für die Unternehmen hat diese Art der Führung viele Vorteile. Die Mitarbeiter sind weniger krank, die Fluktuation des Personals ist niedriger und die Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer höher, als in Firmen, in denen ein vermeindlich allwissender Chef über die Belegschaft regiert. Innovative und moderne Unternehmensführungen unterstützen ihre Führungskräfte deshalb in diesen Wandlungsprozessn und erkennen die neue Art der Führung an.

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(anch)