Generation in der Warteschleife: Zeitvertrag statt Praktikum

Generation in der Warteschleife : Zeitvertrag statt Praktikum

Es ist still geworden um die "Generation Praktikum". Könnte daran liegen, dass viele Praktikanten mit ihrem Job zufrieden sind. Doch danach stecken die meisten weiter in der Warteschleife.

Eigentlich haben sie alles richtig gemacht: Guter Abschluss, Auslandserfahrung, Engagement. Doch glaubt man dem Klischee der "Generation Praktikum", hangeln sich viele junge Akademiker trotzdem nur von einem unterbezahlten Praktikum zum anderen. Mittlerweile aber - so lassen Erhebungen vermuten - passt dieses Etikett nicht mehr. Dennoch hängt die Generation in der Warteschleife: Jeder dritte junge Akademiker bekommt nur einen Zeitvertrag.

Die meisten Praktikanten geben ihrem Arbeitgeber in Umfragen gute Noten. Fast immer gibt es Geld, im Schnitt 736 Euro, wie aus einer neuen Erhebung unter Nutzern der Jobbörse Absolventa hervorgeht.
Unbezahlte Praktika sind demnach die Ausnahme. Vor allem in Branchen wie Pharma und IT werden Hospitanzen meistens vergütet. 82 Prozent der Praktikanten sind zufrieden mit ihrer Hospitanz, immerhin 43 Prozent auch mit dem Gehalt.

Die viel propagierte "Generation Praktikum" habe es in Wahrheit auch nie gegeben, sagt der Absolventenforscher Karl-Heinz Minks vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Im ganzen naturwissenschaftlich-technischen Bereich hätten Praktika nie eine Rolle gespielt. Kettenpraktika habe es wenn überhaupt nur in der Medienbranche und der Wirtschaftsberatung gegeben. Vor allem bei den Geisteswissenschaftlern habe die Zahl der Praktika im letzten Jahrzehnt außerdem deutlich abgenommen.

Beim Deutschen Gewerkschaftsbund DGB ist ein anderer Eindruck entstanden. Noch immer würden qualifizierte Hochschulabsolventen und junge Menschen mit Berufsausbildung als Praktikanten ausgebeutet, erklärte DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller kürzlich. Die Gewerkschafter wehrten sich gegen Ideen von Union und SPD, den Mindestlohn auch auf Praktikanten auszuweiten. Junge Akademiker sollen aus ihrer Sicht als richtige Arbeitnehmer, und nicht als Praktikanten eingestellt werde. Im Koalitionsvertrag taucht das Vorhaben nicht mehr auf.

Einen Job bekommen nach dem Praktikum die wenigsten von ihrem Arbeitgeber angeboten. In der Absolventa-Umfrage gaben nicht einmal zehn Prozent an, nachher im Praktikumsunternehmen fest angestellt worden zu sein. Die meisten blieben nur privat mit ihren Kollegen in Kontakt, jeder vierte überhaupt nicht. Mehr Transparenz in puncto Jobaussichten nach dem Praktikum wünscht sich auch die EU-Kommission. Sie will in dieser Woche einen Qualitätsrahmen für Praktika vorstellen, der sicherstellen soll, dass junge Leute nicht ausgebeutet werden.

Und dann sind da noch Praktikanten wie Jonas. Der 25 Jahre alte angehende Banker hat in London studiert. Jetzt nimmt er sich eine Auszeit zwischen Bachelor und Master. Vier Praktika hat er in Deutschland gemacht und immer zwischen 1000 und 1500 Euro verdient. Solche Anstellungen machten Sorgen, sagt Minks. "Besonders hoch bezahlte Praktikanten ersetzen oft normale Arbeitskräfte."

Mehr denn je gehen Praktikum und befristete Beschäftigung Hand in Hand. 29 Prozent der jungen Akademiker werden erstmal nur auf Zeit eingestellt. Noch viel höher sind die Quoten im staatlichen Dienst, etwas besser in der Wirtschaft. Von einer "Generation Zeitarbeit" wollen Arbeitgeber trotzdem nicht sprechen. Eine befristete Stelle sei ein guter Einstieg, sagte der damalige Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt im Sommer. Was er nicht sagte: Gerade einmal jeder zweite wird nach einem befristeten Job auf Dauer übernommen.

Hier geht es zur Infostrecke: Diese Rechte haben Praktikanten

(dpa)