Nicht nur die Note zählt: Schwieriger Zugang zum Zweitstudium

Nicht nur die Note zählt : Schwieriger Zugang zum Zweitstudium

Wenn das abgeschlossene Studium nicht zu den Anforderungen des Wunschberufs passt, kann man sich ein zweites Mal einschreiben. In zulassungsbeschränkten Fächern bekommt allerdings nicht jeder einen Platz. Auf die Begründung kommt es an.

Ohne grundlegende Kenntnisse in Wirtschaftswissenschaften wird es auf dem Arbeitsmarkt schwer — eine Erkenntnis, die Sabrina Eimler schon während ihrer ersten Semester im Studiengang "Angewandte Kommunikationsund Medienwissenschaften" an der Universität Duisburg-Essen gewann.

"Ich hatte ein Praktikum gemacht, und wir hatten in Vorlesungen einige Experten aus der Praxis gehört, und immer wieder wurde klar: Um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt maximal zu erhöhen, braucht man entsprechendes Wissen in VWL und BWL."

Zweitstudenten im Schnitt 29,5 Jahre alt

Sabrina Eimler handelte: Sie schrieb sich zusätzlich in den Bachelor "Kulturwirt" ein, um beide Bachelor-Abschlüsse in der Tasche zu haben. Heute verfügt die 29-jährige Doktorandin außerdem über zwei verschiedene Masterabschlüsse.

Der Unterschied zwischen dem klassischen "Zweitstudenten" und Sabrina Eimler: Er absolviert die Studiengänge nacheinander und nicht parallel. Und so ist er im Durchschnitt 29,5 Jahre alt — und damit rund fünf Jahre älter als seine Kommilitonen, die das Fach im Erststudium studieren.

Rund 72.000 Studenten streben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im laufenden Wintersemester eine doppelte akademische Qualifikation durch ein Zweitstudium an. Absolventen mit Diplom-, Staatsexamen- oder Magisterabschluss finden vor allem die Bachelor- und Masterstudiengänge interessant. Denn die dauern im besten Fall nur drei beziehungsweise zwei Jahre. In den traditionellen Studiengängen, die in Deutschland ohnehin auslaufen, gibt es deutlich weniger Zweitstudenten.

Den Hauptgrund für das Zweitstudium liefert eine Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems: Die Studenten wollen ihre Chancen im Beruf verbessern. Mehr als zwei Drittel gab als Motiv für die akademische Weiterbildung die berufliche Orientierung an. Rund 80 Prozent erwarten eine Verbesserung der beruflichen Chancen.

"Es kommt gar nicht so selten vor, dass wir Menschen beraten, die sich umorientieren wollen", sagt Barbara Berkhuijsen, Leiterin des Akademischen Beratungs- Zentrums der Universität Duisburg- Essen.

"Etwa eine Ingenieurin, die nach einer langen Familienphase keine Chance mehr in ihrem Job hat und nun Grundschullehrerin werden möchte." Weiterkommen im Job, eine neue Lebenssituation oder der langgehegte Wunsch, endlich im Traumberuf zu arbeiten, seien Gründe für ein Zweitstudium, die sie in der Beratung häufig höre.

Zielstrebige Zweitstudenten

So auch für Sabrina Eimler, die sich mit ihren zwei Bachelor- und zwei Masterabschlüssen gut gerüstet fühlt — für eine Karriere sowohl an der Hochschule als auch in der Wirtschaft.

"Ich bin 29 Jahre alt und habe vier Abschlüsse — hätte ich das alles hintereinander gemacht, wäre ich deutlich älter. So oder so: Wer sich für ein zusätzliches Studium entscheidet, weiß immer, warum er es macht. Den künftigen Traumjob im Blick zu haben ist wichtig, aber man muss sich auch wirklich für das Fach interessieren. Sonst kann man die Motivation nicht aufbringen, seine Freizeit zu opfern. Dann schafft man es nicht."

Deutlich zielsicherer als ihre Kommilitonen würden die "Wiederholungstäter" durchs Studium gehen, so Barbara Berkhuijsen. "Sie ziehen das Ganze meist zügig durch." Schließlich bleibt während des zweiten Studiums auch kaum Zeit für einen Beruf. Schon allein aus finanziellen Gründen muss es schnell gehen mit dem zusätzlichen Abschluss.

Die Chance, überhaupt ein Zweitstudium beginnen zu können, ist nicht selbstverständlich. "Wer ein erstes Studium an einer deutschen Hochschule erfolgreich abgeschlossen hat und sich wieder einschreiben möchte, ist Zweitstudent. Für ihn gibt es bei zulassungsfreien Studiengängen keine Hindernisse, bei den vielen zulassungsbeschränkten Fächern allerdings einige Restriktionen. Verständlicherweise, schließlich sollen die Plätze zunächst denjenigen geöffnet sein, die zum ersten Mal studieren."

Punkte für Begründung

Drei Prozent der Studienplätze hält die Uni Duisburg-Essen in den zulassungsbeschränkten Fächern für Zweitstudenten frei. Das ist von Uni zu Uni unterschiedlich. "Auf diese Plätze muss man sich bewerben — mit der Note des Erststudiums und einer Begründung, warum das Zweitstudium nötig ist: etwa aus beruflichen oder wissenschaftlichen Gründen", erklärt Berkhuijsen.

"Für Note und Begründung gibt es Punkte — und die führen zu einem Ranking der Bewerber." Das Zweitstudium kostet in Nordrhein-Westfalen übrigens nichts zusätzlich. Es fallen lediglich die normalen Semestergebühren an. "Es ist ein hartnäckiges Gerücht, dass das Zweitstudium teuer bezahlt werden muss."

Hier geht es zur Infostrecke: Abkürzungen: ABC für Erstsemester

(chk/csi)