Neue Impulse für den Alltag: Berufliche Auszeiten: Raus aus dem Hamsterrad

Neue Impulse für den Alltag : Berufliche Auszeiten: Raus aus dem Hamsterrad

Hamburg (RPO). Wer hat nicht schon mindestens einmal davon geträumt, aus dem Arbeitsalltag auszubrechen? Was für eine schöne Vorstellung: Ein halbes Jahr ohne Wecker, Schlips und Anzug. Massenhaft Zeit für Familie und Hobbys. Oder monatelang in der Weltgeschichte herumreisen. Das muss aber gut geplant sein.

"Konkret wird der Wunsch nach einer Auszeit meist erst dann, wenn man mit seinem derzeitigen Leben unzufrieden ist", sagt der Benediktinerpater Mauritius Wilde, Co-Autor des Buches "Ausstieg auf Zeit". Menschen würden sich dann oft fühlen wie in einem Hamsterrad, aus dem sie nicht entkommen können. "In einer solchen Situation suchen viele nach einer großen Lösung", sagt Pater Mauritius. Den Job kündigen, die Scheidung einreichen oder ähnlich radikale Schritte. Letztlich würden viele dann gar nichts machen, weil sie sich nicht trauen oder weil sie sich gegenüber Familie, Kollegen und Freunden verantwortlich fühlen.

Wer etwas in seinem Leben ändern möchte, sollte Neues in kleinen Schritten ausprobieren. "Kurze Auszeiten bringen einen häufig auf den richtigen Weg", sagt Pater Mauritius. Man könne sich zum Beispiel einen Tag lang von seinen beruflichen und familiären Verpflichtungen frei nehmen. Wichtig sei, nichts Konkretes zu planen, sondern seinen Bedürfnissen nachzuspüren. Einige Menschen möchten allein sein und gehen in die Natur, andere suchen die Begegnung mit bestimmten Personen.

Oft entdecke man dabei wohltuende Aktivitäten oder Rituale, die man in seinen Alltag einbauen möchte. Manchmal verstärke sich auch der Wunsch nach einer längeren Auszeit. Wie man diese gestalten möchte, hängt von jedem Einzelnen ab. Es könnte einem zum Beispiel um Erholung gehen, um Zeit für die Familie, um berufliche Weiterbildung oder um eine generelle Neuorientierung.

"Man sollte sich in diesem Prozess nicht scheuen, andere um Rat zu fragen", sagt Pater Mauritius. Dafür lässt sich zum Beispiel mit guten Freunden sprechen oder mit Leuten, die selbst schon einmal eine Auszeit genommen haben. Helfen können einem auch Seelsorger, Psychologen, Jobcoaches oder andere professionelle Berater.

Konkrete Lösungen für die Auszeit im Job überlegen

Die Unterbrechung ihrer beruflichen Tätigkeit ist für die meisten Menschen die größte Hürde, eine längere Pause einzulegen. Im öffentlichen Dienst gibt es Regelungen für bezahlte und unbezahlte Auszeiten. In der freien Wirtschaft müssen Chefs und Angestellte meist individuelle Abmachungen treffen. Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Auszeit haben Arbeitnehmer nicht.

"Bevor man mit seinen Wünschen zur Personalabteilung oder zum Chef geht, sollte man sich möglichst konkrete Lösungen überlegen", sagt Heike Reuther, Autorin des Buches "Berufliche Auszeit". Man kann seine Abwesenheit zum Beispiel für eine saisonbedingte Flautenzeit einplanen. Manchmal ist es möglich, dass Kollegen oder Praktikanten die eigenen Aufgaben zeitweilig übernehmen.

Auch bei der vertraglichen Gestaltung einer Auszeit lassen sich oft kreative Wege finden. Manchmal können einen etwa Arbeitszeitkonten oder Teilzeitverträge ermöglichen, dass das Arbeitsverhältnis während der Pause weitergeht. Dies hat den Vorteil, dass man weiterhin sozial- und krankenversichert ist. "Dafür muss man frühzeitig konkrete Vereinbarungen treffen und zum Beispiel seine Stunden aufstocken", sagt Reuther.

Wichtiger Faktor: Die Kosten der Auszeit

Keinesfalls dürfen die Kosten der Auszeit außer Acht gelassen werden. Dafür sollte man realistisch kalkulieren und sich möglichst ein finanzielles Polster angespart haben. Dies gelte verstärkt, wenn man freiberuflich tätig ist oder sein Arbeitsverhältnis für die Auszeit kündigt. Denn dann müsse man auch die Krankenversicherung und ähnliches bezahlen.

Vor und während einer längeren Auszeit gilt es auch, sich den Wiedereinstieg in das Berufsleben zu erleichtern. "Wer in seinen alten Job zurückkehrt, sollte sich über wichtige Entwicklungen informieren und den Kontakt zu den Kollegen nicht abreißen lassen", empfiehlt Reuther. Diejenigen, die nach neuen Tätigkeiten suchen, können sich in Ruhe auf dem Stellenmarkt umtun oder neue Branchen erforschen, unter Umständen durch ein Praktikum.

Wie geht man mit der Angst um, sich später nicht wieder in den Alltag einfügen zu können? "Die Rückkehr ist ein wichtiger Realitätstest", sagt Pater Mauritius. Den meisten Menschen gehe es nicht darum, aus allen Verantwortungen ihres bisherigen Lebens auszusteigen. Deshalb würde bei fast allen nach einiger Zeit die Sehnsucht nach der alten Wirklichkeit einsetzen.

Man brauche nicht zu befürchten, dass nach einer Auszeit alles wieder so sei wie zuvor. "Jede neue Erfahrung verändert einen", sagt Pater Mauritius. Nach einer Familienzeit zum Beispiel verschieben sich häufig die persönlichen Karriereziele. Wer etwa auf Reisen andere Kulturen erlebt habe, reagiere häufig gelassener auf den deutschen Alltag.

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(afp2)