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Typisch Junge, typisch Mädchen: Azubis wählen Berufe nach Geschlecht

Typisch Junge, typisch Mädchen : Azubis wählen Berufe nach Geschlecht

Stuttgart/Bielefeld (RPO). Mehr als 70 Prozent aller Mädchen wählen typische Frauenberufe. Die Hälfte der männlichen Schulabgänger sucht sich einen handwerklich-technischen Job. Dabei haben beide Geschlechter manches Mal bessere Chancen, wenn sie einen für sie ungewöhnlichen Beruf wählen.

Viele Mädchen fürchten, den Anforderungen in technischen Berufen nicht zu genügen - obwohl sie in der Schule erfolgreicher sind als Jungs. Das geht aus Untersuchungen hervor, die das Kompetenzzentrum Technik, Diversity, Chancengleichheit in Bielefeld auf der Bildungsmesse Didacta in Stuttgart vorgestellt hat. Knapp jede zweite zögere, einen solchen Beruf zu ergreifen, weil sie keine dort tätigen Frauen kennt. Das seien zwei von vielen Gründen, warum Mädchen in den sogenannten MINT-Fächern wie Mathematik, Informatik, Technik und Handwerk unterrepräsentiert sind.

Mehr als 70 Prozent aller Mädchen wählten einen von 20 frauentypischen Berufen, etwa Friseurin oder Arzthelferin. Diese Berufe zeichneten sich häufig durch geringe Aufstiegschancen und vergleichsweise niedrige Gehälter aus, sagte Carmen Ruffer vom Kompetenzzentrum. Dass Mädchen bestimmte Berufsbilder wählen, hänge stark mit dem Image des Jobs zusammen. So spreche die Berufsbezeichnung "Assistent" zum Beispiel vor allem Mädchen, aber kaum Jungs an.

Jungs auch für untypische Jobs begeistern

Auch bei den Jungs liegen typische Männerberufe hoch im Kurs. Mehr als 50 Prozent der jungen Männer entscheiden sich für einen von 20 Jobs, vor allem aus dem handwerklich-technischen Bereich. Ziel des vom Bundesfamilienministerium geförderten und vom Kompetenzzentrum betreuten Projektes "Neue Wege für Jungs" sei es, Jungen das Spektrum der Berufe aufzuzeigen und sie auch für eher untypische Jobs zu begeistern, erklärte Miguel Diaz vom Kompetenzzentrum.

Allerdings gibt es dabei ein Problem: Während es für Frauen in der Regel einen sozialen Aufstieg bedeute, wenn sie einen Männerberuf wählen, sei das bei den Jungs genau umgekehrt. Deswegen sind die sogenannten Frauenberufe für Jungs wenig attraktiv. Dabei bieten sie insbesondere gering qualifizierten Jungs Chancen, sagte Diaz. Denn in den klassischerweise von ihnen gewählten Berufen verschwänden immer mehr Arbeitsplätze. "Die Arbeitsmarktchancen werden schlechter." Dagegen gewinne der Dienstleistungssektor an Bedeutung. Dort gibt es mehr Jobs, "aber die werden eben meistens von Mädchen gewählt".

Untersuchungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn zeigten überdies, dass viele Jugendliche die Fülle der verschiedenen Berufe nicht kennen, so Carmen Ruffer. So berichteten 46 Prozent der Jugendlichen von Berufsbezeichnungen, unter denen sie sich gar nichts vorstellen können.

Internet: www.neue-wege-fuer-jungs.de; www.girls-day.de

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(tmn)