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Was man über Mehrarbeit wissen sollte

Arbeitsrecht : Überstunden - was Ihr Chef von Ihnen verlangen kann

Schuften, wenn andere längst Feierabend haben: Überstunden zu machen, ist für viele Arbeitnehmer normal. Wie viel Sie aber tatsächlich arbeiten müssen und welche Folgen permanente Mehrarbeit für die Gesundheit hat, haben wir Experten gefragt.

Rund 443 Millionen Überstunden leisteten Arbeitnehmer allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2018 in Deutschland, offenbart eine Übersicht des Bundesinstituts für Arbeitsmarktforschung (IAB). Die meisten davon sind sogar unbezahlt. Laut Statistik arbeitete jeder Arbeitnehmer in den ersten vier Monaten des Jahres rund sechs Stunden unentgeltlich. Hinzu kommen mehr als fünf bezahlte Überstunden. Angestellte mit Führungsaufgaben leisten im Schnitt laut einer Übersicht des IAB sogar monatlich rund 14,6 unbezahlte Überstunden.

In kaum einem anderen EU-Land werden damit so viele nicht bezahlte Überstunden geleistet wie hierzulande. Was aber sagt das Arbeitsrecht zu dauernder Mehrarbeit, und wie schröpft sie unsere Gesundheit?

  • Wie viele Überstunden sind erlaubt?

Mehr als elf Prozent der Vollbeschäftigten arbeiteten laut Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2016 mehr als 48 Stunden pro Woche - mehr als gesetzlich erlaubt. Das Arbeitszeitgesetz hält eine werktägliche Arbeitszeit von grundsätzlich acht Stunden fest. Allerdings gibt es dazu eine Reihe von Ausnahmen, erläutert Amelie Schäfer, Arbeitsrechtlerin bei der Kanzlei CMS in Düsseldorf.

„Leitende Angestellte sind laut Paragraf 18 des Arbeitszeitgesetzes von dieser Regelung ebenso ausgenommen wie Chefärzte oder Pfarrer. Auch für normale Arbeitnehmer kann die Arbeitszeit auf zehn Stunden ausgedehnt werden, wenn die durchschnittliche Arbeitszeit innerhalb von sechs Monaten bei nicht mehr als acht Stunden täglich liegt.“

  • Müssen Überstunden geleistet werden?

„Es gibt keine gesetzliche Grundlage, die besagt, dass ein Arbeitnehmer Überstunden machen muss“, sagt Schäfer. Dennoch kann der Arbeitgeber Überstunden anordnen. Er kann sich dabei auf das sogenannte Direktionsrecht beziehen - auch Weisungsrecht genannt. Das erlaubt es ihm, den Inhalt, Ort und die Arbeitsleistung zu bestimmen. Regelungen dazu finden sich meist im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder in Betriebsvereinbarungen. Allerdings ist dieses Recht nicht grenzenlos. Der Arbeitgeber muss die Interessen des Arbeitnehmers berücksichtigen und dabei den Einzelfall im Auge behalten.

Auch gilt: Dauerhaft mehr zu arbeiten als im Vertrag vereinbart, nur weil im Unternehmen zu viel Arbeit anfällt, ist ebenfalls nicht statthaft. Ihr Chef müsste dann entweder Ihren Arbeitsvertrag so ändern, dass es nicht mehr zu Überstunden kommt oder zusätzliches Personal einstellen. Existiert im Unternehmen ein Betriebsrat, braucht der Vorgesetzte vor der Anordnung von Überstunden seine Zustimmung.

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  • Wie kurzfristig darf der Chef Überstunden verlangen?

Die Warenanlieferung kommt zu spät oder das aktuelle Projekt droht baden zu gehen. Darum ordnet der Chef Überstunden an. Ihre Konzertkarten können Sie damit getrost in die Tonne werfen. Im Einzelfall darf er das verlangen. „Wohl aber kann man in einem solchen Fall darüber verhandeln, wer die Kosten für den ausgefallenen Kulturabend übernimmt“, sagt Schäfer.

  • Wie muss der Ausgleich für Überstunden erfolgen?

Überstunden werden entweder per Bezahlung oder Freizeit abgegolten. Geregelt ist das im Arbeitsvertrag, in den Tarif- oder Betriebsvereinbarungen. Dort sind auch mögliche Zuschlagszahlungen vereinbart. Hält der eigene Arbeitsvertrag lediglich die wöchentliche Arbeitszeit fest, muss darüber hinaus geleistete Arbeit bezahlt werden. Manchmal regelt dieser, dass der Ausgleich ausschließlich durch Freizeit erfolgen kann. Frank Brenscheidt, Arbeitszeitexperte der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), rät dazu, diese Variante zu bevorzugen und mehr geleistete Arbeit stets zeitnah durch freie Tage auszugleichen.

  • Wie schaden Überstunden der Gesundheit?

Zu viel Arbeit macht Stress, und Stress macht krank. Obwohl das die meisten wissen, arbeitet die Hälfte der Beschäftigten auch außerhalb der regulären Arbeitszeit. Dabei haben schon zwei Überstunden pro Woche gesundheitliche Folgen, sagt Brenscheidt. Dazu zählen neben Rücken-, Nacken- und Kreuzbeschwerden auch Herzprobleme, Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme oder Erschöpfung und Nervosität.

Wer zu lange und zu viel arbeitet, ist zudem weniger produktiv und erleidet schneller Unfälle. Besonders Arbeitszeiten jenseits der Zehn-Stunden-Marke sind laut Forschungsergebnissen sehr riskant. In einer Metastudie, die 60.000 Erwerbstätige in den Blick nahm, zeigte sich ein bis zu ein Drittel erhöhtes Schlaganfallrisiko bei überlangen Arbeitszeiten.

  • Wie viel Arbeit ist gesund?

Wer alles richtig machen möchte, sollte als Richtwert die Acht-Stunden-Marke im Auge behalten. Studien belegen, dass diese Arbeitszeit, an fünf Tagen in der Woche geleistet, als optimal gilt.

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