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Sexismus am Arbeitsplatz: So erkennen Sie unsittliches Verhalten

Unsittliches Verhalten am Arbeitsplatz : So erkennen Sie Sexismus

Sexuelle Belästigung ist ein bekanntes Problem in der Arbeitswelt. Spöttische oder anzügliche Bemerkungen zu Lasten des anderen Geschlechts können große Folgen haben – bis hin zur Kündigung.

Sexuelle Belästigung ist ein bekanntes Problem in der Arbeitswelt. Spöttische oder anzügliche Bemerkungen zu Lasten des anderen Geschlechts können große Folgen haben — bis hin zur Kündigung.

Mehr als jede zweite Frau und jeder dritte Mann hat schon Erfahrung mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gemacht. Dabei handelt es sich in vielen Fällen nicht um körperliche Übergriffe, sondern oft sind es sexistische Äusserungen, die den Opfern zu schaffen machen.

Doch was genau ist "Sexismus"? Laut Definition wird bei diesen Aussagen, eine Haltung demonstriert, die darauf abzielt einen Menschen des anderen Geschlechts zu benachteiligen beziehungsweise zu diskriminieren, vor allem im Hinblick auf Frauen. Mittlerweile hat sich die Bedeutung etwas gewandelt und der Ausdruck wird als Überbegriff für jede Form von Benachteiligung aufgrund des Geschlechts benutzt.

Was ist erlaubt - und was nicht?

Aufdringliches Verhalten in jeder Form stellt eine Form des Übergriffs dar, insofern der andere nicht eingewilligt hat. Ein lockerer Flirt etwa, der von beiden Seiten gewollt ist, fällt nicht in diese Kategorie. Grenzüberschreitungen wie ein ironischer Unterton, ein zweideutiges Lächeln oder gar unangebrachter Körperkontakt sind dagegen eindeutig problematisch. Sobald einer der Konversationspartner das Gefühl bekommt, das Gespräch oder die Situation gehe auf seine Kosten, ist die Grenze zum Sexismus erreicht - wenn nicht längst überschritten.

Ein schmaler Grat

Zu schwierigen Debatten führt dieses Thema häufig, da die Abgrenzung zwischen Humor und Sexismus, Ironie und Übergriff auch der subjektiven Wahrnehmung unterliegt. Nicht immer werden eindeutige diskriminierende Sprüche geklopft, und nicht jeder spitze Kommentar ist persönlich gemeint. Ganz abgesehen davon, dass nicht jeder Mensch auf die gleiche Weise empfindlich ist, oder auch gut Konter geben kann.

Grundsätzlich gilt aber: Wer sich sexistischen Äußerungen oder gar Handlungen ausgesetzt fühlt, sollte unbedingt aktiv werden. Vielen Opfern sind die Übergriffe peinlich oder sie wissen nicht, wie sie sich wehren sollen, so dass sie das Prozedere lange über sich ergehen lassen. Dabei ist das Gesetz auf ihrer Seite.

Von der Abmahnung bis zu Kündigung

Um die Situation am Arbeitsplatz zu verbessern wurde bereits 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), auch Antidiskriminierungsgesetz, eingeführt. Damit erhalten Arbeitnehmer die Möglichkeit strafrechtlich gegen Arbeitgeber und Privatpersonen vorzugehen, wenn sie sie unter anderem aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion aber auch wegen ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Identität diskriminieren. Seitdem müssen zum Beispiel Stellenausschreibungen grundsätzlich geschlechtsneutral geschrieben werden.

Jede Aktion kann Folgen haben

Wer trotzdem eine unangemessene Haltung gegenüber seinen anders geschlechtlichen Kollegen an den Tag legt, riskiert eine Kündigung. So hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf in einem konkreten Fall die fristlose Entlassung eines Jugendamtsleiters für richtig erklärt. Er war in mehreren Fällen durch sexuell grenzüberschreitende Äußerungen gegenüber Kollegen auffgefallen, und das auch in Anwesenheit von Mitarbeiterinnen. Die Richter waren sich in dem Prozess einig, dass der Kläger in mehreren Fällen durch sexuell grenzüberschreitende Äußerungen seine Pflichten als Jugendamtsleiter erheblich verletzt hatte. Zumal die Äußerungen jedenfalls teilweise Jugendliche betrafen. Aufgrund der Beweislage war auch keine vorherhige Abmahnung nötig.

Die einzigen Ausnahmen von dem geschlechterübergreifenden Verhaltenskodex des AGG stellen nur Tätigkeitsfelder, die ein bestimmtes Geschlecht als Bedingung für ihre Ausübung festlegen. Laut ARAG Experten fällt darunter zum Beispiel ein Mädcheninternat, für das ausschließlich weibliche Betreuungskräfte gesucht werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Slutwalks - Ein Statement gegen Sexismus

(ham)