Diskriminierungsklage gescheitert: "Ossis" sind kein eigener Volksstamm

Diskriminierungsklage gescheitert : "Ossis" sind kein eigener Volksstamm

Stuttgart (RPO). Ostdeutsche können nicht gegen Diskriminierung klagen, wenn ihre Bewerbung auf Grund ihrer regionalen Herkunft abgelehnt wurde. Ostdeutsche seien kein eigener Volksstamm und könnten sich in solchen Fällen nicht auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz berufen, begründete das Arbeitsgericht Stuttgart seine Entscheidung.

"Unter ethnischer Herkunft ist mehr zu verstehen als nur regionale Herkunft", sagte der Vorsitzende Richter zur Begründung. Geklagt hatte eine gebürtige Ostberlinerin, die sich diskriminiert fühlt, weil sie bei einer Stellenbewerbung angeblich aufgrund ihrer Herkunft abgelehnt wurde.

Die Frau, die seit 22 Jahren im Großraum Stuttgart lebt, hatte sich im vergangenen Sommer als Buchhalterin bei einem Stuttgarter Fensterbauer beworben. Die 48-Jährige wurde abgelehnt. Auf den zurückgesandten Bewerbungsunterlagen hatte die Firma handschriftlich ein Minuszeichen vermerkt und dahinter das Wort "Ossi".

Der Firma zufolge wurde die Frau allein abgelehnt, weil sie für die Stelle zu wenig qualifiziert gewesen sei. Das Minus auf der Bewerbung sei ein Zeichen für die "fehlende Qualifikation" gewesen, sagte der Geschäftsführer vor Gericht aus. Der Ausdruck "Ossi" sei positiv gemeint gewesen. Das Unternehmen habe "sehr gute Erfahrungen" mit Mitarbeitern aus Ostdeutschland. Die rein "interne Notiz" sei versehentlich an die Klägerin gelangt. Das Unternehmen habe sich damals telefonisch umgehend dafür entschuldigt.

Die ausführliche Urteilsbegründung erfolgt schriftlich. Der Anwalt der Klägerin will erst im Anschluss entscheiden, ob er Rechtsmittel einlegt.

(DDP/mais)
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