Falkenstein: Als Quereinsteiger den eigenen Bauernhof betreiben

Falkenstein : Als Quereinsteiger den eigenen Bauernhof betreiben

Der Beruf des Landwirts ist wieder attraktiv. Viele Aussteiger und junge Menschen träumen vom eigenen Hof. Doch der Beruf ist anspruchsvoll.

Moritz Kremer schaut auf seine Herde im Stall – 60 braune Milchziegen, alle kennt der 29 Jahre alte Landwirt beim Namen: "Keine Ziege ist wie die andere, jede hat ihren eigenen Kopf." Kremer hat sich seinen Traum erfüllt: Der Großstädter ist aufs Land gezogen, um Milchziegenbauer zu sein. Sein Hof liegt im Bayerischen Wald.

Kremer ist Quereinsteiger. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung als Bauzeichner. "Während der Lehre habe ich gemerkt, dass ich ein Landwirtschafts-Gen habe." Er sattelte auf Bauer um; die Familie kaufte einen leerstehenden Reiterhof in Falkenstein.

Kremer liegt im Trend: Der Beruf des Landwirts gilt wieder als attraktiv. Viele Interessenten besitzen keinen Hof, können sich aber ein Leben als Bauer vorstellen. Es sind junge Einsteiger, die ein Studium oder eine Ausbildung absolviert haben, aber auch Aussteiger aus anderen Berufen mit Kapital im Rücken. Doch der Beruf ist anspruchsvoll: Management, Marketing, Vertrieb und Personalführung sind mindestens so wichtig wie die Stallarbeit. Viele Quereinsteiger machen daher zunächst eine Lehre als Landwirt oder studieren an der Hochschule. In Weihenstephan-Triesdorf kommt die Hälfte der Studenten im Studiengang Landwirtschaft nicht "vom Hof".

Für Neueinsteiger besteht das größte Problem darin, einen Hof zu finden. Dabei gaben laut Statistischem Bundesamt rund zwei Drittel aller Betriebe an, dass sie keinen Nachfolger haben oder die Nachfolge ungeklärt ist. Christian Vieth hat daher die Hofbörse "hofgründer.de" ins Leben gerufen. Sie soll Landwirte ohne Hof mit Altbauern ohne Nachfolger zusammenbringen. 3000 Kontakte konnte das Netzwerk nach eigenen Angaben allein 2012 herstellen. Mit guten Konzepten fänden viele Einsteiger ihre Nische.

Auch die EU-Landwirtschaftsminister wollen gegen das Höfesterben vorgehen. Sie haben sich zuletzt auf eine Reform der EU-Agrarpolitik geeinigt. Zu den Gewinnern zählen Junglandwirte unter 40 Jahren. Sie sollen Extrafördergelder bekommen, wenn sie einen Hof übernehmen oder einen eigenen Betrieb aufbauen.

(dpa)
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