Zukunft Bauen: Wie aus einem Bunker eine Wohnanlage wird

Zukunft Bauen: Wie aus einem Bunker eine Wohnanlage wird

Der Bunker am Marienplatz in Fischeln bietet den Planern vor allem eines: viel Platz. Hier liegt auch der Schlüssel für die Erschließung der Betonburg als Wohnanlage.

Steht man vor dem Gebäude, kann man sich schwer vorstellen, wie aus diesem Mittelding zwischen Burg, Berg und Eiger-Nordwand einmal ein Wohngebäude werden soll. Der Plan, den Hendrik und Heinz Hambloch entwickelt haben, macht sich den entscheidenden Vorteil des Komplexes zunutze: seine schiere Größe. "Wir können großzügig planen", sagt dann auch Heinz Hambloch.

Was für ein Klotz, was für ein Gebäude! Der Bunker ist neun Meter hoch, 57 Meter breit und 16 Meter tief; die Wände sind zwei Meter und die Decke 1,43 Meter stark. Die Nazis, berichtet Hambloch, haben ihn als langgestrecktes Gebäude mit Walmdach geplant, damit er aus der Luft bei Bombenangriffen wie ein Wohnhaus wirkt.

So sieht es im Innern aus; die Decke kommt weg; der Raum wird Teil eines Innenhofes mit Durchbruch zum Dach. Foto: Lammertz Thomas

Der Bunkerbestand wird an seiner hinteren Seite - in Südwest-Lage - einen Anbau erhalten. Zentrale Idee der Planung war es, den Innenraum zu zwei Dritteln als Innenhof zu gestalten. Wer das künftige Gebäude von vorn vom Marienplatz aus betritt, betritt künftig einen großzügigen Innenhof; das Dach über diesem Bereich wird durchbrochen; es wird Bepflanzungen geben; Wetter, Sonne und Regen werden spür- und sichtbar sein. "Vorbild sind andalusische Innenhöfe" sagt Hambloch. "Wir nennen es den Kaltbereich", ergänzt Hamblochs Sohn Hendrik; Luft, Temperatur und Anmutung werden die eines Außenbereichs sein, der von hohen Mauern umgeben ist.

Dieser Innenhofbereich wird sich über die gesamte Breite des Bunkers und eine Tiefe von rund neun Metern erstrecken. Erst dann beginnt der künftige Wohnbereich. An dieser Grenze werden - man ist noch im Innern des Bunkergebäudes - Wand und Treppenanlage eingezogen. Zwischen dieser (neuen) Wand und der heutigen Bunkerrückwand liegen rund sieben Meter Raum in die Tiefe; hier werden Diele, Schlaf- und Badezimmer der künftigen Wohnungen eingerichtet. Die Fenster liegen zum Innenhof; die Durchbrüche im Dach sorgen für Licht und Frischluft. Über die Bunkerrückwand werden dann Zugänge in den Anbau geschaffen, der licht und modern anmutet. "Die Wohnbereiche liegen etwa zu einem Drittel innerhalb des Bunkers und zu zwei Dritteln in dem Anbau", erläutert Hendrik Hambloch.

Relikte aus dem Krieg mit Verhaltensanweisungen für den Fall einer Bombardierung. Foto: Lammertz Thomas
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Die Bunkerwände bieten dabei Raum für ästhetische Entscheidungen. "Es gibt Leute, die die Betonanmutung schätzen und so einen gewissen Loftcharakter schaffen wollen", erläutert Heinz Hambloch. Wenn das nicht gewollt ist, werden die Wände verkleidet. "Wenn Sie wollen, merken Sie gar nicht, dass Sie in einem ehemaligen Bunker wohnen", sagt Hendrik Hambloch.

Die Tür zeigt die Stärke der Bunkermauern. Foto: Lammertz Thomas

Bei der Front nach vorne zum Marienplatz hin wird der Bunker nicht ganz verschwinden. "Die Bunkerwand soll in die Gesamtfassade integriert werden", sagt Hendrik Hambloch. Auf dem Dach (das 1,40 Meter dick ist) werden noch zwei Staffelgeschosse für Wohnungen entstehen. Insgesamt bietet die Wohnanlage dann Raum für 26 Wohnungen und sechs gewerbliche Flächen.

Ein Bohrkern-Loch; mit solchen Probebohrungen analysieren die Bauherren die Substanz der Bunkerwände. Foto: Lammertz Thomas

Der hintere Bereich des Bunkers, der jetzt teils zugewachsen ist, wird neu geordnet. "Wir werden einen Gartenbereich anlegen; der Spielplatz wird neu gestaltet, und es werden neue Wege angelegt, die zum Beispiel die nahegelegene Schule erschließen", resümiert Heinz Hambloch.

Der gesamte Komplex wird barrierefrei angelegt und Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen von 60 bis 160 Quadratmeter umfassen. Die Hamblochs gehen davon aus, dass die künftigen Bewohner zum Beispiel Leute sind, für die ein Haus zu groß ist (weil die Kinder aus dem Haus sind) oder Jüngere, die anfangen und noch kein Haus für eine Familie brauchen.

(RP)