Themenwoche Sicherheit Eine App sorgt für den sicheren Heimweg

Serie | Ratingen · Nach dem Sport durch die dunklen Straßen nach Hause oder allein in der Tiefgarage – besonders Frauen beschleicht da ein ungutes Gefühl. Eine App der Ratinger Sicherheitsfirma Verisure begleitet die Nutzer.

 Mit der SOS-Funktion der Guardian-App kann in Windeseile Hilfe herbeigeholt werden.

Mit der SOS-Funktion der Guardian-App kann in Windeseile Hilfe herbeigeholt werden.

Foto: Verisure

Eine Runde allein durch den Wald joggen oder zu später Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln den Heimweg antreten oder noch schnell eine Gassirunde einlegen – besonders Frauen zögern in der dunklen Jahreszeit, ob sie solche Aktivitäten wagen sollen. Eine App des Ratinger Sicherheitsunternehmens Verisure soll den Heimweg sicherer machen.

Eine Dunkelfeldstudie zur Viktimisierung von Frauen durch häusliche Gewalt, Stalking und sexualisierte Gewalt in Sachsen (VisSa) erforschte auch das Vermeidungsverhalten aus Furcht vor Kriminalität. Der Abschlussbericht wurde im Frühjahr 2023 vorgelegt. Er stellt fest, dass ungefähr ein Drittel der befragten Frauen sich häufig oder sogar sehr häufig bei ihren Aktivitäten im öffentlichen Leben einschränken. Meistens verzichten sie darauf, abends alleine aus dem Haus zu gehen oder alleine nach einer Veranstaltung nach Hause zu gehen.

Sich nicht sicher zu fühlen, wenn man alleine unterwegs ist, kennen auch Mitarbeitende von Verisure. „Besonders nachts, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe und die Straße leer ist, bekomme ich dieses Gefühl der Unsicherheit“, schildert Victoria Q.. „Wenn ich abends ausgehe, versuche ich auf dem Heimweg immer, mit jemandem aus der Gruppe mitzugehen. Wenn das nicht möglich ist und ich müsste alleine gehen, bitte ich einen Freund, bei ihm übernachten zu dürfen. Es ist mir sehr wichtig, nachts immer in Begleitung zu sein.“

„Meine Frau und meine Schwester fühlen sich im Dunkeln unsicher, wenn sie allein unterwegs sind. Ich glaube, niemand hat wirklich ein gutes Gefühl dabei, nachts oder im Dunkeln allein von A nach B zu laufen“, meint Jan V.

Dass es manchmal auf jede Sekunde ankommt, wissen die Mitarbeiter der Notruf- und Serviceleitstelle der Firma Verisure an der Balcke-Dürr-Allee. Rund um die Uhr überwachen Mitarbeiter endlose Zahlenreihen. Solange die Bildschirme ausschließlich grüne Zahlenkolonnen anzeigen, ist alles in Ordnung. Färbt sich jedoch nur eine Zeile rot, kommt es möglicherweise auf jede Sekunde an. Blitzschnell entscheiden sie, ob ein Eingreifen erforderlich ist und benachrichtigen Rettungsdienste oder Polizei.

In anderen Fällen stehen die Mitarbeiter den Kunden am Telefon in schwierigen Situationen zur Seite, bis die Gefahr überwunden ist. Seit 2020 können sich Kunden durch den „Guardian“, eine App, auf gefährlichen Strecken begleiten lassen. Was so professionell klingt, verlangt den MItarbeitern einiges ab. Egal, ob Feueralarm oder medizinischer Notfall – das Team fiebert stets mit, bis die Situation geklärt ist.

Das System des Guardian ist einfach. Mittels einer SOS-Taste auf dem Handy kann der Nutzer einen Alarm auslösen, der an die Notruf- und Serviceleitstelle übertragen wird. Die Fachkräfte können sich dann bei der betroffenen Person erkundigen, welche Hilfe sie benötiget. Falls die Person nicht in der Lage ist, Auskunft zu geben, lokalisieren die Profis das Handy und holen Hilfe. Zusätzlich zur SOS-Taste bietet der Guardian eine Begleitfunktion. Wer auf einem gefährlichen Weg den Timer aktiviert, wird von Guardian begleitet. Falls man seine Ankunft nicht innerhalb des angegebenen Zeitraums bestätigt, wird an die Notruf- und Serviceleitstelle von Verisure ein Alarm gesendet und die Fachkräfte rekonstruieren, was passiert ist.

„Verisure hat Guardian im Jahr 2020 entwickelt und auf den Markt gebracht. Zuvor haben wir die Menschen bereits umfassend geschützt, wenn sie zuhause waren“, so Alvaro Grande, Verisure-Geschäftsführer. „Zu unserem Sicherheitssystem gehörten damals die Alarmanlage für den Einbruch- und Brandschutz sowie verschiedene SOS-Tasten für den Fall, dass jemand zuhause Hilfe benötigt. Diese SOS-Tasten werden vor allem bei medizinischen Notfällen genutzt. Unsere Kunden und Kundinnen wissen das sehr zu schätzen, dass sie von Menschen beschützt werden. Doch dieser Schutz war früher auf die eigenen vier Wände beschränkt. Mit der Entwicklung von Guardian können wir ihnen diesen besonderen Schutz auch dann bieten, wenn sie unterwegs sind.“

Kleiner Wermutstropfen: Der Guardian ist im Moment noch an die Buchung eines Alarmsystems der Firma gebunden, soll aber schon bald separat verfügbar sein.

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