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Remscheid: Erbbaurecht ist eine attraktive Sache​

Immobilien in Remscheid : Erbbaurecht ist eine attraktive Sache

Die Stadt Remscheid möchte künftig vermehrt Grundstücke nach dem Erbbaurecht vergeben. Trotz langer Laufzeit kann das für Häuslebauer sehr interessant sein – denn der Erbbauzins ist niedrig.

In einer zunehmend individualisierten Welt wächst bei vielen Menschen der Wunsch nach dem Eigenheim. Allerdings stehen dem oft zwei Faktoren im Weg – zum einen die nicht unerheblichen Kosten, zum anderen muss natürlich auch Bauland oder eine Bestandsimmobilie vorhanden sein. Die Kosten drücken aktuell die niedrigen Zinsen, insofern ist das Ziel des eigenen Hauses oder der eigenen Wohnung in erreichbarere Nähe gerückt. 

Was viele Menschen nicht wissen: Eine weitere Möglichkeit, die Gesamtkosten, die beim Bau auf einen zukommen, zu drücken, können über die Art des Grundstücks beeinflusst werden. Etwa, indem man für ein Grundstück ein Erbbaurecht erhält.

Die Stadt Remscheid etwa will das Erbbaurecht künftig vermehrt nutzen – das hat der Stadtrat bereits nach der Kommunalwahl entschieden. Wichtig ist an dieser Stelle allerdings, die Begrifflichkeiten zu klären. „Viele Menschen kennen ja nur den Begriff der Erbpacht – den gibt es allerdings schon seit 1949 nicht mehr“, weiß Frank Schulz, Abteilungsleiter für Liegenschaften in der Stadtverwaltung. Der korrekte Begriff sei das Erbbaurecht.

„Das gibt es seit Anfang des 20. Jahrhunderts und es stellt eine Besonderheit im Grundstückrecht dar. Denn im Bürgerlichen Gesetzbuch sind Grundstück und Aufbau – also Haus, Garage oder Carport – grundsätzlich eine Einheit. Das gilt im Erbbaurecht nicht“, fasst Schulz zusammen.

Normalerweise kauft der Häuslebauer das Grundstück, auf das dann ein Haus gebaut wird. „Ziel des Erbbaurechts war und ist, dass man auch Menschen mit weniger Geld die Möglichkeit geben will, eigenen Wohnraum zu haben. Im Erbbaurecht gilt nämlich, dass man das Grundstück nicht kauft, sondern auf maximal 99 Jahre das Erbbaurecht bekommt“, so Schulz.

Der Stadtrat Remscheid ist nun einen Schritt weiter gegangen, im Mai ist der Erbbauzins deutlich gesenkt worden. „Deutschlandweit liegt der bei durchschnittlich etwa vier Prozent. In Remscheid allerdings zwischen einem und drei Prozent“, sagt Schulz. Dieser Schritt sei zwar nicht ohne Diskussionen vollzogen worden, allerdings sei der große Vorteil, dass auf diese Weise in der Stadt günstiger Wohnraum geschaffen werden könne. „Grundsätzlich kann jede Kommune den Erbbauzins selbst bestimmen“, erläutert Schulz.

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Derzeit gebe es auf dem Stadtgebiet um die 250 Erbbaupachtgrundstücke. „Diese sind sowohl gewerblich als auch privat oder sozial nutzbar. Schwerpunkte sind in Klausen, an der Düringer Straße oder am Hasten“, so der Abteilungsleiter.

In soziale Nutzung seien etwa Tennisvereine, die auf städtischen Grundstücken per Erbbaurecht ihre Plätze haben. „Zum Teil sind auch Kindertagesstätten auf Erbbaugrundstücken. Zwei neue Kitas sind etwa an der Oststraße und am Hackenberg – da ist der Erbbaunehmer die Sparkasse, die die Einrichtungen auch gebaut und dann weitervermietet hat“, informiert Schulz.

Die Vorteile auch für private Erbbaunehme liegen auf der Hand. „Vor allem sind es die geringeren Investitionen – man hat die langfristige Belastung, die sich aber gerade in Remscheid im überschaubaren Rahmen bewegt“, sagt Schulz.

Natürlich gibt es aber auch Nachteile. Dazu zählt vor allem die lange Laufzeit. „Normalerweise hat man ja nach 33 Jahren das Grundstück abbezahlt – dann läuft das Erbbaurecht noch 66 Jahre weiter“, betont Schulz.

Zudem erwerbe man nicht das Eigentum des Grundstücks. „Auch rechtlich gibt es einige Dinge, die man beachten muss, etwa bei der Eintragung von Grundschulden“, sagt der städtische Abteilungsleiter . Und dennoch: Was das eigentliche Bauen angehe, sei man indes nicht anders eingeschränkt, als wenn man ein Grundstück kaufe. „Hier gilt fürs Erbbaurecht genau wie für den Grundstückskauf der jeweils aktuelle Bebauungsplan“, weiß Schulz. Auch die vermeintlich „ewige Bindung“ sei letztlich keine Hürde. Denn auch das Erbbaurecht könne verkauft werden. „Auf der anderen Seite ist die Beständigkeit eine nicht unattraktive Sache, die für viele Menschen interessant sein dürfte“, sagt Schulz.

 Eine Besonderheit des Erbbaurechts ist, dass ohne weitere Absprache nach Ablauf der 99 Jahre neben dem Grundstück auch das darauf befindliche Haus in das Eigentum des Erbbaugebers übergeht. „Natürlich wird der dann ehemalige Erbbaunehmer für das Haus entschädigt – aber das Eigentum geht an den Erbbaugeber“, sagt Schulz. Und ergänzt: „Aber natürlich besprechen wir das früh genug mit den Erbbaunehmern.“