Nachhaltige Geldanlage Wie man wirklich nachhaltig investiert

Viele Menschen wollen ihr Vermögen mit gutem Gewissen für sich arbeiten lassen. Wichtig dabei ist, dass sie sich nicht auf den Zufall verlassen. Ein hilfreiches Instrument ist die ESG-Zertifizierung.

 Soziale und ökologische Verantwortung ist messbar. So können Anleger etwa anhand der ESG-Zertifizierung geeignete Fonds finden. Unabhängige Vermögensberater helfen dabei.

Soziale und ökologische Verantwortung ist messbar. So können Anleger etwa anhand der ESG-Zertifizierung geeignete Fonds finden. Unabhängige Vermögensberater helfen dabei.

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Nachhaltigkeit liegt im Trend: beim Bauen, bei der Mobilität, bei der Kleidung und natürlich auch beim Investieren. Ende 2020 erreichte das Volumen nach aktuellen Erhebungen des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) mit mehr als 335 Milliarden Euro einen neuen Rekordstand. Die Tendenz ist stark steigend und politisch gewollt: Im Rahmen des EU-Aktionsplans „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ sind bereits verschiedene Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Marktes umgesetzt worden.

 Das große Problem, vor dem viele Anleger stehen: Wie erkennen sie eigentlich, dass ihre gewählte Kapitalanlage wirklich nachhaltig ist und tatsächlich ESG-(Environment, Social, Governance – Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) beziehungsweise SDG-Kriterien (Sustainable Development Goals, „17 Ziele für nachhaltige Entwicklung“) erfüllen?

 „Das ist ein wichtiger Punkt, aber nicht leicht umzusetzen. Da sich in der Realität allerdings nur die wenigsten Wirtschaftsaktivitäten in eindeutiger Weise als ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ etikettieren lassen, sollten sie sich einstweilen bei der Auswahl ihrer Kapitalanlage nach ESG-Ratings richten. Eine erfolgreiche ESG-Zertifizierung sagt aus, dass die ökologische und soziale Nachhaltigkeit der Unternehmen in einem Portfolio deutlich positiver bewertet wird als ein im rein ökonomischen Sinne vergleichbares Marktportfolio“, sagt Dr. Dirk Rathjen, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) aus München. Das Institut bietet eine spezielle ESG-Zertifizierung für Banken und Vermögensverwalter an, die dadurch ihre Nachhaltigkeitsqualität belegen können. „Dieses Urteil basiert auf einem regelmäßigen Prüfprozess, bei dem uns der Anbieter des Portfolios mindestens ein Jahr lang einmal pro Quartal den aktuellen Bestand des Fonds oder Portfolios vollständig übermittelt. Anhand dieses Bestandes bestimmen wir ein differenziertes Nachhaltigkeitsprofil des Portfolios, das in einem Zertifikat als eigenes Kapitel dargestellt wird“, betont Dirk Rathjen.

 Auf die Bedeutung externer Zertifizierungen weist auch Dyrk Vieten, Geschäftsführer von ficon Vermögensmanagement aus Düsseldorf, hin. Für den nachhaltigen Dividendenfonds „ficon Green Dividends“, der sich vor allem auf Unternehmen mit einer guten Governance (die also transparent und verantwortungsvoll agieren) konzentriert, setzt Vieten auf das Rating der unabhängigen Agentur ISS-oekom. „Auf dieser Basis wählen wir die besten Unternehmen für unseren Fonds aus und stellen auf diese Weise sicher, dass wir im nachhaltigen Sinne für die Anleger agieren und die Anleger dies auch selbst überprüfen können.“

 Einen Schritt über die typischen Nachhaltigkeitskriterien hinaus geht die 4L Capital. Die Vermögensverwaltung setzt ausschließlich auf das Impact Investing, also die Investmentphilosophie, durch die eine positive und direkt messbare soziale und/oder ökologische Wirkung hergestellt werden soll. Dafür setzen die Vermögensverwalter vorrangig auf Direktinvestments, um unternehmerische Entscheidungen im Sinne der Nachhaltigkeit unmittelbar zu beeinflussen. „Auch mit Aktien ist Impact Investing möglich. Impact-orientierte Aktieninvestoren signalisieren, dass die finanzielle Wirkung wichtig ist und dass alle Auswirkungen eines Unternehmens eine Rolle spielen. Sie engagieren sich für das Unternehmen, um es besser zu machen und stellen flexibles Kapital bereit. Ein konsequentes Investment erhöht die Visibilität von unterbewerteten Impact-Unternehmen und erhöht dadurch die Wirkungsorientierung des Unternehmens“, sagt Managing Director Peter Brock.

 Durch den klaren Fokus auf Impact-orientierte Unternehmen gewinnen Investoren mehr Sicherheit für ihre Anlageentscheidungen. Die 4L Capital-Experten analysieren die börsennotierten Unternehmen beispielsweise auf Basis von allgemeinen Veröffentlichungen, verfügbaren Analystenreports und Internetrecherchen, in Verbindung mit der sehr stringenten Durchsetzung eines Katalogs von Ausschlusskriterien. Daraus entsteht laut Peter Brock ein Portfolio aus globalen börsennotierten Unternehmen, die einen messbaren Beitrag zur Lösung der großen ökologischen, gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen leisten.

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